Ende 2025 erklärte Wladimir Putin auf seiner jährlichen großen Pressekonferenz, Russland habe die „volle digitale Souveränität“ erreicht. Der Staatsoberhaupt nannte Russland das dritte Land der Welt mit einer solchen Unabhängigkeit, neben den USA und China. Als Beweis führte er die Schaffung des inländischen Messengers «Max» an, der ausländische Alternativen ersetzen und zur Plattform für staatliche Dienstleistungen werden sollte. Die Ereignisse der letzten Wochen zeigten jedoch, dass die Realität erheblich von den offiziellen rhetorischen Konstrukten abweicht.
Sanktionen gegen die „digitale Festung“
Am 13. Juli verhängte die Europäische Union neue Sanktionen gegen das russische Unternehmen VK und damit verbundene Dienste. Von den Beschränkungen betroffen waren nicht nur die sozialen Netzwerke „Wkonтакте“ und „Odnoklassniki“, sondern auch der Messenger «Max», den die Behörden als Schlüsselelement der Importsubstitution positionieren. Der Grund für das Vorgehen Brüssels war die Anschuldigung, die Dienste unterdrückten die Zivilgesellschaft und halfen den Geheimdiensten bei der Überwachung der Nutzer.
Die Folge der Sanktionen war die Entfernung der VK-Apps aus den globalen Stores: App Store (Apple) und Google Play. Dieses Ereignis war ein Schlag gegen das Konzept der „digitalen Souveränität“, da der Zugang zum „nationalen“ Messenger kritisch von amerikanischen Technologie-Riesen abhängig wurde.
Probleme für Apple-Nutzer
Die Situation für Besitzer von iOS-Geräten erwies sich als am schwierigsten. Apple entfernte die VK-Apps bereits im Juni, noch vor der offiziellen Verhängung der Sanktionen, vorsorgend aus seinem Store. Für Nutzer, bei denen «Max» zuvor installiert war, hörte die Arbeit der App nicht auf, wurde aber extrem unpraktisch. Die Hauptbeschränkung ist das Fehlen von Push-Benachrichtigungen.
Die Entwickler müssen den Nutzern raten, „die App von Zeit zu Zeit manuell zu öffnen, um wichtige Nachrichten nicht zu verpassen“. Im Wesentlichen verwandelt sich der Messenger in einen E-Mail-Client, der ständige manuelle Kontrolle erfordert. Da «Max» für die Authentifizierung bei „Gosuslugi“ (staatliche Dienste), zur Altersverifikation beim Alkoholaufkauf und sogar zum Erhalt von QR-Codes für Benzin in der Region Transbaikalien verwendet wird, können solche Unannehmlichkeiten schwerwiegende Folgen für den Alltag der Bürger haben.
Alternativen und Risiken für Android
Die Situation auf dem Android-Markt, der in Russland etwa 75 % ausmacht, sieht stabiler aus, ist aber nicht frei von Risiken. Nach dem Verschwinden von «Max» aus dem Google Play Store leiteten die Entwickler die Nutzer auf alternative Plattformen um: den russischen RuStore sowie die App-Stores von Huawei und Xiaomi. Auch der direkte Download von der Website ist möglich.
Gegenwärtig funktionieren alle Funktionen, einschließlich Benachrichtigungen, auf Android einwandfrei. Experten merken jedoch an, dass der RuStore, trotz des Wechsels des Eigentümers (der Dienst wurde am Tag des Verschwindens aus dem Google Play Store an den Generaldirektor verkauft), in Zukunft ähnlichen Sanktionen unterliegen könnte. Russische Unternehmen haben in der Vergangenheit wiederholt das Schema des Notfallverkaufs von Vermögenswerten zur Umgehung von Beschränkungen angewendet, aber die Wirksamkeit dieser Methode ist nicht garantiert.
Die Kluft zwischen Rhetorik und Realität
Wladimir Putin hatte versprochen, dass der Staat über «Max» Dienstleistungen anbieten werde, die über ausländische Systeme nicht verfügbar sind. Langfristig sollte der Messenger den Pass in einigen Szenarien ersetzen. Wenn die App jedoch auf einem neuen Gerät nicht installiert werden kann und bestehende Nutzer kritisch wichtige Funktionen verlieren, ist es verfrüht, von vollständiger Souveränität zu sprechen.
Die Entfernung von «Max» aus den weltweiten App-Stores zeigt, dass die wichtigsten Informationssysteme Russlands nach wie vor von westlicher Infrastruktur abhängen. Anstatt der angekündigten „digitalen Souveränität“ sieht sich das Land mit der Notwendigkeit konfrontiert, Umgehungswege zu schaffen, die jederzeit abgeschnitten werden können.