Angesichts zunehmender geopolitischer Unsicherheit und der Befürchtung, dass die USA aus der europäischen Agenda aussteigen könnten, haben Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich ihre Kräfte gebündelt, um ein eigenes Verhandlungsformat zur Beilegung des Konflikts in der Ukraine zu schaffen. Wie aus diplomatischen Kreisen bekannt wurde, formieren die drei Länder eine sogenannte «Koalition der Willigen» (E3), um sicherzustellen, dass die Sicherheit des Kontinents nicht im Rahmen bilateraler Geschäfte zwischen Washington und Moskau hinter ihrem Rücken entschieden wird.
Angst vor einem «Deal des Jahrhunderts» ohne Europa
Laut Informationen von fünf europäischen Beamten wird die Initiative von der tiefen Sorge getrieben, dass die Vereinigten Staaten den europäischen Raum verlassen oder Schlüsselvereinbarungen mit Russland treffen könnten, wobei die europäischen Verbündeten vom Prozess ausgeschlossen würden. Frankreich und Deutschland spielen eine führende Rolle bei der Ausformulierung dieser gemeinsamen Position und streben danach, Europa einen Platz am Verhandlungstisch zu sichern. Diplomaten betonen, dass die Beziehungen zu Russland und das Ergebnis des Krieges in der Ukraine unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheit des Alten Kontinents haben; daher sei ein Szenario, in dem Washington und Moskau ohne Beteiligung Europas abkommen, inakzeptabel.
Uneinigkeit innerhalb der «Dreiergruppe» und die Rolle Londons
Trotz der gebündelten Bemühungen gibt es innerhalb des E3-Formats Unterschiede in den Ansätzen. Das Vereinigte Königreich handelt vorsichtiger als seine kontinentalen Partner. Nach Angaben von Diplomaten fürchtet London, dass eine zu aktive eigenständige Initiative die Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump verschlechtern könnte. Gleichzeitig bestehen Paris und Berlin darauf, dass bei allen zukünftigen Vereinbarungen die Interessen ganz Europas und nicht nur der beiden Supermächte berücksichtigt werden.
Ausweitung der Koalition und Zweifel der Partner
Um ihre Pläne zu verwirklichen, beabsichtigen Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich, Polen, Italien und die nordischen Länder in die Konsultationen einzubeziehen. Auch die Information und Einbindung der Europäischen Union ist vorgesehen. Allerdings sind, wie Quellen anmerken, nicht alle Staaten bereit, der «Dreiergruppe» blind zu vertrauen. Insbesondere die baltischen Staaten und Ungarn äußern Skepsis gegenüber der Fähigkeit Frankreichs und Deutschlands, ihre Interessen vollständig zu vertreten, und fürchten, dass die westlichen Partner Kompromisse eingehen könnten, die für die an Russland grenzenden Länder inakzeptabel wären.
Reaktion Moskaus und Position Kiews
Gegenwärtig gibt es wenige Anzeichen dafür, dass der russische Präsident Wladimir Putin zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist. In Russland wird vor den Wahlen zur Staatsduma die kriegsorientierte Rhetorik verschärft, wobei erklärt wird, den Krieg nur unter den Bedingungen des Kremls beenden zu wollen. Experten des Instituts für Kriegsstudien (ISW) glauben, dass die russische Regierung damit versucht, die Gesellschaft um den Krieg zu vereinen und den Verzicht auf Diplomatie zu rechtfertigen. Europäische Beamte erwarten, dass, falls ein diplomatischer Prozess doch einsetzt, die USA wahrscheinlich die führende Rolle in den Verhandlungen mit Moskau übernehmen werden, was die Besorgnis in der E3 nur noch verstärkt.
Offizielle Kommentare und Status der Initiative
Im britischen Außenministerium wurde erklärt, dass die gegenwärtige Debatte spekulativ bleibt. Ein Vertreter der EU betonte, dass verschiedene diplomatische Bemühungen sich ergänzen und nicht konkurrieren. Dennoch wird bereits an Optionen für militärische Unterstützung und Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem möglichen Friedensabkommen gearbeitet. Dies zeigt, dass sich die europäischen Führer auf Szenarien vorbereiten, in denen sie die Stabilität in der Region selbst gewährleisten müssen.