Am 9. August 2026 hat die Europäische Kommission offiziell eine entscheidende Phase der Entwicklung des Plans für die Bereitstellung der souveränen Satellitenkommunikationsgruppe IRIS² abgeschlossen. Das Projekt, das ursprünglich als Antwort auf die technologische Abhängigkeit von externen Akteuren konzipiert wurde, ist nun in die Phase des Vollbaus übergegangen. Im Ergebnis von Verhandlungen, die im Januar 2026 begannen, wurde eine endgültige Vereinbarung zwischen den wichtigsten europäischen Herstellern, der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und privaten Investoren unterzeichnet.
Vergrößerung der Konstellation und neue Ziele
Ein Hauptergebnis der Verhandlungen war eine wesentliche Änderung der Systemarchitektur. Die Partner haben sich auf die Herstellung und Lieferung einer Anzahl von Satelliten geeinigt, die die ursprünglichen Prognosen übersteigt. Anstatt der zuvor geplanten 290 Geräte wird die IRIS²-Konstellation aus 348 Satelliten bestehen. Diese Erhöhung um 66 Einheiten dient der Erhöhung der Ausfallsicherheit und der Abdeckung von Zonen, die zuvor „blind“ waren.
Die ESA erklärte, dass zusätzliche Satelliten für die Stärkung des Verteidigungspotenzials und der Sicherheit von kritischer Bedeutung sind. Nach Schätzungen der Agentur wird diese Verstärkung die Möglichkeiten der Regierungen zur Gewährleistung der Sicherheit innerhalb der Europäischen Union um 60 % und global um 54 % erweitern. Das System wird eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung kritischer Missionen während Krisenzeiten spielen und Kommunikation bereitstellen, wo die terrestrische Infrastruktur zerstört oder unzugänglich ist.
Strategie gegen Starlink: Qualität statt Quantität
In Bezug auf den globalen Markt für Satelliteninternet, der von der SpaceX-Starlink-Konstellation mit ihren mehr als 10.000 Geräten dominiert wird, könnte IRIS² bescheiden erscheinen. Experten betonen jedoch den grundlegenden Unterschied in den Aufgaben. Während Starlink ursprünglich als massives kommerzielles Breitbandnetz für die Zivilbevölkerung geschaffen wurde, ist IRIS² ein Instrument des staatlichen Souveränitäts.
Hauptnutzer des Systems werden staatliche Einrichtungen der EU-Länder sowie Norwegens und Islands sein. Der Anwendungsbereich umfasst die Reaktion auf Notfälle, humanitäre Hilfe, Grenzkontrolle und den Schutz kritischer Infrastrukturen. Dennoch wird der Zugang zum Netzwerk langfristig auch für Unternehmen sowie Privatpersonen in abgelegenen Regionen geöffnet, in denen traditionelle Anbieter keine zuverlässige Verbindung gewährleisten können.
Zeitplan für den Start und Investitionen
Die Vereinbarung legte auch die Zielkosten des Projekts und das Investitionsvolumen privater Investoren fest, was die Frage der Finanzierung für die kommenden Jahre klärt. Gemäß dem genehmigten Zeitplan sollen die ersten Satelliten der Konstellation im Jahr 2029 in den Orbit gebracht werden. Die Dienstleistung für die Nutzer wird im selben Jahr beginnen, was Europa bis Ende des Jahrzehnts ein vollständig funktionierendes eigenes Kommunikationsnetzwerk ermöglicht, das unabhängig von amerikanischen oder chinesischen Äquivalenten ist.