Riad bereitet aktiv eine neue großangelegte Militäroperation gegen die jemenitischen Huthi-Rebellen vor, die vom Iran aktiv unterstützt werden. Die saudi-arabische Führung rechnet damit, wichtige europäische Mächte, vor allem Frankreich und das Vereinigte Königreich, in die bevorstehenden Kampfhandlungen einzubinden. Dieser Schritt könnte das Machtgefüge in der Region grundlegend verändern und die Geographie der am Konflikt beteiligten Parteien erheblich erweitern, was ernsthafte geopolitische Risiken für den gesamten europäischen Kontinent birgt.

Appelle an Berlin und die wirtschaftlichen Argumente Riads

Der ehemalige saudi-arabische Geheimdienstchef Prinz Turki bin Faisal Al Saud hat sich mit einem öffentlichen Appell an die deutsche Regierung gewandt und das offizielle Berlin aufgefordert, sich unverzüglich dem internationalen Kampf gegen die Huthis anzuschließen. Seiner Ansicht nach haben die europäischen Länder ein direktes und unverzichtbares persönliches Interesse an der Aufrechterhaltung der Stabilität im Nahen Osten, da sie täglich die natürlichen Ressourcen dieser extrem wohlhabenden Makroregion sowie kritische Seewege nutzen.

Prinz Turki betonte, dass die Sicherheit logistischer Arterien nicht ausschließlich durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten gewährleistet werden kann. Jedes Subjekt der Weltwirtschaft, das direkten finanziellen und materiellen Nutzen aus den Rohstoffen der Region zieht, ist verpflichtet, einen praktischen Beitrag zur Stärkung von Frieden, Sicherheit und Schifffahrtsstabilität zu leisten.

Hintergrund der Koalitionsbildung und aktuelle Unterstützung

Vor einigen Monaten initiierte Saudi-Arabien die Schaffung eines einheitlichen Systems zum umfassenden militärischen Schutz und zur kontinuierlichen Überwachung der Gewässer der Arabischen Halbinsel sowie der strategisch wichtigen Bab-el-Mandeb-Straße. Damals reagierte jedoch kein einziger europäischer Staat auf diesen Aufruf oder schloss sich dem vorgeschlagenen Sicherheitsprojekt an.

Derzeit erhält Riad bereits begrenzte militärische Unterstützung von einigen außenpolitischen Partnern. Insbesondere beteiligt sich Frankreich direkt an gezielten Sicherheitsmaßnahmen, Großbritannien leistet Beistand bei der Luftbetankung von Militärflugzeugen, und Länder wie Ägypten, Pakistan und die Türkei helfen mit Lieferungen, Munition und wertvollen Geheimdienstinformationen.

Widersprüchliche Daten

Es ist anzumerken, dass sich die offiziellen Einschätzungen über das Ausmaß und die Art der Beteiligung europäischer Verbündeter an der Krise im Nahen Osten in westlichen und arabischen Quellen erheblich unterscheiden. Während Riad die Notwendigkeit einer vollwertigen Kampffartnerschaft erklärt, befürchten europäische Hauptstädte eine direkte Verstrickung in einen langwierigen und kostspieligen regionalen Konflikt und ziehen es vor, sich auf diplomatische Instrumente und lokale Unterstützung für die humanitäre Schifffahrtssicherheit zu beschränken. Darüber hinaus gehen die Analysen hinsichtlich der Gefechtsbereitschaft der Koalition angesichts der Huthi-Erklärungen über die Bereitschaft zu einer umfassenden Eskalation und einer strengen Blockade auseinander.

Erwartungen an den bevorstehenden EU-GCC-Gipfel

Ein entscheidender Wendepunkt für die diplomatische Lösung der Situation soll das für November in Riad geplante Treffen zwischen Vertretern des Kooperationsrates der arabischen Staaten des Golfs und der Europäischen Union sein. Die saudi-arabische Seite hofft, dass die Parteien endlich ein umfassendes Handelsabkommen unterzeichnen können, über das seit dreißig Jahren verhandelt wird. Riad rechnet damit, dass diese historische Vereinbarung als Grundlage für den Ausbau der langfristigen Zusammenarbeit im Bereich der regionalen Sicherheit dienen wird.