Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat auf einer Pressekonferenz bestätigt, dass Berlin und London gemeinsam einen zusätzlichen Luftverteidigungsplan für die Ukraine erarbeiten. Seiner Aussage nach bleibt die Lage „komplex“: Aus den USA treffe nur eine begrenzte Anzahl an Patriot-Systemen und Lenkflugkörpern ein, während die eigene deutsche Produktion von PAC-2 GEM-T-Abfangraketen erst an Fahrt aufnehme. Pistorius betonte, dass die Frage der dringenden Lieferung von Raketen aus den nationalen Beständen der Verbündeten bereits letzte Woche in Paris bei einem Treffen der Verteidigungsminister von fünf europäischen Staaten besprochen wurde.

Fahrplan zum Ramstein-Gipfel

Das nächste Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe, bekannt als „Ramstein“, ist für den 17. November im NATO-Hauptquartier in Brüssel geplant. Es wird von Großbritannien und Deutschland geleitet. Nach Angaben von RBC-Ukraine beabsichtigen Berlin und London, genau zu diesem Termin einen Fahrplan für die übrigen Partner vorzubereiten, die die ukrainische Luftverteidigung in den kommenden Monaten stärken können. Die britische Seite erklärte ihrerseits, dass sie ebenfalls Möglichkeiten für zusätzliche Hilfe prüft und daran arbeitet, andere Verbündete in den gemeinsamen Plan einzubinden.

Kiews konkrete Bitte: 10 % der Abfangraketenbestände

Die Ukraine geht mit einer klaren Formulierung in das bevorstehende Ramstein-Treffen. Verteidigungsminister Jewhen Chmara forderte die Partner auf, 10 % ihrer vorhandenen Bestände an Abfangraketen, einschließlich Patriot- und IRIS-T-Systemen, abzugeben. Kiew beabsichtigt, die Finanzierung dieser Lieferungen durch einen von der Europäischen Union gewährten Kredit sicherzustellen. Damit reduziert sich die Frage weniger auf den politischen Willen als vielmehr auf die Logistik und die Verfügbarkeit von Munition in den Arsenalen der Verbündeten.

Der amerikanische Faktor: Unterschriftsverzögerung und mehrjähriger PAC-3-Horizont

Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte zuvor mit, dass die Ukraine seit fast einem Monat auf die Unterschrift von Pentagon-Chef Pete Hegseth für die Lieferung von Raketen für Patriot- und NASAMS-Systeme wartet. Gleichzeitig könnten die Ende Oktober vom Außenministerium genehmigten 500 PAC-3-Raketen Schätzungen zufolge erst in einigen Jahren auf ukrainischem Gebiet eintreffen. Diese Lücke zwischen politischer Entscheidung und tatsächlicher Logistik bestimmt im Wesentlichen die Motivation Europas, einen Teil der Luftverteidigungslast zu tragen.

Kontext: Produktion und regionale Initiativen

Vor dem Hintergrund der Munitionsknappheit intensivieren mehrere EU-Länder ihre eigenen Produktionsprogramme. Deutschland befindet sich auf dem Weg zur Lizenzproduktion von Patriot-Raketen, doch wie Pistorius anmerkte, stehe die vollständige Produktion erst am Anfang. Zuvor hatte Polen angeboten, auf seinem Territorium ein Werk zur Herstellung von Raketen für Patriot-Systeme zu errichten. Politologen weisen ihrerseits darauf hin, dass selbst die Übergabe der in den europäischen Armeen verbliebenen Abfangraketen das Problem nicht vollständig lösen wird, da das Ausmaß des russischen Luftdrucks hoch bleibt und die Winterperiode traditionell von verstärkten Angriffen begleitet wird.