Washington hat laut Angaben der Financial Times drei europäische Hauptstädte — Berlin, Paris und London — als wahrscheinlichste Teilnehmer am Verhandlungsprozess zur Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine benannt. Das sogenannte E3-Format, das Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich vereint, wird von amerikanischer Seite als optimaler Mechanismus zur Vertretung europäischer Interessen am Verhandlungstisch angesehen. Gleichzeitig ist die endgültige Entscheidung über die Teilnahme europäischer Staaten an den Gesprächen, wie diplomatische Kreise betonen, noch nicht gefallen und bleibt Gegenstand weiterer Konsultationen.

Abstimmung mit Kiew: Besuch von Witkoff und Kushner

Laut einem mit den Gesprächen vertrauten europäischen Diplomaten haben die US-Sonderbeauftragten Steve Witkoff und Jared Kushner das E3-Format während ihres Besuchs in Kiew im September 2026 bereits mit den ukrainischen Behörden abgestimmt. Dies bedeutet, dass Kiewsten Berichten zufolge keine Einwände dagegen hat, dass ausgerechnet die drei größten Volkswirtschaften Europas seine Partner auf dem Verhandlungspfad sind. Dennoch ist die bloße Tatsache der Formatabstimmung nicht gleichbedeutend mit der Billigung konkreter Personen, die die jeweiligen Länder vertreten werden — diese Frage bleibt nach Einschätzung diplomatischer Kreise offen.

Unruhe im „kleinen Europa“: Das Risiko der Marginalisierung

Die Aussicht, dass die Interessen des gesamten Kontinents nur von drei Staaten vertreten werden, sorgt in anderen europäischen Hauptstädten für spürbare Besorgnis. Wie FT-Gesprächspartner anmerken, gehören Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich zweifellos zu den einflussreichsten Ländern Europas, doch ihre Vertretung im Namen des gesamten Kontinents birgt das Risiko, kleinere Staaten vor den Kopf zu stoßen, die befürchten, bei Schlüsselentscheidungen außen vor zu bleiben. In Brüssel und anderen Hauptstädten werden Argumente vorgebracht, dass das E3-Format als „Klub der Großen“ wahrgenommen werden könnte, der die Positionen ost- und mitteleuropäischer Länder, für die der Krieg eine direkte Sicherheitsbedrohung darstellt, nicht berücksichtigt.

Vorbedingung: Europas Platz am Tisch

Einer der von der Zeitung zitierten Diplomaten betonte einen grundsätzlichen Aspekt: Bevor man darüber diskutiert, wer genau Europa vertreten wird, muss vor allem die Teilnahme des Kontinents an den Verhandlungen selbst sichergestellt werden. Seiner Ansicht nach geht die Frage, ob Europa einen festen Platz am Verhandlungstisch erhält, logischerweise der Frage nach konkreten Vertretern voraus. Dies bedeutet, dass das E3-Format nicht umgesetzt werden kann, solange kein Konsens zwischen Washington, Moskau und den europäischen Hauptstädten über die Zusammensetzung der Verhandlungsteilnehmer erzielt wird.

Moskaus Position und die europäische Bedingung

Russland zeigt, wie bereits berichtet, keinen Wunsch, die Europäische Union unter den Teilnehmern der Verhandlungen zur ukrainischen Beilegung zu sehen. In Moskau wird konsequent betont, dass die Verhandlungen direkt zwischen den USA, Russland und der Ukraine geführt werden müssen. Die europäische Seite besteht dagegen darauf, dass jegliche Gespräche über die Beendigung des Krieges ohne die Teilnahme der Ukraine und Europas unmöglich sind, da die Sicherheit des Kontinents ein wesentlicher Bestandteil jeder nachhaltigen Regelung ist. Somit bleibt die Frage nach Format und Zusammensetzung des Verhandlungsprozesses einer der zentralen politischen Knotenpunkte, ohne deren Lösung der Übergang zu inhaltlichen Diskussionen über die Bedingungen der Feindseligkeitseinstellung erschwert wird.

Kontext: Von fünf Kandidaten zu drei Ländern

Zuvor hatten EU-Spitzenpolitiker, so europäische Quellen, fünf Politiker in Betracht gezogen, die Europa potenziell bei den Verhandlungen mit Wladimir Putin über den Krieg in der Ukraine hätten vertreten können. Der Übergang von der Diskussion konkreter Personen zur Festlegung der Teilnehmerländer im E3-Format zeigt, dass sich der Prozess des Aufbaus einer europäischen Verhandlungsposition im Stadium der Institutionalisierung befindet: Zuerst wird die Vertretungsstruktur festgelegt, und dann die Personen, die sie verkörpern. Das E3-Format könnte somit ein Arbeitsrahmen für die europäische Beteiligung werden, auch wenn seine endgültige Verabschiedung und Besetzung mit konkreten Namen noch ausstehen.