Im diplomatischen Dreieck Washington–Brüssel–Moskau ist ein tiefer Riss bezüglich der Verhandlungsansätze zur europäischen Nachkriegssicherheit entstanden. Berichten von Bloomberg-1-Quellen zufolge halten es europäische Beamte für sinnlos, Moskaus Ansprüche bezüglich der Sicherheitsarchitektur des Kontinents zu diskutieren, solange Russland aktive Kampfhandlungen gegen die Ukraine führt und geltende internationale Abkommen bricht. Ihrer Überzeugung nach existiert das derzeitige System der kollektiven Verteidigung vor allem dazu, Russland von einem erneuten Angriff auf Europa abzuhalten, und die Diskussion über dessen Umbau vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges bedeutet, dem Aggressor Hebel in die Hand zu geben. Vor allem, so betonen europäische Hauptstädte, müsse ein Waffenstillstand eintreten, und jegliche Vereinbarungen über die Nachkriegssicherheit erfordern die einstimmige Zustimmung aller europäischen Staaten.
Die Position der USA: Parallele Stränge und Kushners fünf Ziele
Die Regierung von Donald Trump plädiert im Gegensatz dazu dafür, Fragen der europäischen Sicherheitsarchitektur parallel zu anderen Themen in den Verhandlungsprozess mit Russland einzubeziehen. Der Schwiegersohn des Präsidenten und Sondergesandte Jared Kushner formulierte fünf Zielparameter: ständige Sicherheitskonsultationen, zuverlässige Kommunikationskanäle für Krisen, erhöhte militärische Transparenz, gegenseitige Schritte zur Reduzierung von Eskalationsrisiken sowie einen langfristigen Stabilitätsrahmen in Europa. Das Weiße Haus versicherte, Washington erkenne die Souveränität der europäischen Staaten und die zentrale Rolle der NATO bei der kollektiven Verteidigung an, doch allein die Tatsache eines parallelen Strangs hat einige europäische Hauptstädte alarmiert.
Kritik aus Europa und dem Kongress
Die Reaktion auf den amerikanischen Ansatz folgte prompt und aus zwei Richtungen. Der polnische Außenminister Radosław Sikorski erklärte, Europa solle sich keinen Frieden mehr wünschen als Putin, und fügte hinzu: „Es sieht so aus, als würde manchmal mehr Druck auf das Opfer als auf den Aggressor ausgeübt.“ Kritik kam auch von den Demokraten im Kongress, die nach den Zwischenwahlen in beiden Kammern die Mehrheit errangen. Senator Michael Bennet betonte in einer öffentlichen Erklärung: „Wir haben bereits eine europäische Sicherheitsarchitektur. Sie heißt NATO.“
Die Territorialfrage und Moskaus Kalkül
Fragen zu Gebietsabtretungen wurden in der aktuellen Phase zurückgestellt, da sie nach Einschätzung diplomatischer Kreise Entscheidungen auf höchster Ebene erfordern. Denselben Bloomberg-Quellen zufolge fordert Wladimir Putin nach wie vor die Abtretung des gesamten Donbass an die Ukraine. In europäischen Hauptstädten geht man davon aus, dass Moskau in den kommenden Monaten nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist und stattdessen auf massive Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur setzt, um die Moral der Bevölkerung zu brechen und seine Verhandlungsposition zu stärken.
Vorbereitung auf Abu Dhabi: Delegationszusammensetzung und Agenda
Kiew hat sich im Voraus auf das für den 10. bis 11. November anberaumte dreiseitige Treffen in Abu Dhabi vorbereitet. Die Ukraine gab die Zusammensetzung ihrer Delegation bekannt: Ihr wird der Leiter des Präsidialamtes, Kyrylo Budanow, angehören. Ursprünglich hieß es, er werde die Verhandlungsgruppe leiten, doch der Kommunikationsberater des Präsidenten, Dmytro Lytwyn, stellte später klar, dass Budanow einer der Teilnehmer und nicht der alleinige Leiter sein wird. Hauptthema der ukrainischen Seite bei dem Treffen werden laut Wolodymyr Selenskyj Sicherheitsgarantien sein — genau diese müssten, wie der Präsident betonte, in Abu Dhabi besprochen werden.