Die Europäische Kommission hat am 30. Oktober ein Verfahren eingeleitet, in dessen Rahmen die EU-Mitgliedstaaten die letzten 45 Milliarden Euro an Krediten für die Ukraine genehmigen müssen. Berichten zufolge entspricht dieser Betrag rund 50,4 Milliarden US-Dollar und wird bis Ende 2027 ausgezahlt, wobei der Großteil der Mittel für die Rüstungsindustrie eingeplant ist. Die Initiative ist der nächste Schritt bei der Umsetzung des Kreditprogramms, auf das sich die EU-Spitzen Ende 2025 geeinigt hatten.
Mechanismus und Gesamtvolumen des Programms
Zuvor hatte die Europäische Union ein Kreditprogramm für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro bis Ende 2027 gebilligt, von denen die Hälfte – 45 Milliarden Euro – bereits 2026 ausgezahlt werden sollte. Der am 30. Oktober vorgeschlagene Mechanismus betrifft genau die zweite Hälfte der Summe: Die EU-Mitgliedstaaten müssen dieser formal zustimmen. Die Mittel wurden durch gemeinsame EU-Anleihen aufgenommen, nachdem in Brüssel keine Einigung über die Verwendung eingefrorener russischer Vermögenswerte erzielt werden konnte.
Bewertung durch Brüssel und Position der Kommissionspräsidentin
Die Europäische Kommission bewertete die von der Ukraine vorgelegte Finanzierungsstrategie positiv. „Mit diesem Vorschlag verschaffen wir der Ukraine die dringend benötigte Planungssicherheit und tragen dazu bei, den Betrieb wesentlicher staatlicher Dienste aufrechtzuerhalten“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Brüssel betont damit, dass das Ziel des Mechanismus nicht so sehr eine einmalige Zahlung ist, als vielmehr die Schaffung eines nachhaltigen Finanzierungsfahrplans für den verbleibenden Zeitraum bis Ende 2027.
Neunte Tranche und nichterfüllte Bedingungen
Parallel zum Start des Verfahrens über die 45 Milliarden Euro schlug die Europäische Kommission vor, eine Auszahlung von 8,04 Milliarden Euro für die Ukraine im Rahmen des Programms Ukraine Facility zu genehmigen – das sind 264,6 Millionen Euro weniger als von Kiew beantragt. Grund dafür ist die Nichterfüllung einiger Bedingungen für den Erhalt der neunten Tranche: Von 18 überprüften Schritten wurden 16 als zufriedenstellend bewertet, wobei die teilweise Erfüllung einer Anforderung und ein zusätzlicher Schritt im Bereich der nuklearen Sicherheit berücksichtigt wurden. Nach Abzug bereits als Vorschuss erhaltener Mittel beläuft sich die tatsächliche Auszahlung auf rund 7,8 Milliarden Euro, wobei die endgültige Entscheidung des EU-Rates bis Ende November erwartet wird.
Eingefrorene Vermögenswerte und US-Position
Das Schicksal der eingefrorenen russischen Vermögenswerte bleibt weiterhin strittig. Berichten der Financial Times zufolge hatten die USA vorgeschlagen, dass Europa einen Teil dieser Mittel freigibt und unter die Kontrolle Washingtons stellt, was die europäische Seite jedoch ablehnte. Anfang Oktober hatte Brüssel denselben Berichten zufolge auch die vorzeitige Freigabe von für 2027 geplanten Mitteln abgelehnt und Kiew aufgefordert, erst die versprochenen Reformen umzusetzen. Darüber hinaus merkt die FT an, dass die Ukraine im Jahr 2027 vor einer Finanzierungslücke von 70 Milliarden Euro stehen könnte, weshalb die Europäische Union andere internationale Partner auffordert, ihre Unterstützung aufzustocken.
Zeitplan und nächste Schritte
Die Endentscheidung über die Billigung des zweiten Teils des Kredits obliegt dem EU-Rat, der voraussichtlich noch vor Ende November 2026 zu diesem Thema tagen wird. Für Kiew ist die Einhaltung des Reformfahrplans von zentraler Bedeutung, von dem laut Brüssel das Tempo und das Volumen der weiteren Auszahlungen abhängen, während es für Europa darum geht, den unionsinternen Ansatz bezüglich der eingefrorenen Vermögenswerte und der Gewinnung zusätzlicher Geber für 2027 abzustimmen.