Das niederländische Unternehmen ASML, Weltmarktführer und größter Lieferant fortschrittlicher Lithografiescanner, steht vor einer paradoxen Situation: Trotz kolossaler globaler Nachfrage nach seinen Produkten bringt der europäische Markt praktisch keine Umsätze ein. Das Unternehmensmanagement weist darauf hin, dass europäische Länder nicht adäquat in die Entwicklung der lokalen Halbleiterinfrastruktur investieren und keine entsprechenden Fabriken bauen.

Asiatische Märkte und Investitionsattraktivität

Während einer kürzlichen Veranstaltung in der niederländischen Hauptstadt erklärte ASML-Vizepräsident Frank Heemskerk, dass das Unternehmen im Grunde keine Verkäufe auf dem heimischen europäischen Markt tätige. Seinen Angaben zufolge wird die Unternehmensführung bei Reisen nach China und Indien auf höchster Ebene empfangen, wobei beispiellose Bedingungen für die Lokalisierung der Gerätetechnik angeboten werden. Gleichzeitig bleiben asiatische Länder wie Südkorea und Taiwan die Hauptabnehmer komplexer technologischer Systeme.

Regionale Positionen in der Umsatzstruktur und Europas Ambitionen

Statistiken zufolge entfiel im vergangenen Jahr auf Europa zusammen mit Afrika und dem Nahen Osten nur ein Prozent des ASML-Umsatzes, und im zweiten Quartal dieses Jahres sank dieser Wert auf null. Die Hauptabnehmer der Anlagen bleiben Südkorea, Taiwan und China. Gleichzeitig beschränken sich Europas Ambitionen auf Pläne, bis 2030 rund 20 % aller fortgeschrittenen Chips auf eigenem Gebiet zu produzieren, wobei der Löwenanteil der Kapazitäten von ausländischen Technologieriesen entwickelt wird.

Widersprüchliche Daten

Während offizielle ASML-Vertreter von einem völligen Ausbleiben europäischer Verkäufe und aktiven Werbemaßnahmen Chinas und Indiens für den Fabrikbau berichten, verweist die Expertenkreise auf das Fortbestehen strenger US-Exportbeschränkungen und des Sanktionsdrucks auf den chinesischen High-Tech-Sektor. Zudem gibt es Unstimmigkeiten hinsichtlich des Umfangs künftiger Lokalisierungen in den USA, wo das Unternehmen bereits einen erheblichen Teil seines Budgets für Forschung und Entwicklung aufwendet.