Der Satellitenbetreiber für mobile Kommunikation AST SpaceMobile hat offiziell den Zeitpunkt für den Beginn seiner kommerziellen Aktivitäten verschoben. Anstatt des geplanten Endes 2026 plant das Unternehmen, seine Dienste erst im Jahr 2027 zu starten. Diese Entscheidung ist eine direkte Folge des Vorfalls mit der Rakete New Glenn des Unternehmens Blue Origin, die für den Orbit-Transfer eines entscheidenden Teils der Satellitenkonstellation verantwortlich gewesen wäre.

Logistikkrise und Startverzögerung

Ursprünglich hatte AST SpaceMobile auf die Unterstützung von Blue Origin beim Start und der Entfaltung von 45 BlueBird-Satelliten noch in diesem Jahr gehofft. Genau dieser großangelegte Einsatz der Geräte im Orbit hätte das grüne Licht für den Beginn der Kundenbetreuung – der großen terrestrischen Betreiber AT&T und Verizon – gegeben. Wie jedoch aus den beim Regulierungsorgan eingereichten Dokumenten hervorgeht, haben die aktuellen Erwartungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Starts dazu geführt, dass der Plan auf Anfang 2027 verschoben wurde.

Trotz des schweren Unfalls plant Blue Origin, die Flüge der Rakete New Glenn bis Ende des Jahres wieder aufzunehmen. Dennoch kann AST SpaceMobile nicht warten und unternimmt bereits Schritte zur Schadensminimierung. Drei BlueBird-Satelliten wurden mit Hilfe der SpaceX-Rakete Falcon 9 in den Orbit gebracht. Weitere drei Satelliten sind für die erste Augusthälfte mit demselben Raketenmodell zum Start vorgesehen.

Satellitenmangel und Suche nach neuen Partnern

Die Maßnahmen mit SpaceX lösen das Problem nicht global: Durch die aktuellen Starts wird die Konstellation des Betreibers lediglich aus 13 Geräten bestehen. Für den vollwertigen Betrieb des Dienstes ist dies offensichtlich unzureichend. Infolgedessen sucht das Unternehmen aktiv nach Wegen zur Diversifizierung und versucht, Verträge mit neuen Partnern abzuschließen, ohne sich nur auf Blue Origin und SpaceX zu beschränken.

AST SpaceMobile gab die Beschaffung von 1 Mrd. USD durch die Ausgabe von Wandelanleihen bekannt. Diese Mittel werden in Wachstumsinitiativen investiert und, was von kritischer Bedeutung ist, für die Sicherstellung eines zusätzlichen Zugangs zum Orbit verwendet. In der Strategie des Unternehmens sind Partnerschaften und Übernahmen zur weiteren vertikalen Integration des Geschäfts vorgesehen, was die Risiken im Zusammenhang mit der Abhängigkeit von externen Startdienstleistern verringern soll.

Finanzielle Reserven und mögliche Szenarien

Die Frage, wen AST SpaceMobile genau übernehmen könnte, bleibt vorerst offen. Angesichts des begrenzten Kreises von Anbietern auf dem Markt wird United Launch Alliance als eine der Optionen genannt. In der offiziellen Erklärung des Unternehmens wird jedoch betont, dass derzeit keine Vereinbarungen oder Abkommen bezüglich solcher strategischer Geschäfte vorliegen.

Die finanzielle Lage des Unternehmens ermöglicht Manöver: Ende Juni verfügte AST SpaceMobile über 2,7 Mrd. USD an liquiden Mitteln. Diese finanzielle Pufferzone gibt Zeit für die Suche nach neuen Partnern oder den Kauf von Vermögenswerten, die für die Beschleunigung der Netzwerkaufstellung und die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber Partnern im Telekommunikationssektor notwendig sind.