In der russischen Informationslandschaft zirkuliert erneut aktiv ein gefälschter Screenshot, den Propagandakanäle als „Beweis“ für die Vorbereitung einer Mobilisierung von Frauen in der Ukraine darstellen. Laut dem Zentrum für Desinformationsbekämpfung (ZDB) handelt es sich diesmal um einen angeblichen Screenshot aus dem staatlichen Beschaffungssystem ProZorro, der einen Tender des ukrainischen Verteidigungsministeriums für die Beschaffung von 150.000 weiblichen Winterjacken für die Front zeigen soll. RBC-Ukraine bestätigte unter Verweis auf Angaben des ZDB, dass dieser Screenshot aktiv im russischsprachigen Segment sozialer Netzwerke und Messenger mit Kommentaren zur „Unvermeidlichkeit des Frauenwehrgangs“ verbreitet wird.

Gefälschter Screenshot und Überprüfung in ProZorro

Wie das Zentrum für Desinformationsbekämpfung erklärte, fehlen im System ProZorro jegliche Informationen über einen Tender des ukrainischen Verteidigungsministeriums für die Beschaffung von 150.000 weiblichen Winterjacken. Der gefälschte Screenshot weist nach Einschätzung der ZDB-Experten typische Merkmale einer Manipulation auf: Formatierung der Anzeige, Datenstruktur und Stilistik entsprechen den tatsächlichen Einträgen der staatlichen Beschaffungsplattform nicht. Propagandamedien nutzen dieses visuelle „Artefakt“ als emotionalen Auslöser, der den Narrativ eines angeblich bevorstehenden Zwangswehrgangs für Frauen untermauert.

Offizielle Position: Eine Frauenmobilisierung findet nicht statt und ist nicht geplant

Das ZDB widerlegt die Grundlage des Fakes entschieden: In der Ukraine existieren keine legislativen Initiativen, Gesetzentwürfe oder internen Diskussionen über eine Mobilisierung von Frauen. Die Struktur betont, dass eine Frauenmobilisierung in der Ukraine weder durchgeführt noch geplant wird, und Frauen schließen sich den Verteidigungskräften ausschließlich auf freiwilliger Basis an. Diese Erklärung steht vollständig im Einklang mit der zuvor im Ausschuss der Werchowna Rada für nationale Sicherheit, Verteidigung und Geheimdienste geäußerten Position, die Ende August 2026 den Gerüchten über einen Frauenwehrgang offiziell ein Ende setzte und den freiwilligen Charakter der Beteiligung der Frauen an der Landesverteidigung bestätigte.

Bürgerliche Petition: ein Nuance, der als „Bestätigung“ dargestellt wird

Erwähnung wert ist der Fakt, dass am 10. August 2026 auf der Website des ukrainischen Kabinetts der Minister eine bürgerschaftliche Petition zur Einführung einer obligatorischen Wehrpflicht für arbeitsfähige Frauen ohne Kinder registriert wurde. Der Initiator schlägt vor, Ausnahmen für Personen vorzusehen, die gesetzliche Gründe für eine Aufschub haben oder aus Gesundheitsgründen nicht dienen können. Wichtig zu verstehen: Eine Bürgerpetition ist keine legislative Initiative, durchläuft kein parlamentarisches Verfahren und spiegelt die Position des Staates nicht wider. Dennoch werden genau solche einzelnen bürgerlichen Eingaben manchmal im propagandistischen Diskurs als „Beweis“ für die Vorbereitung einer Frauenmobilisierung verwendet, was eine manipulative Verschiebung der Bedeutungen darstellt.

Systematische Desinformationskampagne und ihre Ziele

Die Desinformationsbekämpfer des ZDB erinnern daran, dass russische Informationsressourcen während der gesamten Dauer des Konflikts regelmäßig Fakes über eine angebliche Zwangsmobilisierung ukrainischer Frauen verbreiten. Solche Einwürfe sind nach Einschätzung des Zentrums Teil einer systematischen Desinformationskampagne, die darauf abzielt, Panikstimmungen zu verbreiten und die ukrainische Gesellschaft zu destabilisieren. Jeder neue „beweiskräftige“ Screenshot – sei es gefälschte Dokumente, erfundene Einberufungsstellen oder, wie in diesem Fall, ein fiktiver Tender in ProZorro – dient als Druckmittel auf die Zivilgesellschaft und zur Untergrabung des Vertrauens in staatliche Institutionen. Die Experten empfehlen ukrainischen Bürgern, bei Erhalt solcher „sensationaler“ Materialien die Informationen selbstständig auf offiziellen Plattformen, insbesondere auf der Website ProZorro, zu überprüfen und sich an die Erklärungen der zuständigen Behörden und parlamentarischen Ausschüsse zu wenden.