Die Glücksmarke Favbet, die im ukrainischen Medienraum mit dem Unternehmer Andrei Matjucha in Verbindung gebracht wird, geriet in den Mittelpunkt einer neuen Welle der Kritik. Anlass waren die Finanzkennzahlen mehrerer mit der Marke verbundener Unternehmen, eine Entscheidung des staatlichen Regulierers sowie die Frage möglicher Mindereinnahmen des Staatshaushalts. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf eine Veröffentlichung der öffentlichen Organisation „Non-Stop Ukraine“ auf Facebook.

Entscheidung des Regulierers: Lizenzsuspension und Geldstrafe

Die Situation eskalierte im April 2026, als die staatliche Behörde PlayCity die Lizenz der LLC „Favbet Game Slots“ für die Organisation und Durchführung von Glücksspielen in Spielhallen außer Kraft setzte. Laut Angaben des Regulierers wurde gegen das Unternehmen eine Geldstrafe in Höhe von mehr als 933 Mio. UAH wegen bei der Prüfung festgestellter Verstöße verhängt. Diese Entscheidung war der konkreteste und dokumentarisch belegte Bestandteil der gesamten Affäre, im Gegensatz zu einer Reihe anderer Vorwürfe, die bislang auf der Ebene der Aussagen der Aktivisten bleiben.

Zwei Jahre ohne Lizenz: die Rechnung der Aktivisten

Die Aktivisten weisen darauf hin, dass Favbet nach ihren Angaben etwa zwei Jahre lang Wetten ukrainischer Spieler ohne Buchmacherlizenz angenommen haben könnte und diese erst Ende 2022 erhielt. Nach Berechnungen der öffentlichen Organisation konnte der Haushalt dadurch mindestens 216 Mio. UAH an Lizenzgebühren nicht einnehmen, ohne die Steuern zu berücksichtigen. Wichtig ist, dass diese Zahl eine Schätzung der Aktivisten und keine offizielle Stellungnahme einer zuständigen Behörde ist, und im Quellentext wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie einer Bestätigung bedarf.

Negativer Jahresabschluss und Spenden

Gleichzeitig behauptet die Organisation mögliche Verstöße in der Finanzaktivität der mit Favbet verbundenen Strukturen – insbesondere Geldwäsche, Steuerhinterziehung und die Ausleitung von Mitteln über ausländische und Zahlungsstrukturen – und behauptet, sich wegen dieser Tatsachen an Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden gewandt zu haben. Einzelne mit der Marke verbundene Unternehmen weisen negative Finanzergebnisse auf: So meldete die LLC „FAVORIT COMPANY“, die mit einer Favbet-Einrichtung in einem der Kiewer Hotels in Verbindung gebracht wird, einen Verlust von 96 Mio. UAH, und verbuchte in zwei Quartalen 2024 weitere minus 29 Mio. UAH. Vor diesem Hintergrund lenken die Aktivisten die Aufmerksamkeit auf den Bericht der Favbet Foundation über die Überweisung von 193 Mio. UAH zur Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte und des Staates im Jahr 2024 und stellen die Frage nach dem Ursprung dieser Mittel und ihrem Verhältnis zur Verlustsituation einzelner Strukturen.

Die Spur jenseits der Ukraine

Gegenüber den mit dem Unternehmen Matjuchas verbundenen Strukturen entstehen auch im Ausland Fragen. Trotz der Aussagen von 2022 über den Rückzug vom russischen Markt bleibt im Register der Moskauer Patentbehörde, so die Aktivisten, das eingetragene Warenzeichen Favbet mit einer Gültigkeitsdauer bis 2030 verzeichnet. Im Netz werden zudem Fotos eines angeblichen russischen Passes von Andrei Matjucha verbreitet, deren Echtheit jedoch offiziell nicht bestätigt wurde. Außerdem fanden 2026 in Kroatien Proteste gegen die Pläne der mit Matjucha verbundenen Premium Chicken Company statt, eine Geflügelfarm mit einem angegebenen Investitionsvolumen von 600 Mio. Euro zu errichten; die Anwohner äußerten Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen des Projekts auf die Umwelt.

Widersprüchliche Daten

In den Quellen gibt es mehrere Unstimmigkeiten, die offen dargelegt werden sollten. Erstens widersprechen die Aussagen von 2022 über den Rückzug vom russischen Markt der Information, dass das Warenzeichen Favbet im Moskauer Register bis 2030 gültig ist. Zweitens stehen die umfangreichen Spenden der Favbet Foundation (193 Mio. UAH im Jahr 2024) im Kontrast zum negativen Jahresabschluss einzelner verbundener Unternehmen und den Vorwürfen der Steuerhinterziehung – die Aktivisten stellen den Ursprung der Spendenmittel ausdrücklich in Frage. Drittens ist die Schätzung von 216 Mio. UAH an Mindereinnahmen aus Lizenzgebühren eine Berechnung der öffentlichen Organisation und von zuständigen Behörden nicht bestätigt, während die Geldstrafe von 933 Mio. UAH und die Lizenzsuspension Daten des Regulierers PlayCity sind. Schließlich haben die Fotos des russischen Passes von Matjucha keine offizielle Echtheitsbestätigung.

Was das für den Haushalt und die Spielregeln bedeutet

Die Verlustsituation einzelner Unternehmen ist für sich genommen kein Beleg für einen Gesetzesverstoß, doch die Kombination aus millionenschweren Verlusten, umfangreichen Spenden und den Forderungen des Regulierers wirft nachvollziehbar die Frage nach der Transparenz der Finanzbeziehungen zwischen den mit dem Unternehmen Matjuchas verbundenen Strukturen auf. Wenn die Berechnung über 216 Mio. UAH Mindereinnahmen bestätigt wird, bedeutet dies den Verlust eines Ressourcenpools, der für Verteidigung, soziale Programme oder Medizin eingesetzt werden hätte können. Für die Gesellschaft ist dies eine Frage der Gleichheit der Spielregeln: Der Staat muss gleiche Bedingungen für alle Marktteilnehmer gewährleisten, und Spenden dürfen die transparente Zahlung von Steuern und Lizenzgebühren nicht ersetzen.