Der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat einen vielbeachteten Vorschlag unterbreitet: Er ist bereit, den Vereinigten Staaten bei der Schaffung einer sogenannten „Drohnenarmee“ zu helfen, im Tausch gegen die Lieferung von Abfangraketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme. Die Aussage, die in einem Interview mit der Financial Times getätigt und am 30. August 2026 von ukrainischen Medien bestätigt wurde, kam vor dem Hintergrund wachsenden Drucks auf das ukrainische Luftabwehrsystem und der Debatten über eine langfristige Strategie zur Gegenwehr gegen Russland.

Tausch von „Erfahrung gegen Hardware“: Fedorows Formel

„Ich würde Amerika sehr gerne bei der Schaffung einer Drohnenarmee helfen“, erklärte Fedorow. „Besonders im Tausch gegen Patriot-Abfangraketen, die die Ukraine braucht, um den Winter zu überstehen.“ Nach seinen Angaben hat die Ukraine eine beispiellose praktische Erfahrung im Bereich des Drohnenkriegs gesammelt, und diese Erfahrung könnte ein wertvoller Vermögenswert für die amerikanische Verteidigungsindustrie werden. „Ich bin zu einem solchen Tausch bereit“, betonte der Ex-Minister. Mögliche Treffen in Washington mit Vertretern der Administration von Donald Trump wollte Fedorow jedoch nicht kommentieren und ließ die Frage offen.

Verteidigungstechnologie-Fonds und amerikanische Investitionen

Parallel zum Tauschvorschlag enthüllte Fedorow Pläne zur Gründung eines Verteidigungstechnologie-Fonds, der nach seinen Worten „eine neue Geschichte“ des Krieges gegen Russland schreiben soll, indem er Unternehmen gründet und verwaltet, die neue Waffensysteme entwickeln. Nach seiner Einschätzung wird Russland den Konflikt wahrscheinlich noch zwei bis drei Jahre in die Länge ziehen, und genau dieser Fonds soll die modernsten Lösungen für das Schlachtfeld entwickeln und den Investoren die Erfahrung vermitteln, die die Ukraine während der Kampfhandlungen gesammelt hat. Fedorow berichtete, dass er mit „zahlreichen“ potenziellen Investoren verhandelt – Wagniskapitalgebern, Privatpersonen und amerikanischen Technologieunternehmen. Details zu seiner Rolle in der Fondsverwaltung oder zu einem möglichen persönlichen finanziellen Vorteil jedoch offenbarte er nicht.

Internationale beratende Rollen: von Italien zu Frankreich und den USA

Zu seinem kürzlich bekanntgegebenen Ernennung zum Berater des italienischen Verteidigungsministers erklärte Fedorow, er strebe ähnliche beratende Positionen auch in anderen Partnerländern an – möglicherweise in Frankreich und in den Vereinigten Staaten. Im Rahmen des italienischen Projekts wird er dem Land helfen, Technologien des modernen Krieges im Bereich der Digitalisierung und Defense Tech weiterzuentwickeln. Diese Ernennung war einer der ersten öffentlichen Schritte Fedorows nach seinem Rücktritt vom Posten des Verteidigungsministers, den nach Berichten Jewhen Chmara übernahm.

Kontext: Führungswechsel und Korruptionsvorwürfe

Der neue ukrainische Verteidigungsminister Jewhen Chmara legte derweil die Zusammensetzung seines Teams im Verteidigungsministerium offen und berichtete, welche Vorschläge er während der Übergabe der Vollmachten mit Fedorow selbst besprochen hatte. Zuvor hatte der Ex-Minister auch erklärt, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj selbst erklären müsse, was ihm über die Situation mit der Korruption in seiner engsten Umgebung bekannt war. Außerdem wurde berichtet, dass Fedorow vier Vorschläge für eine weitere Mitarbeit im Team des Präsidenten erhalten, aber alle abgelehnt habe. Somit sieht seine aktuelle Trajektorie – internationale beratende Rollen und private Investitionsprojekte – wie eine bewusste Entscheidung zugunsten der Arbeit außerhalb des staatlichen Apparats aus.