Der Bürgermeister von Dnipro, Borys Filatow, hat mit einem scharfen Appell an Vertreter der staatlichen und lokalen Behörden reagiert und sie dazu aufgerufen, Manipulationen, gegenseitige Schuldzuweisungen und die Abwälzung von Verantwortung bei der Information der Öffentlichkeit über die Folgen russischer Angriffe auf die Stadt zu unterlassen. Dies berichtete RBC-Ukraine unter Berufung auf einen Facebook-Beitrag des Stadtoberhaupts. Die Stellungnahme erfolgte vor dem Hintergrund eines Angriffs mit einer Strahldrohne auf den Bahnhof von Dnipro am 29. Oktober, bei dem sich der Personenzug Nr. 866 „Dnipro — Saporischschja“ sowie ein Vorortzug am Bahnsteig befanden.

Kritik an "geheimnisvollen Objekten" und verallgemeinernden Formulierungen

Filatow kritisierte die Praxis, in offiziellen Berichten über Beschüsse verschleiernde Ausdrücke zu verwenden. Insbesondere wies der Bürgermeister auf die Unangemessenheit der Formulierung „geheimnisvolles Objekt der Verkehrsinfrastruktur“ anstelle eines direkten Hinweises auf den Bahnhof hin, da laut seinen Worten „die ganze Stadt weiß, dass es der Bahnhof ist“. Mit Blick auf den Angriff auf den Bahnhof betonte das Stadtoberhaupt: „Weder die ukrainische Eisenbahn, noch die Stadt oder der Staat tragen hierfür die Schuld. Schuld daran ist nur Russland.“

Zweifel an der offiziellen Version zum Aufenthalt von Passagieren am Bahnsteig

Besondere Aufmerksamkeit widmete Filatow der Behauptung, dass sich Menschen trotz Warnungen vor erhöhter Gefahr auf dem Bahnsteig aufgehalten hätten. Der Bürgermeister stellte dies in Frage und wies darauf hin, dass der Einschlag im Bereich zwischen dem 10. und 11. Gleis erfolgte, von wo aus es laut seinen Angaben für Passagiere schwierig war, den unterirdischen Übergang schnell zu erreichen. Damit stellte das Stadtoberhaupt die Korrektheit der offiziellen Darstellung des Vorfalls faktisch in Frage.

Aufruf zum Ende der "PR der Unbeteiligtheit" und der Schuldzuweisungen

Der Bürgermeister wies auf ein systemisches Problem der Verantwortungsabwälzung zwischen staatlichen Stellen, der Kommunalverwaltung, Militärverwaltungen und Fachbehörden hin. Er kritisierte zudem die übermäßige Anzahl an Kontrollen und neuen Auflagen, die seiner Einschätzung nach nicht immer die Realität vor Ort berücksichtigten. „Bitte. Beenden Sie Ihre 'PR der Unbeteiligtheit'“, appellierte Filatow an die Behördenvertreter und forderte eine offene und verständliche Kommunikation mit den Bürgern.

Empfehlungen für die Zentralregierung und Fokus auf die Arbeit der Mediziner

Hinsichtlich der Berichterstattung über die Arbeit medizinischer Einrichtungen nach Beschüssen merkte der Bürgermeister an, dass das Hauptaugenmerk auf der Hilfe für die Opfer und der Arbeit des medizinischen Personals liegen sollte, statt auf der Selbstdarstellung einzelner Regierungsvertreter. Er betonte zudem die Notwendigkeit, praktische Erfahrungen der Gemeinden bei staatlichen Entscheidungen zu berücksichtigen, und schlug vor, dass Vertreter der Zentralregierung die Frontgebiete direkt besuchen sollten, um die Arbeitsbedingungen vor Ort zu bewerten.

Kontext: Der Angriff auf den Bahnhof Dnipro am 29. Oktober

Wie bereits berichtet, starteten russische Streitkräfte am 29. Oktober einen Angriff mit einer Strahldrohne auf den Bahnhof in Dnipro. Zum Zeitpunkt des Angriffs standen ein Vorortzug und ein Personenzug am Bahnhof. Der Einschlag traf den Bahnsteig, an dem sich der Personenzug Nr. 866 „Dnipro — Saporischschja“ befand. Genau dieser Vorfall war der Anlass für den öffentlichen Appell des Bürgermeisters zu einer ehrlichen Kommunikation: „Wir führen einen Krieg. Einen blutigen und schrecklichen. Schluss mit dem Lügen, Täuschen und Manipulieren“, schloss Filatow.