Das führende internationale Finanzmagazin The Financial Times (FT) hat einen detaillierten Bericht über die kritische Lage der Bergbaukonzerne Ferrexpo veröffentlicht. Laut Daten vom 16. August 2026 befindet sich der größte ukrainische Hersteller von Eisenerzpellets am Rande der vollständigen Zahlungsunfähigkeit. Das Unternehmen, dessen Aktien jahrelang als „Blue Chip' an der Londoner Börse galten, hat nur noch wenige Wochen Zeit, um eine unkontrollierte Insolvenz zu verhindern.

Krisenfaktoren: Steuerblockade und logistische Sackgasse

Die finanzielle Lage des Konzerns wurde durch eine Kombination interner und externer Faktoren auf ein kritisches Minimum reduziert. Laut einer Untersuchung der FT war der entscheidende Schlag die Haltung der Staatlichen Steuerverwaltung der Ukraine. Die Behörden haben die Auszahlung einer rechtmäßigen Mehrwertsteuererstattung (USt) in Höhe von 90 Millionen US-Dollar für die Tochtergesellschaften des Konzerns – den Poltawaer und Jeristowski Bergbaukombinat – blockiert. Als offizielle Begründung für die Blockade diente die Einführung persönlicher Sanktionen des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats (NSRB) gegen den Gründer des Unternehmens, Konstantin Schewago, der international gesucht wird.

Neben den fiskalischen Problemen sieht sich das Unternehmen mit einem logistischen Stillstand konfrontiert. Aufgrund der andauernden Kampfhandlungen und Angriffe von unbemannten Fluggeräten auf die Hafeninfrastruktur sowie eines Vorfalls mit einem Schiff im Schwarzen Meer Ende Juli musste Ferrexpo die Erzgewinnung ab dem 5. August 2026 vollständig einstellen. Derzeit verkauft das Management des Unternehmens seine Lagerbestände an europäische Stahlhersteller, doch die vorhandenen liquiden Mittel reichen dem Unternehmen streng genommen nur bis Mitte September 2026.

Interner Stillstand: Blockade der Aktienemission

Als einzigen rechtlichen Ausweg aus dem anhaltenden Liquiditätsdefizit sieht der Aufsichtsrat von Ferrexpo die Durchführung einer Not-Emission von Aktien in Höhe von mindestens 100 Millionen US-Dollar. Dies würde es ermöglichen, unabhängige institutionelle Investoren anzuziehen und die operative Tätigkeit wiederherzustellen. Der Plan wurde jedoch von der Seite des größten Aktionärs vollständig blockiert.

Konstantin Schewago, der über Treuhandgesellschaften 49,3 % der stimmberechtigten Aktien des Unternehmens kontrolliert, verweigert kategorisch die Genehmigung der Emission. Experten zufolge fürchtet der Geschäftsmann, dass die Ausgabe neuer Aktien seinen Anteil verwässern und ihn der tatsächlichen Kontrolle über die Vermögenswerte berauben würde. Der amtierende Vorsitzende des Aufsichtsrats, Lucio Genovese, erklärte in einem Interview mit der FT, dass das Unternehmen „ungerechtfertigt in die Zange zwischen der Ukraine und unserem größten Aktionär geraten sei'.

Widersprüchliche Daten

Es bestehen Diskrepanzen bei der Einschätzung der Aussichten des Unternehmens zwischen offiziellen Erklärungen und der Marktwirklichkeit. Einerseits besteht der Aufsichtsrat darauf, dass das Unternehmen durch die Anziehung von Investitionen und Verhandlungen mit dem Staat gerettet werden kann. Andererseits hat die Londoner Börse (LSE) die Aktienhandelsaktivitäten bereits im Mai 2026 aufgrund der Weigerung der Prüfer, den Jahresabschluss zu bestätigen, ausgesetzt. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens ist von den vorkrieglichen 3 Milliarden US-Dollar auf kritische 200 Millionen US-Dollar eingebrochen. Darüber hinaus hat das Handelsgericht der Oblast Poltawa bereits das Insolvenzverfahren für den Poltawaer Bergbaukombinat auf Antrag der Gläubiger eingeleitet, was die Möglichkeit der Fortsetzung der Tätigkeit im aktuellen Format in Frage stellt.

Folgen für die Wirtschaft und Investoren

Die Situation wird durch neue Forderungen der Steuerbehörden verschärft. Am 6. August 2026 verhängten ukrainische Steuerbeamte gegen den Poltawaer Bergbaukombinat eine Geldstrafe in Höhe von 35,3 Milliarden Griwna (etwa 788 Millionen US-Dollar) wegen angeblicher Verstöße gegen die Währungskontrolle. Experten stellen fest, dass der Zusammenbruch von Ferrexpo ein schwerwiegender Präzedenzfall für das Investitionsklima ist. Zu den Aktionären der britischen Struktur zählen die größten globalen Fonds, darunter BlackRock. Indem sie den Zusammenbruch des größten Exporteurs zulassen, trifft die Ukraine ihren Ruf als sichere Jurisdiktion für direkte ausländische Investitionen.