Kiew, XAB.info — Die seit langem bestehende steuerliche Unsicherheit, die Verteidigungseinkäufe mit Beteiligung ausländischer Partner begleitete, wurde nun offiziell geklärt. Das Finanzministerium der Ukraine hat eine neue Zusammenfassende Steuerberatung verabschiedet, die die Bedingungen für die Mehrwertsteuerbefreiung bei Lieferungen von Gütern für Verteidigungszwecke eindeutig festlegt, selbst wenn die Zahlung nicht aus dem ukrainischen Haushalt stammt.
Dieser Schritt ist von kritischer Bedeutung für die ukrainische Rüstungsindustrie, Freiwilligenorganisationen und internationale Geber, die die Logistik der militärischen Hilfe beschleunigen und kostengünstiger gestalten wollen.
Paradigmenwechsel: Die Finanzierungsquelle ist nicht mehr das Hauptkriterium
Bis vor kurzem sah sich das Unternehmen im Verteidigungsbereich mit einem Dilemma konfrontiert: Wenn eine Ware für die Streitkräfte der Ukraine bestimmt ist, die Zahlung jedoch von einem ausländischen Staat oder einem internationalen Fonds geleistet wird, bleibt das Recht auf Mehrwertsteuerbefreiung erhalten? Die Angst vor steuerlichen Nachforderungen zwang die Unternehmen, 20 % Steuer in die Vertragskosten einzukalkulieren, was die ukrainischen Angebote im Vergleich zu westlichen Alternativen weniger wettbewerbsfähig machte.
Am 12. Juni 2026 hat das Finanzministerium mit der Anordnung Nr. 314 ein Dokument verabschiedet, das dieses Hindernis beseitigt. Die Hauptidee der Beratung: Die Finanzierungsquelle allein bestimmt nicht das Recht auf die Steuerbefreiung.
Wie Alexej Gnatenko, Partner der Anwaltskanzlei Juscutum, feststellt, bedeutet dies für die Wirtschaft einen Wechsel des Fokus von „wer zahlt' auf „wie es dokumentiert ist'. Der entscheidende Faktor ist nun die Übereinstimmung der Transaktion mit den Anforderungen des Steuergesetzbuches und nicht die Herkunft des Geldes.
Drei rechtliche Mechanismen zur Mehrwertsteuerbefreiung
In der Beratung analysiert das Finanzministerium im Detail drei Blöcke regulatorischer Vorschriften, die die Anwendung der Steuerbefreiung ermöglichen:
- Punkt 197.23 Artikel 197 NKS: Betrifft den Import und die erste Lieferung von Waren, die bei der Herstellung von Produkten für Verteidigungszwecke verwendet werden, sofern der Auftraggeber ein staatlicher Auftraggeber im Verteidigungsbereich ist. Wichtig: Die Steuerbefreiung gilt nicht für Waren aus Aggressorstaaten oder besetzten Gebieten.
- Unterabschnitt 4 Absatz 32 Unterabschnitt 2 Abschnitt XX NKS: Befreit vorübergehend den Import und die Lieferung von Verteidigungsgütern, die bestimmten KN-EU-Code-Zahlen entsprechen, von der Mehrwertsteuer für die Dauer des Kriegsrechts.
- Unterabschnitt 5 Absatz 32 Unterabschnitt 2 Abschnitt XX NKS: Umfasst Waren mit bestimmten KN-EU-Code-Zahlen, wenn der Endempfänger das Verteidigungsministerium, die Streitkräfte der Ukraine, Strafverfolgungsbehörden oder Unternehmen ist, die Staatsaufträge ausführen.
Wenn also die Ware, der KN-EU-Code, der Status des Auftraggebers und die vertragliche Struktur dem Gesetzbuch entsprechen, schließt das Vorhandensein eines ausländischen Zahlers das Recht auf die Steuerbefreiung nicht aus.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Risiken
Die Beseitigung dieses Hindernisses wirkt sich direkt auf die Margen und die Verhandlungsposition ukrainischer Hersteller aus. Unter den Bedingungen eines harten Wettbewerbs um Verteidigungsaufträge, insbesondere in den Segmenten Drohnen, Optik und Kommunikationsmittel, kann der Ausschluss unbegründeter Mehrwertsteuer aus dem Preis zum entscheidenden Faktor werden.
Experten warnen jedoch: Die Anwendung der Steuerbefreiung erfordert einwandfreie Dokumentation. Die Steuerbehörden werden nicht die „allgemeine gesellschaftliche Nützlichkeit' der Ware prüfen, sondern die strikte Übereinstimmung der KN-EU-Codes, den Inhalt der Verträge und die Zertifikate des Endverbrauchers.
Widersprüchliche Daten
Während das ukrainische Finanzministerium Mechanismen zur Steueroptimierung für den Verteidigungssektor erläutert, bleibt der internationale Kontext angespannt. Nach Angaben westlicher Quellen nimmt der wirtschaftliche Druck auf Russland weiter zu, was, so Experten, die Möglichkeiten Russlands zur Fortsetzung der Militäroperationen einschränken könnte. Gleichzeitig erhöht die EU das Volumen der militärischen Hilfe an die Ukraine und stellt milliardenschwere Tranchen für die Beschaffung von Waffen bereit, was ein komplexes wirtschaftliches Bild zeichnet, in dem Steuermechanismen zu einem Instrument der Unterstützung der nationalen Sicherheit werden.