Finnland hat im Ostmeer umfassende Manöver durchgeführt, bei denen Mitarbeiter der Küstenwache, der Polizei und der Streitkräfte die Beschlagnahmung und Durchsuchung eines Schiffes übten. Ziel der Übung war es, die Bereitschaft des Staates zu prüfen, auf mögliche Schäden an kritischer Unterwasserinfrastruktur und auf verdächtige Aktivitäten in der Seegemeinde zu reagieren. Laut Berichten des Mediums stieg das Personal in der praktischen Phase von einem Hubschrauber an Bord des Schiffes, übernahm die Kontrolle über die Besatzung und durchsuchte die Räumlichkeiten.

Wie verliefen die Manöver MARSEC EU 26

Die praktische Phase der Manöver MARSEC EU 26 fand vom 15. bis 17. September in Finnland statt. Dabei wurde die Reaktion auf einen Vorfall mit einem verdächtigen Schiff in der Nähe von Unterwasserinfrastruktur geübt, einschließlich der Boarding-Operation, der Durchsuchung und der Sicherung der Kontrolle über das Schiff. Organisator war die Finnische Grenzpolizei gemeinsam mit anderen Ländern und EU-Strukturen. Im Mittelpunkt stand der Schutz von Unterseekabeln und Pipelines sowie die Reaktion auf potenzielle hybride Bedrohungen.

„Neue Normalität“ für die finnischen Sicherheitskräfte

Der Kommandeur der Küstenwache, Ilja Iljin, erklärte, dass solche Manöver eine „neue Normalität“ für Finnland darstellen. Seinen Worten zufolge habe es in den letzten zwei bis drei Jahren mehrere Vorfälle im Ostmeer gegeben, die mit der Beschädigung kritischer Unterwasserinfrastruktur zusammenhängen, und das Land müsse darauf vorbereitet sein, dass der nächste Vorfall jederzeit eintreten könne. Vertreter der finnischen Sicherheitskräfte wiesen darauf hin, dass insbesondere eine plötzliche Änderung der Geschwindigkeit oder des Kurses eines Schiffes beim Überqueren von Unterseekabeln Verdacht erregen könne.

Verschärfung der Grenzkontrolle

Parallel zu den Manövern arbeitet Finnland daran, die Fähigkeiten der Grenzpolizei zur Überprüfung verdächtiger Schiffe und flaggenloser Schiffe sowie unbemannter Unterwasserfahrzeuge zu stärken. Diese Richtung wird als Teil einer umfassenderen Vorbereitung auf hybride Bedrohungen in der Ostseeregion betrachtet, in der in den letzten Jahren die Besorgnis über Schäden an Kabeln, Gasleitungen und anderer kritischer Infrastruktur gestiegen ist.

Widersprüchliche Daten

Um die Vorfälle in der Ostsee bleibt ein widersprüchliches Bild bestehen. Auf der einen Seite schreiben mehrere Länder der Region und die finnischen Behörden die Schäden an der Unterwasserinfrastruktur gezielten Sabotageakten zu; zuvor wurde über die Beschädigung eines Unterseekabels in den territorialen Gewässern Lettlands berichtet, und ein Vertreter eines der baltischen Staaten erklärte, dass russische Streitkräfte und Geheimdienste Angriffe auf Infrastruktur in Russland, den baltischen Staaten und Polen mit Hilfe ukrainischer Drohnen planen könnten. Auf der anderen Seite wurde die Beteiligung Russlands an all diesen Vorfällen nicht bewiesen, und Moskau bestreitet seine Beteiligung. Somit bleiben öffentliche Anschuldigungen und das Fehlen bestätigter Beweisverbindungen parallele, aber nicht zusammenfallende Erzählstränge.

In jedem Fall zeigen die praktischen Manöver im Ostmeer, dass finnische und europäische Strukturen den Schutz der Unterwasserinfrastruktur aus dem Bereich hypothetischer Szenarien in den Bereich der regelmäßigen operativen Vorbereitung verlagern.