Der finnische Präsident Alexander Stubb erklärte, dass Helsinki in der finalen Phase der Unterzeichnung eines Abkommens über die gemeinsame Produktion von Drohnensystemen mit der Ukraine steht. Nach seinen Worten sieht das Abkommen ein „Verhältnis von 90/10“ vor: Der überwiegende Teil der hergestellten Drohnen – rund 90 % – wird an die Streitkräfte der Ukraine geliefert, während die verbleibenden 10 % bei der finnischen Seite verbleiben. Die Erklärung fiel während des Gipfels „Ukraine – Nordisch-Baltische Acht“ in Kiew, wo nach Einschätzung des finnischen Staatschefs die Vereinbarungen bereits faktisch getroffen wurden und nur noch eine Reihe kleinerer Änderungen vorgenommen werden muss.
Das 90/10-Verhältnis und das „dänische Modell“ der Zusammenarbeit
Stubb präzisierte, dass finnische und ukrainische Unternehmen bereits faktische Vereinbarungen über den Aufbau gemeinsamer Produktionskapazitäten treffen, und die Struktur der Zusammenarbeit werde nach einem dezentralen, verteilten Schema aufgebaut, das er mit dem dänischen Modell verglich. „Ein Unternehmen hat bereits eine Zahl für die Anzahl der in Finnland herstellbaren Drohnen genannt, und ich denke, dass das Abkommen etwa dem sogenannten Verhältnis von 90/10 entsprechen wird. Das heißt, 90 % der Produkte gehen an die Ukraine, und 10 % verbleiben in Finnland“, erläuterte der Präsident. Er betonte, dass die Partnerschaft für beide Länder vorteilhaft sein werde.
Paradigmenwechsel bei der Unterstützung Kiews
Bei seiner Rede auf dem Gipfel rief Stubb europäische und amerikanische Partner dazu auf, ihre Wahrnehmung der militärischen und technologischen Hilfe für die Ukraine zu überdenken. Nach seiner Meinung müssen sich viele in Europa und in den USA „des Eindrucks entledigen, dass wir irgendeine Wohltätigkeit für die Ukraine leisten“, da dies am Anfang zwar wahr gewesen sein mag, aber nun „wir mehr von der Ukraine lernen können, als die Ukraine von uns lernt“. Damit definiert der finnische Staatschef die Natur der Zusammenarbeit faktisch neu – von einseitiger Unterstützung hin zum bilateralen technologischen Austausch.
Weiterreichend: Gemeinsame Produktion und diplomatische Ebene
Die Vereinbarungen über die gemeinsame Produktion gehen weit über Drohnen hinaus. Wie ukrainische Medien erinnern, haben sich Kiew und Helsinki auf die Entwicklung und Herstellung von Drohnen für die Bedürfnisse der ukrainischen Streitkräfte und Europas geeinigt, auf die Entwicklung maritimer unbemannter Systeme und auf die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für die Herstellung bodengestützter robotisierter Komplexe. Zur Umsetzung dieser Pläne sind bereits Top-Manager führender sieben finnischer Unternehmen nach Kiew gereist. Parallel dazu setzt die Ukraine ihre diplomatische Arbeit zur Beendigung des Krieges fort: Laut Kiew wurden gemeinsam mit internationalen Partnern drei zentrale Vorschläge zur Beendigung der russischen Aggression erarbeitet, die mit der amerikanischen und europäischen Seite abgestimmt wurden.
Kontext: Zweifel an der Umleitung von Drohnen
Im Zuge der Diskussion über die gemeinsame Produktion hatte Stubb zuvor öffentlich Zweifel an der Fähigkeit Russens geäußert, Drohnen der ukrainischen Streitkräfte in Richtung Finnland umzuleiten, was auf die Einschätzung der finnischen Seite der tatsächlichen Risiken durch unbemannte Systeme hinweist. Dieser Kontext unterstreicht den pragmatischen Charakter der Vereinbarungen in Helsinki: Die gemeinsame Produktion wird nicht nur als Unterstützung Kiews positioniert, sondern auch als Element der eigenen Verteidigungs- und Technologiestrategie Finnlands.