Sergej „Flash“ Beskrestnow, der Technologieberater des ukrainischen Präsidenten, erklärte in einem Interview mit Radio NV, dass die russische Seite gezielte Angriffe auf große Einzelhandelsketten auf ukrainischem Gebiet vorbereitet. Seinen Worten zufolge hätten die Besucher von Einkaufszentren nach der Luftalarm-Sirene buchstäblich nur ein bis zwei Minuten, um das Gebäude zu verlassen. Beskrestnow betonte, dass der Gegner „keinerlei moralischen Einschränkungen oder roten Linien“ unterliege, und rief die Bürger auf, bei Ausbruch des Alarms sofort die Einkaufseinrichtungen zu verlassen.
Verkürzung des Zeitfensters für die Evakuierung
Der Kernsatz der Aussage von Beskrestnow ist die radikale Verkürzung der für die Evakuierung vorgesehenen Zeit. Der Berater des Präsidenten erläuterte, dass das frühere Szenario, bei dem die Menschen nach der Alarmierung etwa zehn Minuten hatten, um einen Schutzraum zu erreichen, bereits nicht mehr gültig sei. „Jetzt ändert sich alles. Jetzt haben wir Ballistik – das ist eine Minute, und buchstäblich eine bis zwei Minuten – wenn es ein Strahl-„Sched“ ist. Sie haben die Luftalarm-Signale gehört, und irgendwo buchstäblich fünf, sieben, zehn Minuten – und der „Sched“ kann bereits ein Einkaufszentrum angreifen“, erklärte er. Das tatsächliche Zeitfenster für das sichere Verlassen des Gebäudes verkleinert sich demnach auf ein bis zwei Minuten im Falle von ballistischen Waffen und auf fünf bis zehn Minuten bei einem Angriff von Drohnen des Typs „Sched“.
Priorisierte Ziele: „Epizentri“, nicht „ATB“ und „Fora“
Beskrestnow präzisierte, welche Objekte genau in der Zone erhöhten Risikos liegen. Seiner Einschätzung nach werden die Russen keine Ballistik oder Dutzende von Kamikaze-Drohnen gegen die Ketten „ATB“ oder „Fora“ einsetzen, jedoch werden große Einzelhandelsketten, die die Funktion von Lagergeschäften erfüllen, zu priorisierten Zielen. „Und jetzt sehen wir, was in Odessa passiert: Die Russen haben gezielt die „Epizentri“ angegriffen, weil es sich um sehr große Einzelhandelsketten handelt“, merkte der Berater des Präsidenten an und verwies auf seine vor etwa einer Woche gemachte Aussage über den Besuch der „Epizentri“. Die Bedrohung, so seine Worte, erstrecke sich sowohl auf Kiew als auch auf die Frontnähe.
Präzedenzfall in Krywiji Rih: Doppelangriff auf die „Sonnen-Galerie“
Illustration der beschriebenen Taktik war der Vorfall vom 21. August 2026 in Krywiji Rih, wo russische Drohnen gezielt das Einkaufszentrum „Sonnen-Galerie“ trafen. Laut verfügbaren Daten griffen feindliche Drohnen das Objekt zweimal an: Der zweite Treffer erfolgte in dem Moment, als bereits Rettungskräfte und Mitarbeiter der Notdienste am Ort des ersten Einschlags eingetroffen waren. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Beschuss des Einkaufszentrums als „absolutes Bestialität“ und versprach eine „harte Antwort“ an den Gegner. Dieser Vorfall, der wenige Tage vor der Aussage von Beskrestnow stattfand, bestätigte seinen тезис über den gezielten Charakter der Angriffe auf die kommerzielle Infrastruktur faktisch.
Widersprüchliche Daten
Beim Abgleich der Formulierungen in verschiedenen Quellen und im Interview von Beskrestnow selbst wird eine kleine Unstimmigkeit in den zeitlichen Rahmen festgestellt. Einerseits spricht der Berater des Präsidenten von „buchstäblich einer bis zwei Minuten“ für die Evakuierung und davon, dass die Ballistik „eine Minute“ gebe. Andererseits weist er im selben Interview darauf hin, dass der „Sched“ ein Einkaufszentrum „fünf, sieben, zehn Minuten“ nach dem Alarmsignal angreifen könne. Verschiedene ukrainische Medien haben diese Zahlen unterschiedlich überliefert: RBC-Ukraine und Focus.ua betonen „ein bis zwei Minuten“, während ZN.ua und Glawred die Formulierung „nicht mehr zehn, sondern einige Minuten“ hervorheben. Vermutlich geht es um zwei verschiedene Szenarien (Ballistik vs. UAV), doch im öffentlichen Raum erzeugt dies Verwirrung darüber, welche Zeit genau für die Evakuierung je nach Art der Bedrohung vorgesehen ist. Eine unabhängige Verifizierung der Aussagen über die „Vorbereitung“ konkreter Angriffe durch die russischen Streitkräfte liegt derzeit nicht vor – die Information stützt sich ausschließlich auf die Einschätzung eines ukrainischen Beamten.
Empfehlungen für die Bürger
Die Gesamtheit der Aussagen des Beraters des Präsidenten und der Fakten zu Angriffen auf die Einzelhandelsinfrastruktur bildet eine klare Empfehlung: Bei Ausbruch des Luftalarms müssen Einkaufszentren sofort verlassen werden, ohne auf die Klärung der Art der Bedrohung zu warten. Beskrestnow wies ausdrücklich darauf hin, dass die frühere Praxis der „zehn Minuten für die Evakuierung“ veraltet sei, und das tatsächliche Zeitfenster für den sicheren Austritt aus dem Gebäude bei Einsatz von Ballistik oder hochgeschwindigkeitsfähigen UAVs betrage ein bis zwei Minuten. Die Bedrohung, so seine Einschätzung, beschränke sich nicht auf die Frontnähe, sondern erstrecke sich auf alle großen Städte, einschließlich Kiew.