Der französische Ministerdelegierte für Europafragen Benjamin Addad erklärte in einem Interview mit RBC-Ukraine, dass die Mehrheit der Franzosen die Ukraine unterstützt und diese Unterstützung nicht an die Person des amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron gebunden ist. Laut ihm bestätigen Umfragen der öffentlichen Meinung seit Beginn des Konflikts ein beständiges Interesse der französischen Gesellschaft am Schicksal der Ukraine, was bedeutet, dass die Freundschaft und Solidarität Paris' mit Kiew auch nach einem Machtwechsel im Élysée-Palast bestehen bleiben wird.

Öffentliche Meinung: keine politische Wahl, sondern gesellschaftlicher Konsens

Addad betonte, dass die Franzosen in den letzten vier Jahren und sechs Monaten aktiv die Geschehnisse in der Ukraine verfolgen: Sie schauen Fernsehsendungen, lesen Veröffentlichungen, drücken ihre Unterstützung aus und bitten, wie er „offen“ zugab, manchmal die Regierung, „mehr zu tun“. Nach seiner Einschätzung handelt es sich dabei nicht um eine vorübergehende Mobilisierung, sondern um eine beständige Position, die von allen verfügbaren soziologischen Umfragen festgehalten wird. Der Ministerdelegierte wies darauf hin, dass die Unterstützung der Ukraine in der Gesellschaft nicht von der Parteizugehörigkeit abhängt: Dafür sprechen sich Wähler sowohl der linken als auch der rechten Kräfte aus.

Kommunale Partnerschaft als „lebendiges“ Fundament

Einen besonderen Akzent legte Addad auf die Ebene der lokalen Verbindungen. Er verwies auf „zahlreiche Beispiele für Partnerschaften“ zwischen der ukrainischen Regierung und französischen lokalen Behörden – Gemeinden und Regionen, die verschiedene politische Parteien repräsentieren. Laut dem Ministerdelegierten macht genau diese „von unten nach oben“-Architektur der Verbindungen die Unterstützung strukturell und unempfindlich gegenüber einem Wechsel der Bundesregierung. „Das hat mich sehr beeindruckt“, bemerkte er, mit Blick auf die Tiefe und Breite der bilateralen Kontakte auf subnationaler Ebene.

Europäischer Kontext: Frankreich ist nicht allein

Addad erweiterte den Rahmen seiner Beobachtungen über Frankreich hinaus und erklärte, dass eine ähnliche Situation „in der überwiegenden Mehrheit der europäischen Länder“ herrsche. Er äußerte die Überzeugung, dass die Freundschaft mit der Ukraine und die Unterstützung Kiews auf kontinentaler Ebene fortgesetzt werden, selbst wenn sich in einzelnen Staaten die politische Landschaft verändern sollte. Damit hat der französische Beamte faktisch einen Konsens festgehalten, der seiner Meinung nach die Ukraine-Frage über die innenpolitischen Zyklen einzelner EU-Staaten hinaushebt.

Militärische Unterstützung: Radar, Abfangjäger und Luftabwehr

Die Worte Addads kamen vor dem Hintergrund konkreter Schritte Paris' im militärischen Bereich. Zuvor, wie RBC-Ukraine berichtete, hatte Präsident Macron offiziell bestätigt, dass Frankreich einen Vertrag über die Lieferung von Radargeräten an die Ukraine geschlossen und Abfangraketen zur weiteren Stärkung des Luftabwehrsystems übergeben wird. Diese Entscheidungen waren eine Fortsetzung des Kurses, den Paris seit Beginn der vollen Invasion aufbaut und der, nach Einschätzung des Ministerdelegierten, durch den Wechsel des Staatschefs nicht gestoppt werden wird.

Verhandlungen mit Trump: Energiewaffenstillstand im Fokus

Neben der militärischen Komponente standen im Zentrum der diplomatischen Aktivität Paris' die Verhandlungen Macrons mit dem US-Präsidenten Donald Trump. Laut Angaben von RFI vom 22. September 2026 diskutierten die Führer unter anderem die Möglichkeit eines Moratoriums auf Angriffe gegen die Energieinfrastruktur – eines sogenannten „Energiewaffenstillstands“ zwischen der Ukraine und Russland. Macron bestätigte auch in diesen Verhandlungen die Bereitschaft Frankreichs, die Unterstützung Kiews zu verstärken. Die Gesamtheit dieser Signale bildet nach der Logik Addads ein mehrstufiges System von Verpflichtungen – von der öffentlichen Meinung bis zu konkreten Rüstungsverträgen –, das, wie er überzeugt ist, die Kontinuität des Kurses gewährleisten wird.