Frankreich hat einen entscheidenden Schritt in Richtung digitalen Schutzes Minderjähriger getan. Der Staatspräsident Emmanuel Macron hat offiziell bestätigt, dass das französische Parlament ein Gesetz verabschiedet hat, das Kindern unter 15 Jahren die Nutzung sozialer Netzwerke untersagt. Die Neuregelung tritt mit Beginn des neuen Schuljahres in Kraft.

Versprechen erfüllt: Die Position des Präsidenten

Am Abend des 21. Juli gab der Staatschef eine Erklärung ab, in der er betonte, sein Wahlversprechen erfüllt zu haben. Macron dankte den Parlamentariern für die Entscheidung und bezeichnete sie als entscheidend für die Sicherheit von Kindern im Internet. Nach seinen Worten liegt die Aufgabe nun beim Verfassungsrat, der das Gesetz bestätigen und seine praktische Umsetzung sicherstellen muss.

„Ich habe mich verpflichtet, dies zu tun, und nun wurde darüber abgestimmt: Soziale Netzwerke werden ab Beginn des Schuljahres für Personen unter 15 Jahren verboten sein“, zitiert RBC-Ukraine den Präsidenten.

Umsetzungsmechanismus: Totales Verbot oder „Schwarze Liste“?

Während der Diskussion über den Gesetzentwurf im französischen Parlament gab es Uneinigkeit hinsichtlich der Kontrollmethoden. Die Abgeordneten der Nationalversammlung plädierten für ein totales Zugangsverbot zu allen Online-Diensten sozialer Netzwerke für diese Altersgruppe. Gleichzeitig schlugen die Senatoren einen flexibleren Ansatz vor – die Erstellung einer „Schwarzen Liste“ konkreter Plattformen, auf die der Zugang eingeschränkt werden soll.

Neben den Einschränkungen in sozialen Netzwerken sieht der Gesetzentwurf ein Verbot der Nutzung von Mobiltelefonen in französischen Mittelschulen vor. Diese Entscheidung erweitert die Geltung bestehender Vorschriften, die bereits in vielen Grund- und weiterführenden Schulen des Landes angewendet werden.

Internationaler Kontext und Reaktion der EU

Frankreich ist nicht allein in seinem Bestreben, Kinder vor digitalen Risiken zu schützen. Australien war das erste Land der Welt, das ein vollständiges Verbot sozialer Netzwerke für Kinder unter 16 Jahren eingeführt hat (die Beschränkungen treten am 10. Dezember 2025 in Kraft). Ähnliche Maßnahmen werden auch im Vereinigten Königreich, in der Türkei und in Indonesien ergriffen oder diskutiert.

Die Initiative von Paris stieß jedoch auf Kritik auf EU-Ebene. Die Europäische Kommission warnte davor, dass der französische Gesetzentwurf gegen das EU-Gesetz über Online-Inhalte verstoßen könnte. Brüssel befürchtet, dass die Übertragung regulatorischer Befugnisse an nationale Behörden über den Rahmen der einheitlichen Rechtsbasis des Blocks hinausgeht. Anfang Juli forderte die Kommission die französischen Gesetzgeber auf, das Dokument zu überarbeiten, obwohl die Idee des Schutzes von Kindern im Internet selbst gebilligt wurde.

Auch die EU bereitet eigene Gesetzgebung vor, um den Zugang von Minderjährigen zu sozialen Netzwerken einzuschränken. Als Hauptgründe für die Einführung solcher Beschränkungen auf europäischer Ebene werden Bedrohungen für die psychische Gesundheit von Kindern und Manipulationen durch Empfehlungsalgorithmen genannt.