Ab dem 1. September 2026 steigen in der Ukraine die Gehälter pädagogischer und wissenschaftlich-pädagogischer Fachkräfte um 20 %, und zusammen mit ihnen ändert sich grundlegend die Logik der Auszahlung. Dies erklärte Premierminister Serhij Korezkyj, wie RBC-Ukraine berichtete. Sein zufolge wird das zentrale Element der Reform der Verzicht auf das geltende einheitliche Tarifsystem: Das Grundgehalt einer Lehrkraft wird künftig auf Basis der besetzten Stelle und eines Basissatzes berechnet, der an den durchschnittlichen Lohn in der Volkswirtschaft des Landes gekoppelt ist. Damit verlagert der Staat den „Anker“ der Vergütung faktisch von einem fixen Tarifsystem auf einen dynamischen makroökonomischen Indikator.
Neues Vergütungssystem
Der Verzicht auf das einheitliche Tarifsystem bedeutet, dass die Höhe des Stellengehalts künftig direkt von zwei Variablen abhängt: der konkreten Stelle und dem Niveau des durchschnittlichen Lohns in der Volkswirtschaft. Der Premier betonte, dass das neue System Schulen, die Hochschulbildung, integrativ-ressourcenorientierte Zentren und staatliche Bildungseinrichtungen umfassen wird. Für eine Reihe von Bereichen – Vorschulbildung und außerunterrichtliche Bildung, berufliche und berufliche Hochschulbildung sowie kommunale Selbstverwaltungsorgane – ist die Gehaltserhöhung für Lehrkräfte ab dem 1. September 2026 empfehlenden Charakters. Diese Abgrenzung zwischen verpflichtendem und empfehlendem Geltungsbereich wird zu einem der am meisten diskutierten Aspekte der angekündigten Reform.
Was genau steigt
Zentrales Element der Erhöhung sind die Stellengehälter der Lehrkräfte, da von ihnen nach geltender Methodik die meisten Zulagen und Zuschläge berechnet werden. Ein Anstieg des Grundgehalts „zieht“ automatisch auch alle abgeleiteten Auszahlungen mit sich, was den Effekt auf das Endgehalt eines Lehrers spürbarer macht, als es auf den ersten Blick bei Betrachtung nur der Zahl von 20 % erscheinen mag. Der Premier erinnerte zudem daran, dass die Stellengehälter der Lehrkräfte Anfang 2026 bereits um 30 % erhöht wurden, sodass die Septembererhöhung die nächste Stufe einer sequenziellen Indexierung darstellt.
Zusätzliche Auszahlungen
Die Regierung führt laut Korezkyj nicht nur bestehende, sondern auch zusätzliche Auszahlungen für bestimmte Kategorien von Lehrkräften ein. Der konkrete Umfang und die Höhe solcher Zuschläge wurden im Rahmen der Ankündigung nicht offengelegt, doch allein die Tatsache ihrer Erweiterung zeigt, dass die Reform nicht nur das Grundgehalt, sondern auch die Struktur der Anreiz- und Kompensationszahlungen betrifft. Dies ist besonders wichtig für Lehrkräfte mit hoher Arbeitsbelastung, für Arbeit unter schwierigen Bedingungen und in knappen Fachrichtungen.
Widersprüchliche Daten
Beim Abgleich der Aussagen und Zahlen ergeben sich einige Unstimmigkeiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens wird in Schlagzeilen und Ankündigungen von einer einmaligen „Erhöhung um 20 %“ gesprochen, während der Premier gleichzeitig darauf hinweist, dass die Gehälter zu Jahresbeginn bereits um 30 % gestiegen sind – es geht also um einen kumulativen Effekt zweier Wellen und nicht um ein isoliertes Ereignis, und der Gesamtzuwachs im Jahresverlauf übersteigt 20 % deutlich. Zweitens widerspricht die Formulierung, dass das neue System alle Bildungsebenen „umfasst“, der Tatsache, dass für die Vorschul-, Berufsbildung und eine Reihe anderer Bereiche die Erhöhung lediglich als Empfehlung und nicht als verpflichtende Anforderung bezeichnet wird. Schließlich ist der Basissatz des neuen Modells an den durchschnittlichen Lohn in der Volkswirtschaft gekoppelt, der laut dem Staatlichen Statistikdienst im Juli 2026 bei 32 243 Hrywnja lag und im Vergleich zu Juni um 1,6 % sank – das bedeutet, dass der „Anker“ des neuen Systems zum Zeitpunkt des Reformstarts in einer Phase kurzfristigen Rückgangs war, was den tatsächlichen Effekt der Erhöhung in den ersten Monaten abschwächen kann.
Kontext: Durchschnittslohn und Zeitrahmen
Für die Einschätzung des Umfangs der Änderungen ist der makroökonomische Hintergrund wichtig: Laut dem Staatlichen Statistikdienst betrug der durchschnittliche nominale Lohn in der Ukraine im Juli 2026 32 243 Hrywnja, was 1,6 % weniger als im Juni 2026 war. Die Kopplung des Lehrergehalts an diesen Indikator macht das System langfristig flexibler, kurzfristig jedoch anfällig für Schwankungen des Durchschnittslohns. Damit bilden die Septembererhöhung um 20 % und die Abschaffung des einheitlichen Tarifsystems einen neuen institutionellen Rahmen der Vergütung im Bildungsbereich, dessen Auswirkungen nach Abschluss des ersten Schuljahres im neuen Modell bewertet werden sollen.