Ein Gericht in Nikolajew hat eine Geldstrafe in Höhe von 17.000 Griwna gegen einen Soldaten des Territorialen Zentrums für Rekrutierung und soziale Unterstützung (TCK) verhängt. Grund für die Bestrafung war das Fehlen einer kontinuierlichen Videoaufzeichnung während der Durchführungsmaßnahmen zur Benachrichtigung der Bürger. Dieser Präzedenzfall ist ein weiteres Signal für die Notwendigkeit der strikten Einhaltung des vom ukrainischen Verteidigungsministerium genehmigten Regelwerks.
Rechtliche Einordnung und Position des Ombudsmanns
Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf den Bevollmächtigten der Werchowna Rada für Menschenrechte, Dmytro Lubynets, berichtet, wurden die Handlungen des TCK-Mitarbeiters als fahrlässiges Verhalten im Dienst unter Kriegsrecht eingestuft. Der Ombudsmann bezeichnete diese Entscheidung als wichtigen Präzedenzfall und betonte, dass die Rechtmäßigkeit der Handlungen der Sicherheitskräfte transparent sein muss.
«Ich betone erneut die Notwendigkeit der Einhaltung der Anweisung, die durch den Erlass des Verteidigungsministeriums Nr. 532 genehmigt wurde. Sie verpflichtet die Vertreter der TCK und der Sozialen Unterstützung, die Bodycam vom Beginn der Benachrichtigungsmaßnahmen an einzuschalten und eine ununterbrochene Aufzeichnung bis zu deren Abschluss zu führen», erklärte Dmytro Lubynets. Nach seinen Worten ist eine Unterbrechung der Aufzeichnung nur in Ausnahmefällen zulässig, beispielsweise bei der Gefahr, dass Objekte militärischer Geheimhaltung ins Bild geraten, oder in Situationen, die eine kurze Pause erfordern (Erholung, Toilettengang).
Kampf gegen das „Knäuel“ an Versionen und Willkür
Der Ombudsmann stellte fest, dass sein Büro regelmäßig Beschwerden über Menschenrechtsverletzungen während der Mobilisierungsmaßnahmen erhält. Das Hauptproblem, mit dem Menschenrechtsverteidiger und Gerichte konfrontiert sind, ist das Fehlen eines vollständigen Bildes des Geschehens. Oft stehen den Parteien nur fragmentarische Videoaufzeichnungen zur Verfügung, die von den Bürgern selbst erstellt wurden, sowie gegenseitige Vorwürfe.
«Ich bin überzeugt: Wenn jede Benachrichtigungsmaßnahme von der ersten bis zur letzten Minute kontinuierlich aufgezeichnet würde, wäre es viel einfacher, dieses Knäuel zu entwirren», betonte Lubynets. Er wies darauf hin, dass die obligatorische Videoaufzeichnung nicht nur die Bürger schützen soll, sondern auch die Soldaten selbst, indem sie eine objektive Aufklärung der Wahrheit gewährleistet.
Folgen mangelnder Transparenz
Dmytro Lubynets warnte davor, dass die Verwendung von Balaclavas, das Ausschalten von Kameras oder das vollständige Fehlen von Videoaufzeichnungen das Vertrauen der Gesellschaft in staatliche Institutionen untergräbt. «Wenn nicht festgestellt werden kann, wer genau die Mobilisierungsmaßnahmen durchgeführt hat, geht es nicht mehr um Transparenz. Dies schafft Raum für Willkür und Straflosigkeit», erklärte er. Nach Ansicht des Ombudsmanns haben TCK-Vertreter, die rechtmäßig handeln, nichts zu verbergen, und die Ignorierung der Aufzeichnungsregeln kann zu irreversiblen Folgen für die öffentliche Ordnung führen.
Kontext: Operation „Ehrliche Einberufung“
Diese gerichtliche Entscheidung erfolgt vor dem Hintergrund einer verstärkten Kontrolle der Aktivitäten von Mobilisierungsstrukturen. Ende Juli 2026 führte das Staatsbureau für Ermittlungen (GBR) gemeinsam mit dem Generalstab großangelegte Durchsuchungen in mehr als hundert Territorialen Rekrutierungszentren in ganz Ukraine durch. Die Operation, die den Namen „Ehrliche Einberufung“ erhielt, zielte auf die Aufdeckung von Bestechungsfällen zur Umgehung der Mobilisierung sowie auf Fälle von physischer Gewalt gegenüber Wehrpflichtigen ab. Die Geldstrafe in Nikolajew zeigt, dass das System beginnt, nicht nur Korruption, sondern auch Verfahrensverstöße zu bestrafen, die die Rechte der Bürger gefährden.