Die ukrainischen Luftabwehrkräfte fassen seit zwei Tagen in Folge die Strahlraketen „Geran-5“ in der Region Kiew ab, berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf eine Aussage des Militärtechnik-Experten Sergei „Flash“ Beskrestnow in Telegram. Seinen Worten zufolge setzen die russischen Streitkräfte diese Munition aus einer Entfernung von rund 400 Kilometern ein, was sie zu einem der schwersten abzufangenden Ziele der aktuellen Luftbedrohung macht. Dabei, so der Experte, zeigen gerade die Luftabwehrsysteme – und nicht autonome Abfangdrohnen – eine hohe Effektivität bei der Zerstörung dieser Waffe.

Taktik des Starts aus 400 Kilometern Entfernung

Eine Schlüsselbesonderheit der „Geran-5“-Angriffe, auf die „Flash“ hinweist, ist die Startentfernung von rund 400 Kilometern. Diese Distanz ermöglicht es dem Gegner, die Mittel der Vernichtung außerhalb der Reichweite mehrerer Flaksysteme zu halten und gleichzeitig eine erhebliche Anflugzeit zu schaffen, was die rechtzeitige Erfassung und Verfolgung des Ziels erschwert. Zuvor hatte RBC-Ukraine darauf hingewiesen, dass Russland eine geringe Anzahl von Strahl-Drohnen in Wellen einsetzt, um die Infrastruktur Kiews zu lahmzulegen, und die Luftabwehr zwingt, einen begrenzten Vorrat an Abfangdrohnen auf mehrere Ziele zu verteilen.

Warum Strahl-Abfangdrohnen nicht funktionieren

„Strahl-Abfangdrohnen helfen hier nicht sehr“, stellt der Experte fest. Die Ursache, so seine Logik, liegt in der Kinematik und Geschwindigkeit des Ziels: Die Strahl-„Geran-5“ bewegt sich deutlich schneller als die klassischen Propeller-„Scheheds“, gegen die die autonomen Abfangdrohnen entwickelt wurden. Für die effektive Bekämpfung eines hochgeschwindigen Strahlziels sind Systeme mit entsprechenden Beschleunigungs- und Lenkcharakteristiken erforderlich, über die gewöhnliche Abfangdrohnen nicht verfügen. Daraus folgt: Die Hauptlast bei der Neutralisierung solcher Ziele tragen die traditionellen Flak-Raketensysteme der Luftabwehr.

Aufstockung der Produktion und einheitliche Routen

Neben den taktischen Details weist „Flash“ auf die strategische Linie Moskaus hin: Russland steigert weiterhin die Produktion von Kampfdrohnen und setzt auf schnellere Ziele. Das bedeutet, dass der Anteil der Strahlgeräte in den Angriffen in Zukunft steigen kann, was von der ukrainischen Luftabwehr Anpassung und Umverteilung der Ressourcen erfordern wird. Separat merkt der Experte an, dass die russischen Strahl-Drohnen „Schehed“ Kiew entlang einer einheitlichen Route – entlang der Grenze zu Belarus – erreichen, was einerseits die Vorhersage der Angriffsrichtungen erleichtert, andererseits aber auch von einer Standardisierung der Gegentaktik zeugt.

Widersprüchliche Daten

In den verfügbaren Formulierungen ist eine terminologische Unstimmigkeit zu beobachten: In einigen Meldungen wird die „Geran-5“ als „Strahlrakete“ bezeichnet, in anderen als „Strahldrohne“, obwohl es sich um denselben Waffentyp handelt. Außerdem ist die Bewertung der Effektivität der Strahl-Abfangdrohnen („helfen nicht sehr“) eine Expertenmeinung und kein im Kampf bestätigtes statistisches Ergebnis, weshalb sie als analytische Hypothese zu betrachten ist. In begleitenden Materialien wird zudem das Herabfallen von Trümmern abgefangener Ziele in einem Wohnkomplex Kiews erwähnt, was die Tätigkeit der Luftabwehr bestätigt; genaue Zahlen der abgeschossenen Einheiten und Koordinaten werden jedoch nicht offengelegt.