Laut The Washington Post, auf die sich RBC-Ukraine bezieht, hat Russland den Anteil strahlgetriebener Drohnen in Angriffen auf die Ukraine deutlich erhöht. Im August 2026 wurden nach vorliegenden Schätzungen mehr als 2800 strahlgetriebene Drohnen eingesetzt, darunter neue Modifikationen „Geran-4“ und „Geran-5“, die auf Basis der iranischen Shahed entwickelt wurden. Moskaus Strategie besteht darin, die ukrainischen Luftabwehrsysteme gezielt zu erschöpfen und zu überlasten: Drohnenangriffe werden mit Starts ballistischer Raketen kombiniert, was die Arbeit der Luftabwehr vielfach erschwert.

Tempo als Hauptwaffe

Der entscheidende Unterschied der neuen Modelle ist die Geschwindigkeit. Nach der Hauptversion erreichen „Geran-4“ und „Geran-5“ etwa 400 km/h, was fast doppelt so schnell ist wie die bisherigen Versionen und die Zeit für eine Abfangung verkürzt. Aus diesem Grund müssen ukrainische Streitkräfte in Einzelfällen Kampfflugzeuge zur Bekämpfung der Drohnen einsetzen, was die Verteidigung zusätzlich belastet. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte betont, dass strahlgetriebene Drohnen bereits mehr als die Hälfte aller von Russland zur Erschöpfung der Luftabwehr eingesetzten Drohnen ausmachen.

Produktionsumfang

Serhij Beskrestnow, der Berater des ukrainischen Präsidenten für Verteidigungstechnologien, schätzt die Produktionskapazitäten Russlands auf rund 3000 neue Drohnen pro Monat. Nach seinen Angaben plant Moskau, 36.000 bis 40.000 Drohnen pro Jahr herzustellen, von denen etwa 60 % auf strahlgetriebene Modelle entfallen könnten, der Rest auf ältere Shahed-136 und „Geran-2“. Innerhalb von vier Tagen hat Russland nach vorliegenden Angaben rund 1500 Drohnen verschiedener Typen gestartet, davon etwa 800 strahlgetriebene.

Widersprüchliche Angaben

Die Quellen nennen unterschiedliche Werte für die Höchstgeschwindigkeit der neuen Drohnen. In der Hauptversion, die sich auf The Washington Post bezieht, ist die Rede von etwa 400 km/h für „Geran-4“ und „Geran-5“. Die Eurasian Times (unter Berufung auf eigene Schätzungen) nennt für „Geran-5“ jedoch eine Geschwindigkeit von rund 600 km/h und behauptet, dass gerade diese die ukrainische Luftabwehr „in den Wahnsinn treibt“. Der Unterschied zwischen 400 und 600 km/h ist erheblich: Er wirkt sich direkt auf die Einschätzung der Reaktionszeit der Luftabwehr und auf die tatsächliche Abfangeffektivität aus. Da es bisher keine unabhängigen bestätigten Messungen der Geschwindigkeit im Kampf gibt, sind beide Werte als Schätzungen zu betrachten.

Ukrainische Reaktion und Raketenmangel

Die Ukraine ihrerseits erhöht die Produktion eigener Langstreckendrohnen und verbessert die Mittel zur Bekämpfung russischer Drohnen. Die Gespräche zwischen den USA und der Ukraine über eine Lizenz zur Herstellung von Raketen für Patriot-Systeme laufen weiter, doch der eigene Produktionsstart wird Zeit in Anspruch nehmen. Eines der Hauptprobleme bleibt der Mangel an Flugabwehrraketen: Selenskyj hatte Washington wiederholt aufgefordert, zusätzliche Raketen für Patriot zur Verfügung zu stellen. Experten warnen zudem, dass die neuen Langstreckendrohnen Ziele im gesamten Westen der Ukraine treffen können, was die Risikozone für die zivile Infrastruktur erweitert.