Für die meisten Veteranen, die in die Selbstständigkeit zurückkehren, ist nicht die Unterstützung eines „Startups von Null' relevant, sondern die Finanzierung konkreter Vermögenswerte. Es geht um den Kauf von Spezialfahrzeugen, Maschinen oder die Erweiterung eines bereits bestehenden Unternehmens. Genau diesen Bedarf hat der Leiter der Veteranenprogramme der „Globus Bank', Veteran der 47. OMB „Magura', Maksym Kuzmenko, in einem Kommentar an RBC-Ukraine geäußert.

Laut einer Studie des Ukrainischen Veteranenfonds planen mehr als 63 % der Soldaten nach der Demobilisierung, ein eigenes Geschäft zu führen, und bei 11 % existiert ein Unternehmen bereits. Dabei erwarten rund 35 % die Einwerbung von Investitionen. Die tatsächlichen Bedürfnisse des Marktes weichen jedoch von abstrakten Unterstützungsschemata ab.

Marktwirklichkeit: Von Zuschüssen zu Krediten

Heute haben sich im Veteranenunternehmertum zwei Hauptbedürfnisse herausgebildet: Zweckgebundene Finanzierung für den Kauf von Maschinen, Fahrzeugen oder Immobilien sowie die Aufstockung des Umlaufvermögens von Unternehmen, die die Inhaber nach der Rückkehr von der Front wiederherstellen oder ausbauen.

Bestehende Zuschussprogramme wie „eRobota' helfen zwar beim Start eines Unternehmens, doch die vorgesehenen Beträge (von 250.000 bis 1 Mio. UAH) decken oft nicht die tatsächlichen Bedürfnisse des Geschäfts. Zudem übersteigt die Nachfrage nach solchen Mitteln das Angebot bei weitem.

Laut Kuzmenko sollte der nächste Schritt eine weitere Senkung der Kreditkosten sein. Ein optimaler Richtwert für das kleine und mittlere Veteranenunternehmertum könnte ein effektiver Zinssatz von rund 3 % pro Jahr sein, der mit Beteiligung internationaler Finanzinstitutionen umgesetzt wird.

Bankenbarrieren und Anpassungsbedarf

Ein wichtiger Aspekt ist die Anpassung der Bankregeln an die Realitäten des Krieges. Insbesondere sollten Banken vergünstigte Kredite an Unternehmen vergeben, bei denen ein Veteran mindestens 25 % der Anteile hält oder als Geschäftsführer tätig ist. Während des Dienstes wird das Unternehmen oft von Partnern oder Ehefrauen verwaltet, doch bisher gilt die formale Anforderung des hundertprozentigen Eigentums des Veteranen.

Derzeit gibt es für das Veteranenunternehmertum Vergünstigungen im Rahmen der staatlichen Programme „Zugängliche Kredite 5-7-9 %' und „Zugängliche Finanzierungsleasing 5-7-9 %'. Einige Banken können einen Teil des Zinssatzes (bis zu 2 Prozentpunkte) aus eigenen Mitteln kompensieren. In der Ukraine gilt zudem der Mechanismus der „Veteranenobligationen', über den private Investoren und große Unternehmen Veteranen zu vergünstigten 15 % finanzieren.

Vorbereitung auf die Finanzierung: Expertenrat

Die Gründung eines eigenen Unternehmens erfordert eine sorgfältige Vorbereitung noch vor der Einreichung eines Finanzierungsantrags. Maksym Kuzmenko rät, mit kostenlosen Schulungen, der Analyse der Kundennachfrage und Konsultationen mit spezialisierten Veteranenorganisationen zu beginnen, die rechtliche und mentorale Unterstützung leisten.

Um Risiken am Start zu minimieren, empfiehlt der Experte, folgende Regeln zu beachten:

  • Rechtliche Fragen klären: Die Rechtsform des Unternehmens, das Steuersystem und die Aufteilung der Verantwortung zwischen den Mitinhabern klar definieren.
  • Frühzeitig zur Bank gehen: Bereits in der Planungsphase eine Beratung in Anspruch nehmen und nicht erst im Moment der akuten Geldnot; die Gesamtkosten des Darlehens genau berechnen.
  • Das Geschäft nicht mit Schulden überlasten: Am Anfang ein moderates Maß wählen, zwingend eine finanzielle Reserve für mehrere Monate bilden und private sowie firmenbezogene Mittel trennen.

„Veteranen brauchen keine Nachsicht oder „herablassendes Bedauern'. Sie brauchen faire Regeln, verständliche Instrumente und Unterstützung ohne unnötige Bürokratie', fasst Maksym Kuzmenko zusammen.