Der Krieg hat die Distanz für Tausende ukrainische Familien zur alltäglichen Realität gemacht. Angehörige und Freunde befinden sich in verschiedenen Ländern, Treffen sind zur Seltenheit geworden, doch das Bedürfnis nach Unterstützung und dem Gefühl der Nähe ist geblieben. Neben Anrufen und Nachrichten in Messenger-Diensten sind Geschenke zu einer der stabilsten Formen der Aufmerksamkeit auf Distanz geworden. Dies belegen die Ergebnisse einer Studie, die von Info Sapiens gemeinsam mit der Marke bodo durchgeführt und im September 2026 von RBC-Ukraine veröffentlicht wurde.

Umfang der Verbindung mit Angehörigen im Ausland

Laut den Umfragedaten haben 83 % der Befragten eng verwandte Angehörige, Freunde oder Bekannte, die im Ausland leben und mit denen sie zumindest gelegentlich Kontakt halten. Das zeigt, dass die Diaspora-Verbindung für die überwiegende Mehrheit der ukrainischen Familien nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm ist. Unter denen, die tatsächlich solche Angehörigen haben, erhalten 69 % zumindest gelegentlich Geschenke von ihnen. Am häufigsten erfolgt die Lieferung mehrmals im Jahr oder einmal im Jahr – also nicht wöchentlich, aber auch nicht als Einzelfall.

Anlässe und Häufigkeit: Der Geburtstag führt, aber „einfach so“ – fast die Hälfte

Der häufigste Anlass für ein Geschenk aus dem Ausland bleibt der Geburtstag: Zu diesem Termin erhalten 58 % der Befragten, denen etwas aus dem Ausland geschickt wird, Geschenke. Weitere 37 % nannten den Jahreswechsel oder Weihnachten als typischen Moment für ein Überraschungsgeschenk. Allerdings hebt die Studie einen bemerkenswerten Wert hervor: 46 % der Befragten erhalten Geschenke ohne konkreten Anlass. Das zeigt, dass Aufmerksamkeit auf Distanz immer seltener an ein Kalendertag gebunden ist: eine unerwartete Lieferung, ein Erlebnis oder eine kleine Überraschung werden zum Mittel, um einen Menschen nach einer schweren Woche zu unterstützen, an sich zu erinnern oder einfach einen schönen Moment im Alltag zu schaffen.

Was am häufigsten geschickt wird: Lebensmittel, Kleidung und Geld

Was die Struktur der Geschenke betrifft, führen Lebensmittel und Süßigkeiten – darauf verwiesen 53 % der Empfänger. Auf dem zweiten Platz liegt Kleidung oder Schuhe (40 %), auf dem dritten – Geld (35 %). Souvenirs erwähnen 24 % der Befragten. Auch auf der Liste der Geschenke aus dem Ausland finden sich Kosmetik, Haushaltsgeräte, Medikamente und Vitamine. Eine solche Struktur spiegelt den pragmatischen Charakter der Unterstützung wider: Angehörige im Ausland versuchen, Grundbedürfnisse zu decken oder das bereitzustellen, was im Alltag unter Kriegsbedingungen fehlt.

Geschenke als Erlebnis: 60 % für Erholung, SPA und Workshops

Gleichzeitig betonen die Forscher: Ein Geschenk muss nicht unbedingt ein materielles Ding sein. 60 % der Befragten stehen der Möglichkeit positiv gegenüber, von einem nahestehenden Menschen ein Erlebnis oder einen Dienst in der Ukraine zu erhalten – Erholung, SPA, Workshop, Abendessen oder Unterhaltung. Zu den am meisten gewünschten Erlebnisgeschenken zählten die Ukrainer einen Landurlaub oder eine Reise (32 %), familiäre Erlebnisse (28 %) sowie die Möglichkeit, das Geschenk innerhalb eines bestimmten Betrags selbst zu wählen (25 %). Weitere 20 % interessieren sich für SPA, Massage oder Selbstpflege. Eine solche Geschenkart kann online aus jedem Land bestellt und an eine Person in der Ukraine gesendet werden. Sie hilft nicht nur, die emotionale Verbindung aufrechtzuerhalten, sondern gibt den Angehörigen auch die Möglichkeit, sich zu erholen, Zeit mit der Familie zu verbringen oder unter Bedingungen, in denen ein persönliches Treffen unmöglich ist, eine neue positive Erfahrung zu machen.

Methodik und Einschränkungen der Daten

Die Studie wurde von Info Sapiens im August 2026 per Online-Interviews durchgeführt. An der Umfrage nahmen 1099 Befragte im Alter von 18 bis 65 Jahren teil. Die Daten spiegeln die Einstellungen und Praktiken genau jener Ukrainer wider, die Angehörige im Ausland haben und mit ihnen regelmäßigen Kontakt halten. Zu berücksichtigen ist, dass die Stichprobe auf das Online-Publikum beschränkt ist und die Studie einen beschreibenden Charakter hat und keinen Vergleich mit früheren Perioden vorsieht.

Das Geschenk als Sprache der Fürsorge auf Distanz

Wenn ein persönliches Treffen unmöglich ist, wird das Geschenk zu einer einfachen, aber ausdrucksstarken Art zu sagen: „Ich denke an dich, unterstütze dich und bleibe dir trotz der Distanz nahe.“ Unter Bedingungen, in denen die Geografie einer Familie über Tausende von Kilometern verstreut ist, werden gerade solche Gesten – von einer Schachtel Süßigkeiten bis zu einem Gutschein für einen Landurlaub – zu unsichtbaren Fäden, die die familiären und freundschaftlichen Bindungen in ihrer Ganzheit erhalten.