In der vergangenen Woche stellte Google die neuen Smartphones Pixel 11 und die Smartwatch Pixel Watch 5 vor, und einer der wichtigsten Ankündigungen war das Toolkit Health Guardian mit der Funktion Insulin Resistance Trends. Diese Funktion erstellt eine monatliche Analyse der Reaktionen des Körpers auf Blutzuckerspitzen, was für die Gewichtssteuerung und die Kontrolle der Entwicklung von Typ-2-Diabetes von entscheidender Bedeutung ist. Ein entscheidender Indikator für Insulinresistenz und metabolische Gesundheit ist die Analyse der Körperzusammensetzung – des Verhältnisses der verschiedenen Arten von Fett, Skelettmuskulatur und Knochen. Genau hier kommt die neue Technologie PhotoScan ins Spiel, über die der Suchriese im Rahmen derselben Präsentationsreihe berichtete.
Kontext: Pixel 11, Pixel Watch 5 und Health Guardian
Die Funktion Insulin Resistance Trends im Rahmen von Health Guardian zeigt dem Benutzer die monatliche Dynamik dafür, wie der Körper auf Schwankungen des Glukosespiegels reagiert. Für eine vollständige Interpretierung dieser Daten ist ein objektiver Indikator des metabolischen Status erforderlich, und genau das ist die Körperzusammensetzung. Traditionell wird hierfür ein Röntgenscan DXA (dual-energy X-ray absorptiometry) oder spezielle Heimgeräte verwendet. So ist beispielsweise in der Samsung Galaxy Watch Ultra 2 eine Funktion zur bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) implementiert: Ein schwacher elektrischer Strom wird durch den Körper geleitet, der Fett, Muskeln und Knochen unterschiedlich durchläuft, wodurch ihr Verhältnis geschätzt werden kann. Google schlug einen grundlegend anderen Weg vor – auf Röntgen und auf Ströme zu verzichten und nur die Smartphone-Kamera und ein KI-Modell zu verwenden.
Wie PhotoScan funktioniert
Die Technologie PhotoScan kommt mit einem gewöhnlichen Foto aus, das mit der Smartphone-Kamera gemacht wurde, und einem neuronalen Netzwerkmodell zur Bildanalyse. Der Suchriese trainierte es, indem er mit dem Smartphone aufgenommene Fotos von Personen mit medizinischen DXA-Scans und anderen Parametern zur Person abglich; anschließend wurde der gesamte Datensatz durch die KI geschleust. Laut Google erreichte das trainierte Modell bei der Bewertung des Körperfettanteils und einer Reihe anderer Kennzahlen eine „hohe Übereinstimmung mit DXA“, und bei der Bewertung der Insulinresistenz wurde eine Genauigkeit erreicht, die DXA nahekommt. Somit wird der Benutzer in Zukunft ein objektives Bild seiner Körperzusammensetzung erhalten können, indem er sich einfach mit dem Smartphone fotografiert – ohne Klinikbesuch und ohne Kontakt-Sensoren.
Vergleich mit Alternativen und Einschränkungen
Im Gegensatz zu DXA erfordert PhotoScan keine Röntgenstrahlung und keine spezialisierte medizinische Ausrüstung, und im Gegensatz zu BIA leitet es keinen elektrischen Strom durch den Körper und ist nicht von der Hauthydratation und dem Elektrodenkontakt abhängig. Dies macht die Technologie potenziell massentauglich und für die tägliche Nutzung zugänglich. Dabei ist jedoch zu beachten: PhotoScan wurde noch nicht auf den Markt gebracht. Google weist ausdrücklich darauf hin, dass die Lösung „die Durchführbarkeit der Bewertung der Körperzusammensetzung mithilfe von Smartphones demonstriert“, das heißt, dass es sich auf der aktuellen Ebene um ein Forschungsergebnis und nicht um ein kommerzielles Produkt handelt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Technologie in Zukunft auf Pixel-Smartphones und in der Health-Guardian-Ökosystem erscheinen wird, aber das Unternehmen nennt keine konkreten Zeitrahmen.
Widersprüchliche Daten
Die Formulierungen zur Genauigkeit in den Aussagen von Google und in den Medienberichten sind nicht ganz identisch. Das Unternehmen spricht von einer „hohen Übereinstimmung mit DXA“ und von einer „DXA-nahen Genauigkeit“ bei der Bewertung der Insulinresistenz, während eine Reihe von Publikationen (darunter 3DNews und hi-tech.mail.ru) dies in den Schlagzeilen als „Röntgen-naher Genauigkeit“ zusammenfasst. Zwischen „hoher Übereinstimmung“ unter Laborbedingungen und klinischer Äquivalenz zum Röntgenscan besteht ein Unterschied: Eine unabhängige klinische Validierung von PhotoScan wurde öffentlich nicht veröffentlicht, und die Technologie hat die Zertifizierungsphase als medizinisches Gerät nicht durchlaufen. Darüber hinaus liegt der Fokus in den Quellen zur Pixel Watch 5 (geeky-gadgets.com, msn.com) auf der 20-prozentigen Leistungssteigerung der Uhr und auf der Funktion Health Guardian selbst, während PhotoScan als verwandte, aber noch nicht in verkaufte Geräte integrierte Technologie erwähnt wird. Somit ist die Aussage von „Röntgen-Genauigkeit“ als marketingbedingte Vereinfachung der angegebenen „hohen Übereinstimmung mit DXA“ zu verstehen und nicht als klinisch bestätigte Tatsache.
Aussichten
Wenn Google PhotoScan bis zur kommerziellen Einführung bringt, könnte dies eines der ersten massentauglichen Werkzeuge für die nicht-invasive Bewertung der Körperzusammensetzung auf Basis von KI und einer gewöhnlichen Kamera werden. In Kombination mit Insulin Resistance Trends und anderen Funktionen von Health Guardian wird dies den Benutzern von Pixel 11 und Pixel Watch 5 ein umfassendes Bild ihrer metabolischen Gesundheit ohne Klinikbesuch liefern. Bis die Funktion in verkaufte Geräte einfließt und unabhängige Validierungsdaten veröffentlicht werden, sollte die angegebene Genauigkeit jedoch mit Vorbehalt betrachtet werden: Die Technologie hat ihre Durchführbarkeit bewiesen, aber noch nicht ihre klinische Zuverlässigkeit unter realen Bedingungen.