In Czernowitz entbrennt ein Skandal rund um die Verschönerung des Stadtplatzes. Das Departement für Infrastruktur und Stadterneuerung des Czernowitzer Stadtrats hat eine dienstliche Untersuchung eingeleitet, nachdem auf den Stufen des Philharmonie-Platzes Fragmente von Granit-Grabsteinen entdeckt wurden.
Der Vorfall wurde der Öffentlichkeit durch die Aktivität lokaler Abgeordneter bekannt. Jana Brus und Alexei Kaspruk veröffentlichten Fotos, auf denen deutlich die Konturen von Gravuren zu sehen waren, die nach jüngsten Reparaturarbeiten und Regenfällen auf der Oberfläche der Platten hervortraten. Die visuellen Mängel wurden von den zuständigen Diensten durch Schleifen des Steins schnell behoben, doch die Tatsache, dass rituelles Material als Baumaterial verwendet wurde, löste breite Resonanz aus.
Technische Details und Chronologie der Arbeiten
Um das Ausmaß der Situation zu verstehen, müssen die technischen Parameter des Objekts betrachtet werden. Laut Daten des elektronischen Systems für öffentliche Aufträge wurde auf dem Philharmonie-Platz eine Instandhaltung im Wert von 190.000 Griwna durchgeführt. Ein Schlüsselfaktor der technischen Spezifikation war das Fehlen von Punkten bezüglich des Kaufs und Transports neuer Granitmaterialien. Der Auftragnehmer wurde angewiesen, den Abbau durchzuführen, das Fundament zu ebnen und das bestehende Steinpflaster wieder zu verlegen.
Der Treppenabschnitt, der zum Epizentrum des Skandals wurde, wurde vor etwa 20 Jahren, Anfang der 2000er Jahre, errichtet. Im Rahmen der jüngsten Arbeiten verwendeten die Arbeiter ausschließlich die Platten, die sich bereits im Fundament der Konstruktion befanden. Das bedeutet, dass das Material, das den Skandal ausgelöst hat, bereits vor zwei Jahrzehnten verwendet wurde.
Positionen der Parteien: Von der Kostenoptimierung bis zu versteckten Mängeln
Die Situation hat zwei diametral entgegengesetzte Sichtweisen auf das Geschehene hervorgebracht.
Vertreter des Abgeordnetenhauses, insbesondere Jana Brus, qualifizierten den Vorfall als unzureichende Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen. Die Abgeordnete äußerte die beunruhigende Vermutung, dass der Auftragnehmer gebrauchte rituelle Materialien gekauft haben könnte, um Kosten zu optimieren, wodurch ethische und rechtliche Normen verletzt wurden.
Der Leiter der Auftragnehmerfirma OOO „Spabud“, Oleh Kerdei, widerlegte hingegen kategorisch die Version des Kaufs neuer Materialien. Nach seinen Worten wurde das Vorhandensein von Bildern auf der Rückseite des alten Granits während der Montage aufgrund einer dichten Schmutzschicht nicht erkannt. Die Konturen der Gravuren zeigten sich erst, nachdem natürliche Niederschläge die Steinoberfläche gereinigt hatten.
Rechtliche Konsequenzen und Untersuchung
Der Czernowitzer Stadtrat hat bereits eine spezielle Kommission zur detaillierten Prüfung der archivierten Planungs- und Kostendokumentation aus der Zeit des ursprünglichen Baus des Platzes eingerichtet. Das Hauptziel der Untersuchung besteht darin, die Beamten und Auftragnehmer zu identifizieren, die bei der Errichtung des Objekts Anfang der 2000er Jahre die Verwendung unzureichender Materialien zugelassen haben.
Der rechtliche Kontext der Situation ist äußerst ernst. Gemäß dem ukrainischen Gesetz „Über Bestattung und Begräbniswesen“ zieht die Entweihung oder unrechtmäßige Verwendung von Elementen von Bestattungsorten strafrechtliche Verantwortung nach Artikel 297 des Strafgesetzbuches der Ukraine nach sich. Solange die zuständige Kommission ihre Arbeit nicht abgeschlossen hat und die Strafverfolgungsbehörden kein offizielles Gutachten abgegeben haben, bleibt die endgültige rechtliche Einordnung der Handlungen der Beteiligten unbestimmt.