Die Nacht zum Dienstag, dem 21. Juli, wurde für mehrere Regionen Russlands zu einer Zeit erhöhter Alarmbereitschaft. Das Land wurde von einer Welle kombinierter Angriffe heimgesucht: Raketen und Drohnen griffen Lipezk, Belgorod, Anapa, Wolgograd und andere Ortschaften an. Im ganzen Land ertönten Sirenen, es brachen Brände aus, und die Bevölkerung befand sich in Gefahr.
Lipezk: Brand in der Industriezone
Eines der Hauptziele des Angriffs war Lipezk. Kurz nach der Alarmierung brach in der Stadt ein Großbrand aus. Augenzeugen und lokale Online-Gemeinschaften berichten, dass sich das Feuer auf dem Gelände zwischen dem Heizkraftwerk-2 (TJES-2) und dem Nowolipezker Metallurgischen Kombinat (NLMK) entzündete.
Derzeit ist unklar, welches Objekt genau das Ziel des Anschlags war – das Energiekraftwerk oder der Metallurgieriese. Das NLMK ist das größte Stahlwerk Russlands und produziert etwa 20 % des gesamten russischen Stahls. Während russische Medien das Werk als rein zivilen Produzenten darstellen, weisen ukrainische Nachrichtendienste darauf hin, dass Stahl aus dem Kombinat von Unternehmen gekauft wird, die in der Raketentechnik tätig sind. Vertreter des NLMK bestreiten jegliche Lieferung von Rüstungsgütern kategorisch.
Gleichzeitig könnte auch das Lipezker Heizkraftwerk-2 ins Visier geraten sein – eines der wichtigsten Kraftwerke in der Region Tschernosemje, das nicht nur die Stadt, sondern auch die Industrieanlagen der Region mit Wärme versorgt. Der Gouverneur der Oblast Lipezk, Jegor Artamonow, bestätigte offiziell den Angriff auf die Region und ihre Objekte.
Belgorod: „Scherbenregen“ und Wasserausfall
Auch die Oblast Belgorod wurde massiv getroffen. Über der regionalen Hauptstadt und der umliegenden Agglomeration „fiel ein Regen aus Trümmern abgeschossener Raketen“, so die Aussagen der Anwohner. Der Angriff war von hellen Blitzen und Explosionsschall begleitet.
Die Folgen des Anschlags trafen die Infrastruktur der Stadt: In einigen Stadtteilen von Belgorod wurde die Wasserversorgung unterbrochen, was auf eine wahrscheinliche Beschädigung von Energieanlagen oder Versorgungsleitungen hindeutet. Trotz des Ausmaßes des Angriffs gab der operative Stab der Oblast Belgorod bekannt, dass bei dem Beschuss niemand verletzt wurde. Detaillierte Informationen über den materiellen Schaden hat die Behörde bisher nicht vorgelegt.
Wolgograd, Anapa und die Krim: Alarm und Explosionen
Auch im Süden des Landes war die Lage angespannt. In Wolgograd ertönte in der Nacht zum Dienstag die Sirene zur Warnung vor Raketenangriffen; die Bewohner hörten Explosionen. Bislang ist jedoch unklar, ob tatsächlich ein direkter Treffer auf Objekte in der Region erfolgte, da offizielle Daten zu den Folgen fehlen.
In Anapa, Mariupol und auf der Krim wurden ebenfalls Drohnen gesichtet. Auf der Halbinsel donnerten in der Nacht Explosionen, die auf einen Angriffsversuch hindeuten. Weitere Details zu den Folgen der Drohnenangriffe wurden durch Videomaterial bekannt, das in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurde.
Voraussetzungen und Kontext des Angriffs
Die großangelegten Angriffe auf das russische Territorium stellen eine Fortsetzung der aktiven Phase des Konflikts dar. Am Vortag berichteten Betreiber der ukrainischen Drohnenstreitkräfte von der Zerstörung von acht wichtigen Elementen des russischen Luftabwehrsystems. Zudem wurde zuvor über die Sabotagetätigkeit des Spezialeinsatzkommandos „Alfa“ des Zentrums für Spezialoperationen des SBU berichtet, das einen Schlag gegen das Koordinationszentrum des FSB Russlands auf dem vorübergehend besetzten Territorium der Oblast Cherson geführt hat.