Das Zentrum für Meinungsforschung (CBOS) hat im Auftrag der Zeitung Dziennik Gazeta Prawna die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage veröffentlicht, in der Polen erklärten, warum ihrer Meinung nach die Haltung gegenüber Ukrainern im Land schlechter geworden ist. Wie RBC-Ukraine berichtet, verknüpften die Befragten diese Entwicklung vor allem mit zwei Faktorengruppen: Streitigkeiten um das historische Gedächtnis – insbesondere um die Ereignisse in Wolhynien – und Fragen der Sozialleistungen, die, so das Empfinden eines Teils der Gesellschaft, ukrainische Flüchtlinge erhalten. Genau diese Verbindung aus „Geschichte plus Geld“ wurde zum Hauptergebnis der Soziologen und ist im Titel der Veröffentlichung widergespiegelt.

Historisches Gedächtnis und Sozialleistungen – zwei Pole der Wahrnehmung

Laut den Soziologen waren genau diese beiden Themen die häufigsten Antworten bei der Erklärung der Verschlechterung der Haltung gegenüber Ukrainern. Auf der einen Seite steht die historische Traumatisierung und der Streit um die Ereignisse von 1943 in Wolhynien, die im polnischen öffentlichen Diskurs regelmäßig im Zusammenhang mit dem ukrainischen Thema auftauchen. Auf der anderen Seite die wirtschaftliche Dimension: die Überzeugung, dass ukrainische Flüchtlinge erhebliche Sozialleistungen erhalten und, so die Meinung eines Teils der Befragten, um Ressourcen „konkurrieren“. Dabei, so die gleichen Daten, halten nur 7,6 % der Befragten, dass sich die Haltung der Polen gegenüber Ukrainern überhaupt nicht verschlechtert hat – das heißt, die überwiegende Mehrheit registriert eine negative Dynamik, selbst wenn sie sich in den Ursachen uneinig ist.

Widersprüchliche Daten

Die Autoren der Studie betonen eine deutliche politische Spaltung der Bürger bei der Bestimmung der Gründe für die Verschlechterung der Haltung gegenüber Ukrainern. Anhänger des regierenden politischen Lagers und Anhänger der rechtskonservativen Opposition setzten unterschiedliche Prioritäten: In jeder dieser Gruppen dominierten eigene Erklärungen – von einem Schwerpunkt auf dem historischen Gedächtnis bis hin zu einem Schwerpunkt auf Sozialleistungen und der „Belastung“ für die Gesellschaft. So gibt es in der Gesellschaft keine einheitliche „offizielle“ Version der Ursachen, und die öffentliche Debatte ist faktisch entlang der Parteigrenze gespalten. Das macht die Umfrage zu mehr als bloßer Statistik – sie ist ein Querschnitt des innerpolnischen politischen Kampfes, in den auch das ukrainische Thema eingebunden ist.

Kontext: Deportationsstimmungen und eine Million Flüchtlinge

Die Umfrage wurde vom 17. bis 20. August 2026 mit einem Mischverfahren unter 1000 erwachsenen Einwohnern Polens durchgeführt. Ihre Ergebnisse sind in einem breiteren Kontext zu betrachten: Eine kürzlich durchgeführte separate Umfrage zeigte, dass 67,2 % der Polen die Idee einer Deportation ukrainischer Männer, die in Polen keine legale Arbeit haben, unterstützen. Gleichzeitig hat Polen seit Beginn des großflächigen Krieges 1,73 Millionen Ukrainern Schutz gewährt, die wegen des russischen Einmarsches fliehen mussten. Diese Zahl macht die ukrainische Präsenz in Polen zu einer der größten in Europa und erklärt, warum das Thema der Wahrnehmung von Flüchtlingen zu einem beständigen Element der innenpolitischen Agenda geworden ist.

Was das für die bilateralen Beziehungen bedeutet

Die Gesamtheit der Daten zeigt, dass die Verschlechterung der Haltung gegenüber Ukrainern in Polen kein einheitlicher „antiukrainischer“ Impuls ist, sondern ein Geflecht verflochtener Faktoren: historisches Gedächtnis, wirtschaftliche Ängste und politische Konkurrenz innerhalb der polnischen Gesellschaft selbst. Für Kiew ist das ein Signal dafür, dass das ukrainische Thema in Polen fest in den lokalen Parteikampf eingebettet ist und daher alle Schritte zur Normalisierung der Wahrnehmung nicht nur von der bilateralen Politik, sondern auch von den innerpolnischen politischen Zyklen abhängen werden. Die nächsten CBOS-Umfragen und die Reaktionen des regierenden Lagers und der rechtskonservativen Opposition werden zu Schlüsselindikatoren dafür, wie sich diese Dynamik entwickeln wird.