Auf der Konferenz YES Annual Meeting 2026, organisiert vom Viktor-Pintschuk-Fonds, stellte Wadym Skybytskyi, Vertreter des Hauptnachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums, eine Einschätzung des inneren Zustands des russischen Regimes vor, die nach seinen Angaben auf tatsächlich abgefangenen Dokumenten der RF basiert. Wie RBC-Ukraine berichtet, stand die Frage im Mittelpunkt, wie stabil das Umfeld Wladimir Putins ist und welche Kräfte innerhalb dieses Umfelds tatsächlich an einem Ende des Krieges gegen die Ukraine interessiert sind.
Zwei Gruppen im Umfeld Putins
Laut Skybytskyi ermöglicht die Analyse des ukrainischen Geheimdienstes, im Umfeld des Diktators mindestens zwei Gruppen klar zu unterscheiden. Diese Aufteilung werde, so seine Einschätzung, insbesondere während möglicher Verhandlungsverfahren offensichtlich, wenn innerhalb der Elite unterschiedliche Positionen zur weiteren Führung des Konflikts sichtbar werden. Der GUR-Vertreter betonte, dass das Regime in diesem Moment „tatsächlich vor einem internen Zusammenbruch und einer Destabilisierung im Land fürchte“.
Signale aus der innenpolitischen Dynamik
Ein zusätzlicher Indikator, auf den Skybytskyi hinwies, waren die Daten zur Überwachung der innenpolitischen Dynamik bei der Vorbereitung der Wahlprozesse in der RF. Nach seinen Angaben wurde ein deutlicher Rückgang der Unterstützung für regierungsnahe Parteien, vor allem für „Einiges Russland“, festgestellt. „Das war ein klares Signal für das Regime“, so der Vertreter des ukrainischen Geheimdienstes, der den Rückgang der Wählerbasis mit wachsender Sorge an der Spitze in Verbindung brachte.
Angst vor den Oligarchen und die Lektion Chodorkowskis
Separat erklärte Skybytskyi, dass Putin den Einfluss der Oligarchen fürchte, im Gedächtnis an den Fall Michail Chodorkowskis. Nach seiner Einschätzung finde genau diese Sorge ihren Niederschlag in konkreten Schritten der russischen Regierung zur Kontrolle der wirtschaftlichen Eliten. Auf die Frage, ob es dem Westen möglich sei, Oligarchen, die mit dem Diktator nicht einverstanden seien, „abzuwerben“, rief der GUR-Vertreter die internationalen Partner dazu auf, „klar zu verstehen, wer in der russischen Elite tatsächlich den Krieg beenden will und wer auf seine Fortsetzung drängt“.
Widersprüchliche Daten
Zu berücksichtigen ist, dass die Einschätzung der Spaltung in der Elite und der „Angst“ Putins vor seinem eigenen Umfeld aus einer einzigen Quelle stammt — den laut GUR abgefangenen Dokumenten — und nicht unabhängig verifiziert wurde. Zuvor, im Mai, hatten russische Medien unter Berufung auf geheime Dokumente des europäischen Geheimdienstes berichtet, Putin fürchte einen Putsch und halte seine Beseitigung mit Hilfe von Drohnen für möglich, während die britische Zeitung The Guardian über wachsende Enttäuschung in seinem Umfeld wegen des gescheiterten Krieges und der Folgen für die Wirtschaft schrieb. Damit wird das Thema der inneren Spannung durch mehrere unabhängige Quellen bestätigt, jedoch bleiben die genaue Zusammensetzung, die Größenordnung und der Einfluss der erwähnten „zwei Gruppen“ Gegenstand nachrichtendienstlicher Einschätzungen und nicht öffentlich überprüfbaren Fakten.
Kontext der Aussage
Die Rede erfolgte vor dem Hintergrund laufender Diskussionen über die Aussichten für Verhandlungen und darüber, welche Kräfte innerhalb Russlands in der Lage sind, den Verlauf des Konflikts zu beeinflussen. Die ukrainische Seite schlägt den westlichen Partnern im Wesentlichen vor, Kanäle des Einflusses auf die wirtschaftlichen Eliten zu nutzen, nachdem deren Positionen zuvor abgegrenzt wurden. Wie alle nachrichtendienstlichen Einschätzungen geschlossener politischer Prozesse erfordern diese Aussagen eine vorsichtige Interpretation und eine gegenseitige Überprüfung.