Die Ukraine erkennt die Dimension der Bedrohung durch russische ballistische Raketen und arbeitet gezielt mit internationalen Partnern zusammen, um ein technologisches und operatives Vorteil für Russland zu verhindern. Dies erklärte Wadim Skibizky, Vertreter des Hauptdiensts für Aufklärung (GUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums, auf der Konferenz YES Annual Meeting 2026, die vom Viktor-Pintschuk-Fonds organisiert wurde, wie RBC-Ukraine berichtet. Seinen Worten zufolge baut Kiew eine systematische Antwort auf die Raketenbedrohung auf, gestützt auf Verbündete und eigene Anstrengungen zur Entwicklung der Luftverteidigung.

Umfang der Produktion in Russland

Skibizky nannte konkrete Zahlen: Laut Plänen der Russischen Föderation soll die russische Rüstungsindustrie bereits im September 2026 nicht weniger als 100 ballistische Raketen herstellen. In diese Schätzung sind insbesondere die Systeme „Iskander“ sowie die Raketen S-400 einbezogen, die laut GUR-Daten als ballistische Raketen eingesetzt werden. Diese Indikatoren zeigen laut dem Aufklärungsvertreter ein anhaltendes Wachstum der Produktionskapazitäten des russischen Rüstungskomplexes im Raketenbereich.

Die vierstufige Antwort der Ukraine

Die ukrainische Antwort auf diese Bedrohung besteht laut Skibizky aus vier Schritten. Innerhalb dieser Strategie ist das enge Zusammenwirken mit Partnern im Bereich der Luftverteidigung und die Bereitstellung von Abfangraketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme ein Schlüsselelement, die – wie das GUR betont – die einzigen Systeme sind, die ballistische Raketen abfangen können. Genau in diesem Bereich konzentriert die Ukraine ihre Anfragen an die Verbündeten.

Gefahr für die westlichen Regionen

Wie das GUR erklärte, arbeitet die russische Rüstungsindustrie derzeit an ballistischen Raketen, die bis in die westlichen Gebiete der Ukraine reichen könnten; bis Ende 2026 seien erste Starts solcher Systeme möglich. In diesem Kontext sind Kiew und andere Ortschaften in der Reichweite ballistischer Raketen russischem Terror ausgesetzt: Im Sommer und Herbst greift der Gegner aktiv mit ballistischen Raketen an und zerstört Lager, Unternehmen und andere kritische Infrastruktur.

Anfrage für Patriot und Position der EU

In diesem Zusammenhang bittet die Ukraine ihre Partner um Hilfe bei der Lieferung von Raketen für die Patriot-Systeme. Kürzlich hat sich die Europäische Union darauf geeinigt, aus dem Kredit von 90 Mrd. Euro eine Partie Abfangraketen für Patriot zu beschaffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor betont, dass die Ukraine mindestens 100–120 Raketen für Patriot pro Monat benötige, um die russische ballistische Bedrohung wirksam abzufangen.

Widersprüchliche Daten

In öffentlichen Aussagen und Faktenchecks wird eine Diskrepanz in den Zahlen und Formulierungen festgestellt. In der von RBC-Ukraine übermittelten Rede Skibizkys ist die Rede von „nicht weniger als 100 ballistischen Raketen“ laut russischen Plänen für September 2026. In einem anderen Material, das auf GUR-Daten verweist (UNIAN), wird hingegen die Schätzung genannt, dass Russland bis zu 200 Marsch- und ballistische Raketen pro Monat produzieren könnte. Der Unterschied erklärt sich durch den unterschiedlichen Umfang: Im ersten Fall werden nur ballistische Raketen und Planwerte berücksichtigt, im zweiten die Gesamtheit von Marsch- und ballistischen Raketen bei potenziellen (nicht planmäßigen) Raten. Beide Versionen stammen aus derselben Quelle – dem GUR –, aber mit unterschiedlichen Zählparametern, was bei Zitaten Vorsicht gebietet.