Vor dem Hintergrund eines akuten Mangels an Abfangraketen und der anhaltenden Steigerung der russischen Produktion von ballistischen Raketen verfügt die Ukraine laut The Economist über zwei Hauptansätze zum Schutz vor Angriffen. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf das britische Magazin. Es geht um eine Situation, in der die traditionelle Flugabwehr-Raketenabwehr allmählich an ihre Grenzen stößt, während der Gegner seinen Bestand an hochgeschwindigkeitsfähigen Munitionsmitteln weiter ausbaut, was die Suche nach alternativen, einschließlich offensiver, Möglichkeiten zur Reduzierung der Bedrohung erzwingt.

Mangel an Abfangraketen und steigende Produktion von Ballistikraketen

Das zentrale Problem, auf das The Economist hinweist, ist die nahezu vollständige Erschöpfung der ukrainischen Bestände an PAC-3-Abfangraketen für die Patriot-Systeme. Gleichzeitig hat Russland laut dem Magazin die Produktion von ballistischen Raketen auf etwa hundert Stück pro Monat gesteigert. Ein zusätzlicher Verwundbarkeitsfaktor ist, dass das Raketenabwehrsystem Freya noch nicht einsatzbereit ist. Zusammen genommen erzeugen diese Umstände eine Lücke zwischen dem Produktionsrhythmus der Ballistikraketen des Gegners und der Fähigkeit der Ukraine, jeden Start abzufangen.

Erstes Szenario: Reduzierung des Arsenal durch Schläge gegen die Produktion

Der erste der beiden Ansätze, die The Economist hervorhebt, ist offensiver Natur und zielt darauf ab, die Anzahl der Raketen zu verringern, über die Russland verfügt. Die Strategie sieht Schläge gegen Fabriken vor, die Ballistikraketen produzieren, sowie die Zerstörung von Startrampen noch bevor ein Schuss erfolgt. Das Ziel besteht also nicht darin, die Rakete in der Luft abzufangen, sondern sie am Start zu hindern, indem man entweder die Produktionsbasis oder das Trägersystem selbst in der Startvorbereitungsphase zerstört.

Zweites Szenario: eigene ballistische Raketen

Der zweite Ansatz hängt damit zusammen, dass die Ukraine in den kommenden Monaten hofft, ihr Arsenal mit eigenen ballistischen Raketen zu ergänzen. In erster Linie geht es um die Rakete „Sapsan“, an der „Juschmasch“ arbeitet, sowie um Produkte des Unternehmens Fire Point – FP-7 und die weiter reichende FP-9. Laut The Economist werden diese Raketen dank ihrer hohen Geschwindigkeit in der Lage sein, mobile Startrampen des Gegners effektiver als Drohnen zu treffen, bevor sie schießen und sich dem Einschlag entziehen können.

Komplexität der Aufgabe und Warnungen des Auslandsgeheimdienstes

Gleichzeitig betont The Economist, dass die Umsetzung beider Szenarien äußerst schwierig ist: Selbst die Vereinigten Staaten, die über eine vollständige Luftüberlegenheit über dem Iran verfügen, haben Mühe, mobile Startrampen des Gegners zu zerstören. Der Bedrohungskontext wird durch Aussagen des Auslandsgeheimdienstes ergänzt. Der Chef des Hauptverwaltungsgeheimdienstes (HUR) Oleh Hwyschtschenko hatte davor gewarnt, dass Russland diesen Herbst und diesen Winter kombinierte Angriffe auf die Energie- und Wärmegenerierung der Ukraine verstärken werde, dabei gleichzeitig Ballistikraketen, Marschflugkörper, reaktive „Schehedy“ und neue brennende Munitionsmittel einsetzen werde, was die Arbeit der Luftverteidigung erschwere. Außerdem hatte der HUR-Sprecher Wadym Skybytskyi erklärt, dass Russland bis Ende des Jahres die Erprobung eines neuen Typs ballistischer Raketen mit einer Reichweite von bis zu achthundert Kilometern abschließen plane, und im Rahmen dieser Erprobungen der Gegner möglicherweise Objekte in den westlichen Gebieten der Ukraine angreifen könne.

Zusammenfassend steht die Ukraine laut The Economist vor der Wahl zwischen der Verstärkung offensiver Schläge gegen die Produktions- und Startinfrastruktur der Ballistikraketen und der beschleunigten Schaffung eines eigenen hochgeschwindigkeitsfähigen Raketenarsenals – wobei beide Wege mit hoher technischer und operativer Komplexität verbunden sind.