Das Hauptnachrichtendienstamt der Ukraine (GUR des Verteidigungsministeriums) hat öffentlich vor dem Aufbau einer Informationskampagne auf dem Territorium des Landes gewarnt, deren Hauptziel es laut Einschätzung des Nachrichtendienstes selbst ist, den Militärnachrichtendienst und seine Kampfverbände zu diskreditieren. Dies berichtete das Medium RBC-Ukraine unter Verweis auf einen offiziellen Post des GUR. Der Nachrichtendienst erklärte, dass die Organisatoren der Kampagne beabsichtigen, für die Verbreitung gefälschter Botschaften einen breiten Kreis von Personen einzusetzen, und für die Veröffentlichung von Desinformation über ukrainische Nachrichtendienstler eine finanzielle Vergütung auszuzahlen. In diesem Zusammenhang rief das GUR die Bürger auf, ausschließlich geprüften offiziellen Informationsquellen zu vertrauen.

Mechanismus der vermuteten Kampagne

Laut den Angaben in der Erklärung des GUR basiert die Struktur der Kampagne auf zwei Elementen: der Rekrutierung von Verbreitern und deren materieller Motivation. Der Nachrichtendienst weist darauf hin, dass die Organisatoren für die Weiterleitung und öffentliche Verbreitung gefälschter Botschaften bestimmte Personen einbeziehen wollen, denen für jede „erfolgreiche“ Botschaft über ukrainische Nachrichtendienstler eine Geldprämie versprochen wird. Somit handelt es sich nach Darstellung des GUR nicht um eine spontane Welle von Veröffentlichungen, sondern um einen koordinierten Prozess mit finanzieller Komponente, der darauf abzielt, das Vertrauen in den Militärnachrichtendienst als Institution zu untergraben.

Appell an Medien, Journalisten und Blogger

Besonderes Augenmerk liegt in der Erklärung auf den Vertretern der Medienlandschaft. Das GUR wandte sich öffentlich an Journalisten und Blogger mit einem direkten Appell: Wenn sie mit dem Angebot kontaktiert werden, ungeprüfte oder zweifelhafte Daten zu veröffentlichen und zu verbreiten, müssen sie unverzüglich die Strafverfolgungsbehörden kontaktieren. Damit hat der Nachrichtendienst de facto für die Medien den Mechanismus der Prüfung solcher „Exklusivmeldungen“ über die Strafverfolgungsstrukturen und nicht über die Veröffentlichung legitimiert. Gleichzeitig erinnerte das GUR daran, dass der ukrainische Militärnachrichtendienst und seine Kampfverbände weiterhin Kampf- und Spezialaufgaben erfüllen, um das Land zu schützen und der russischen Aggression entgegenzuwirken.

Widersprüchliche Daten

Wichtig ist zu beachten, dass die Warnung vor einer „geplanten Kampagne“ eine einseitige Erklärung des GUR selbst ist und in den vorliegenden Materialien nicht durch eine unabhängige Untersuchung oder eine Bestätigung seitens der Strafverfolgungsbehörden gestützt wird. Darüber hinaus erfolgte die Erklärung vor dem Hintergrund eines bereits bekannten Vorfalls mit einer Schießerei zwischen Einheiten des GUR und des SBU in Kiew, auf den zuvor Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte und dem der ehemalige Leiter des Militärnachrichtendienstes und amtierende Chef des OPU Kyrylo Budanow seine Bewertung gab. In einer solchen Lage könnten Teile der Beobachter die Warnung vor einem „äußeren“ Informationsangriff als Zeichen interner Reibungen zwischen den Sicherheitsstrukturen interpretieren, während das GUR auf den äußeren Charakter der Bedrohung besteht. Beide Versionen – die einer koordinierten äußeren Kampagne und die eines internen Kontexts – sind derzeit von unabhängigen Quellen gleichermaßen weder widerlegt noch bestätigt.

Kontext: Der Nachrichtendienst führt weiterhin Kampfeinsätze durch

Die Erklärung über die Diskreditierungskampagne erfolgte vor dem Hintergrund der anhaltenden aktiven Tätigkeit des Militärnachrichtendienstes. Zuvor waren in der öffentlichen Berichterstattung Meldungen über Spezialoperationen des GUR aufgetaucht, einschließlich Angaben zur Zerstörung von Infrastrukturzielen auf besetzten Gebieten und zur Infiltrierung von Agenten in Einheiten des Gegners. In dieser Perspektive kann die Warnung vor Diskreditierungsversuchen als Versuch des Nachrichtendienstes betrachtet werden, den Ruf seiner Einheiten in einer Phase zu schützen, in der ihre Operationen Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit und – laut Einschätzung des GUR – einer gezielten Informationsattacke werden.