Stjepan Kaplunow, Stellvertreter des Kommandanten der „Spezialeinheit Timurs“ (RDK), erklärte öffentlich, dass er Ende August vor seinem eigenen Haus von Unbekannten entführt wurde, die sich als Polizeibeamte ausgaben, und mehrere Tage auf einem geschlossenen Objekt festgehalten wurde, wo er im Verdacht, Kontakte zum russischen FSB zu haben, verhört wurde. Seinen Angaben zufolge waren bei der Festnahme Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) beteiligt. Dies erklärte Kaplunow in einem Interview mit Radio NV, auf das RBC-Ukraine verweist. Seine Aussage kam vor dem Hintergrund der offiziellen Version der Geheimdienste vom „verhinderten Terroranschlag“ und des Schusswechsels, der Anfang September in Kiew stattfand, zustande.
Chronologie: vom Angriff vor dem Haus bis zum Schusswechsel in Beresnyjaki
Nach der Version von Kaplunow begann der Vorfall am 23. August: Vor seinem Haus griffen ihn Unbekannte an, die sich als Polizisten ausgaben, warfen ihn zu Boden und legten ihm Handschellen an, ohne irgendwelche offiziellen Vorwürfe vorzubringen. Anschließend wurde der Mann in eine unbekannte Richtung verbracht – auf ein, wie er vermutet, streng geheimes Objekt oder ein „Geheimgefängnis“, wo er in eine Zelle gesperrt und mit Ketten gefesselt wurde. Sowohl Kaplunow selbst als auch sein Anwalt Taras Borowskyj werten diese Handlungen als Entführung. Das RDK erklärte seinerseits am 1. September, dass Kaplunow einige Tage zuvor vor seinem eigenen Haus verschwunden sei, und wandte sich an den GUR, den SBU und das DBR um Hilfe, erhielt jedoch, so die Vertreter der Einheit, keine klaren Informationen.
Kaplunows Version: Zellen, Ketten und psychischer Druck
Nach Angaben des Stellvertreters des RDK-Kommandanten wurde er in den ersten zwei Tagen unter dem Vorwurf von Kontakten zum FSB verhört und es wurde behauptet, er habe angeblich die Verbindung der russischen Geheimdienste mit seinem Kommandanten organisiert. Kaplunow betonte, dass gegen ihn – abgesehen von der Entführung selbst – keine körperliche Gewalt angewendet wurde, jedoch psychischer Druck ausgeübt wurde: Ihm wurde, so seine Worte, mit dem „vollständigen Verschwinden“ und dem „Graben eines Loches“ gedroht. Aufgrund des schweren psychischen Zustands und der ausweglosen Lage sei er, wie er behauptet, gezwungen gewesen, vorübergehend der erfundenen Version über Kommunikation mit dem FSB zuzustimmen, doch er besteht darauf, dass in der Realität nichts dergleichen vorgefallen sei. Nach neun Tagen in Haft wurde er zu Hause für Ermittlungsmaßnahmen gebracht; in der Wohnung hörte er durch das Fenster Schüsse. Anschließend wurde er, so seine Angaben, von Kämpfern der „Spezialeinheit Timurs“ abgeholt, und derzeit befindet er sich unter deren Schutz an einem sicheren Ort.
Offizielle Position von SBU und GUR: Verhinderte Terroranschläge
Am Morgen des 2. September teilten der SBU gemeinsam mit dem GUR offiziell mit, dass sie einen Terroranschlag verhindert hätten, den, so ihre Angaben, der russische FSB angeblich gegen den Anführer der russischen Opposition geplant habe, der anlässlich des Unabhängigkeitstages in die Ukraine gereist war. Nach Informationen von RBC-Ukraine-Quellen ging es dabei gerade um Kaplunow. Der SBU erklärte, der Stellvertreter des RDK-Kommandanten habe angeblich Kontakt zum FSB gehabt und einen Anschlag vorbereiten sollen. Am selben Tag erschienen in den sozialen Medien Videos von den Folgen des Schusswechsels in Beresnyjaki vor einem Haus in der Julij-Schumskyj-Straße: Die Polizei sperrte den Verkehr, am Ort waren Sicherheitskräfte im Einsatz. Der Anwalt von Kaplunow, Taras Borowskyj, erklärte seinerseits, sein Mandant sei bereits am 23. August entführt worden, und der am 1.–2. September stattgefundene Schusswechsel habe mit einer Durchsuchung in Kaplunows Wohnung zu tun gehabt.
Widersprüchliche Angaben
Die Versionen der beiden Seiten weichen in den wesentlichen Umständen erheblich voneinander ab. Kaplunow und sein Anwalt behaupten, es habe eine Entführung gegeben: Am 23. August sei er ohne Vorbringen von Vorwürfen festgenommen, neun Tage lang auf einem geheimen Objekt festgehalten, mit Ketten gefesselt und psychisch unter Druck gesetzt worden, und es habe keine Kontakte zum FSB gegeben. Die offizielle Version von SBU und GUR schildert die Ereignisse demgegenüber als rechtmäßige Maßnahmen zur Verhinderung eines Terroranschlags, an dem Kaplunow angeblich durch Kontakte zum FSB und die Vorbereitung eines Anschlags beteiligt gewesen sei. Auch bei der Bewertung der Rolle der Behörden gibt es Widersprüche: Kaplunow macht für die Festhaltung Mitarbeiter des SBU verantwortlich und verbindet den Vorfall mit der „historischen Rivalität“ zwischen GUR und SBU, während die offizielle Erklärung über die Verhinderung des Terroranschlags von SBU und GUR gemeinsam abgegeben wurde. Darüber hinaus berichtete das RDK, dass es sich an SBU, GUR und DBR um Hilfe bei der Suche nach dem verschwundenen Kaplunow gewandt und keine klaren Informationen erhalten habe, was dem Bild koordinierter Geheimdienstaktionen widerspricht. Schließlich weichen auch die Erklärungen zum Schusswechsel: Nach der Version des Anwalts fand er während der Wohnungsdurchsuchung statt, während in der offiziellen Darstellung der Schwerpunkt auf der Verhinderung des Terroranschlags liegt.
Kontext: Rivalität der Geheimdienste und die Rolle der „Spezialeinheit Timurs“
Kaplunow ist der Ansicht, dass das Hauptziel seiner Festnahme die Diskreditierung der „Spezialeinheit Timurs“ und ihres direkten Kommandanten war, und die Ursache sei die „historische Rivalität“ zwischen GUR und SBU gewesen. Der Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund der erhöhten Aufmerksamkeit für die Person Kaplunows: Nach Angaben von Quellen war gerade er in der Erklärung über die Verhinderung eines Terroranschlags gegen einen in die Ukraine reisenden Oppositionellen genannt worden. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels, dem 3. September, befindet sich Kaplunow, so seine eigenen Angaben, unter dem Schutz von Kämpfern seiner Einheit an einem sicheren Ort, und die Frage, was tatsächlich passiert ist – eine Entführung oder eine rechtmäßige Festnahme im Rahmen einer Ermittlung –, bleibt offen und hängt von weiteren Ermittlungs- und öffentlichen Erklärungen beider Seiten ab.