Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte Personalentscheidungen in zwei wichtigen Sicherheitsbehörden an – dem Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) und dem Hauptnachrichtendienst des Verteidigungsministeriums (HUR). Seinen Worten zufolge werden im Zuge der Ermittlungen zu den vielbeachteten Vorfällen, die mit diesen Strukturen in Verbindung stehen, die Stellvertreter der Leiter entlassen, die „für diese Situation Verantwortung tragen müssen“. Die Erklärung veröffentlichte der Staatschef in seinem Telegram-Kanal, wie ukrainische und russische Medien berichten.
Hintergrund: Schusswechsel zwischen Sicherheitskräften in Kiew
Anlass für die Personalentscheidungen war der Vorfall vom 2. September, als in den sozialen Medien Informationen über Schüsse in Kiew mit Beteiligung von Sicherheitskräften verbreitet wurden. Am Tatort trafen umgehend Mitarbeiter von Geheimdiensten ein, um die Umstände aufzuklären. Anschließend teilten die Strafverfolgungsbehörden mit, dass einem Soldaten des HUR und einem Mitarbeiter des SBU Vorwürfe gemacht wurden, die laut Ermittlungsstand an diesem vielbeachteten Vorfall beteiligt gewesen sein könnten.
Verlauf der Ermittlungen und erhobene Vorwürfe
Selenskyj bemerkte, dass bereits ein Gespräch mit dem Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko über die Situation rund um das SBU und das HUR des Verteidigungsministeriums geführt wurde. Seinen Worten zufolge wurden bereits zwei Vorwürfe bekanntgegeben, und die Strafverfolgungsbehörden prüfen alle Umstände der Ereignisse „von Anfang an“. Darüber hinaus werden im Rahmen der Ermittlungen die Umstände des Verschwindens von Kaplunow geprüft, was auf eine Reihe zusammenhängender Episoden hinweist, die die Ermittlungsbehörden in einem gemeinsamen Kontext betrachten.
Personalrechtliche Konsequenzen und die Haltung des Präsidenten
„Es gibt bereits Personalentscheidungen für beide Strukturen. Entlassen werden die Stellvertreter der Leiter, die für diese Situation Verantwortung tragen müssen. Es ist völlig gerechtfertigt, dass beide Strukturen Verantwortung tragen“, betonte Selenskyj. Er fügte hinzu, dass im Ergebnis der internen Ermittlungen den „Handlungen der Leiter beider Behörden“ eine „angemessene Bewertung“ zukommen werde, und beide Behörden hätten auf eine unzulässige Weise gehandelt. Der Präsident betonte auch die Bedeutung der Aufklärung der Wahrheit, um ähnliche Situationen in der Zukunft zu vermeiden.
Widersprüchliche Angaben
Die ursprüngliche Version des Vorfalls, die am 2. September in den sozialen Medien verbreitet wurde, enthielt eine allgemeine Beschreibung eines „Schusswechsels mit Beteiligung von Sicherheitskräften“ ohne nähere Angaben zu Rollen und konkreten Personen. Die spätere offizielle Version der Strafverfolgungsbehörden beschränkte den Kreis der Beteiligten auf einen bestimmten Soldaten des HUR und einen Mitarbeiter des SBU, denen Vorwürfe gemacht wurden. Damit hat sich das öffentliche Bild des Ereignisses von informellen Meldungen in den sozialen Medien zu einer formalisierten Ermittlungsposition entwickelt. Gleichzeitig wurde eine separate Episode in die Ermittlungen aufgenommen – das Verschwinden von Kaplunow, das zum Zeitpunkt der Aussagen des Präsidenten ein zu prüfender Umstand und kein endgültig festgestellter Fakt bleibt. Diese Unterschiede im Detaillierungsgrad und im Status einzelner Episoden sind bei der Interpretation der Ergebnisse der Personalentscheidungen zu berücksichtigen.
Die Aussagen Selenskyjs senden das Signal, dass die Führung des Landes den Schusswechsel zwischen Sicherheitskräften und die damit verbundenen Episoden mit der persönlichen Verantwortung der mittleren Führungsebene im SBU und HUR in Verbindung setzen möchte. Das endgültige Ausmaß der Entlassungen und die rechtlichen Konsequenzen für konkrete Personen werden im Zuge des Abschlusses der internen Ermittlungen und der Ermittlungsmaßnahmen bekannt werden.