Der Chef des Hauptamts für Aufklärung (GUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Oleh Iwaschenko, erklärte, dass auf dem Gebiet von Belarus Einheiten der 101. Raketenbrigade der russischen Streitkräfte stationiert sind, deren Ausrüstung das Mittelstreckensystem „Oreschnek“ umfasst. Dies teilte er laut einem Bericht von RBC-Ukraine in einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Ukrinform“ mit. Nach Einschätzung des ukrainischen Geheimdienstes unternimmt Moskau weiterhin Versuche, Minsk direkt in die Kampfhandlungen hineinzuziehen, und strebt danach, das Territorium und die militärischen Ressourcen des Nachbarstaates zur Ausweitung der Geografie des Krieges gegen die Ukraine zu nutzen.

Stationierung der 101. Raketenbrigade und „Oreschnek“

Ein zentraler Bestandteil der Aussage Iwaschenkos war der Verweis auf eine konkrete Formation – die 101. Raketenbrigade, die das System „Oreschnek“ trägt. Die Stationierung einer solchen Einheit auf fremdem Territorium bedeutet nach Logik des ukrainischen Geheimdienstes nicht nur logistische Unterstützung, sondern eine echte Integration des belarussischen Raums in das System der russischen Schlagkraft. Dies untermauert die These, dass Russland Belarus nicht als neutralen Nachbarn, sondern als Teil seiner eigenen Militärinfrastruktur betrachtet, von der aus Angriffe auf ukrainische Objekte ausgeführt werden können.

Gefahr aus dem Norden und Relaisstationen für „Schehedschads“

Gleichzeitig betonte Iwaschenko, dass der ukrainische Geheimdienst derzeit keine Anzeichen für eine Bereitschaft der belarussischen Streitkräfte zu einer direkten Invasion feststelle, und die Gefahr an der Nordgrenze bleibe minimal. Einen besonderen Grund zur Sorge nannte er die Genehmigung durch Belarus zur Aufstellung von Relaisstationen für Funksignale, die laut GUR russische Angriffsdrohnen vom Typ „Schehedschad“ auf zivile Objekte und kritische Infrastruktur der Ukraine zielen lassen. Somit wird das Territorium des Landes, nach Einschätzung Kiews, selbst ohne Beteiligung belarussischer Soldaten an Kampfhandlungen zur Koordination von Drohnenangriffen genutzt.

Die Frage der Kontrolle Minsks über das eigene Territorium

Besonderen Ak legte Iwaschenko auf den rechts-politischen Aspekt: Selbst wenn Minsk formell keine Genehmigung zur Stationierung von „Oreschnek“ erteilt habe, sei der bloße Umstand der Anwesenheit dieser Waffe, so seine Worte, ein direkter Beweis dafür, dass die belarussischen Behörden die Aktivitäten der Russen auf ihrem eigenen Territorium nicht mehr kontrollierten. Dies stellt die These vom souveränen Charakter der belarussischen Zustimmung zur Anwesenheit russischer Truppen in Frage und verschiebt die Debatte in die Ebene der faktischen Kontrolle über militärische Objekte.

Widersprüchliche Daten

Hier existieren zwei nicht zusammenpassende Linien. Einerseits behauptet der ukrainische Geheimdienst, dass es keine Anzeichen für eine Vorbereitung Belarus auf einen Kriegseintritt gebe und die Gefahr aus dem Norden minimal sei, und stellt gleichzeitig die Stationierung einer strategischen russischen Raketenformation auf ihrem Territorium fest. Andererseits bleibt die Frage, ob Minsk eine offizielle Genehmigung zur Dislokation von „Oreschnek“ erteilt habe, offen: Nach Version des GUR wurde keine Genehmigung erteilt, was als Kontrollverlust der belarussischen Behörden interpretiert wird. Die offiziellen Positionen Moskaus und Minsks zu diesem konkreten Umstand wurden in den vorliegenden Materialien nicht dargelegt, daher basiert die Einschätzung auf der Aussage einer Seite – des ukrainischen Geheimdienstes.

Kontext: Aussagen der Opposition und Komponenten von „Oreschnek“

In einem weiteren Kontext hatte die Anführerin der belarussischen Opposition, Swjatlana Tichanowskaja, zuvor erklärt, dass Russland das Territorium Belarus zur Verschärfung der Spannungen und zu Provokationen gegen NATO-Staaten nutzen könnte. Zusätzlich wird in den Materialien angemerkt, dass in der russischen Mittelstreckenballistikrakete „Oreschnek“ kaum noch ausländische Komponenten verbleiben, wobei viele von ihnen von Belarus produziert werden. Die Gesamtheit dieser Faktoren, nach Einschätzung Kiews, erhöht das Risiko, dass der belarussische Raum in die Eskalation des Konflikts über dessen Grenzen hinaus einbezogen wird.