Die Staatliche Grenzschutzdienst der Ukraine (GSD) hat die Einführung eines Sondergrenzregimes in einem Kilometer breiten Zone entlang der Staatsgrenze zur Russischen Föderation und zur Republik Belarus bekanntgegeben. Dies berichtete RBC-Ukraine unter Verweis auf eine offizielle Erläuterung der Grenzschutzbehörde. Laut Vertretern des GSD soll die Entscheidung die Verteidigungsfähigkeit des Staates angesichts der anhaltenden russischen Aggression stärken und rechtliche Lücken schließen, die zuvor eine unbegrenzte Anwesenheit von Bürgern und die Ausübung wirtschaftlicher Tätigkeiten unmittelbar an der Grenzlinie ermöglichten.
Was genau in der Kilometerzone verboten ist
Laut der Erläuterung des GSD ist innerhalb der festgelegten Kilometerzone entlang der Staatsgrenze das freie Einreisen, Verweilen, Wohnen und Bewegen von Personen untersagt. Zudem sind in diesem Gebiet jegliche Arbeiten, die nicht unmittelbar der Abwehr einer bewaffneten Aggression gegen die Ukraine, der Verteidigung des Staates oder dem Schutz der Staatsgrenze dienen, nicht zulässig. Die Grenzschützer betonen, dass die Beschränkungen auf alle Grundstücke innerhalb der Kilometerzone gelten, unabhängig von ihrer Eigentumsform oder ihrem Verwendungszweck.
Begründung: Bedrohungen aus Belarus und Russland
Der GSD begründete die Notwendigkeit der Einführung des Regimes mit konkreten Bedrohungen. Die Behörde wies auf das Risiko hin, dass das Territorium Belarus zur Destabilisierung der Lage in den grenznahen Gebieten der Ukraine, zur Durchführung von spionagedestruktiver Tätigkeit und zur Schaffung direkter Bedrohungen für die nationalen Interessen des Staates genutzt werden könnte. Der Kontext dieser Aussagen wird durch eine Reihe von Vorfällen untermauert: Allein im August 2026 registrierte die litauische Grenzschutzbehörde den dritten Versuch innerhalb eines Monats, einen Tunnel von Belarus nach Litauen zu graben, und seit Jahresanfang hat sich die Gesamtzahl solcher Versuche auf 12 belaufen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hatte zuvor Alexander Lukaschenko vorgeworfen, er nutze die Grenze gezielt als Druckmittel gegen die Europäische Union, unter anderem durch die Organisation illegaler Migration.
Übergangscharakter der Beschränkungen
Die Grenzschutzbehörde betonte ausdrücklich, dass das neue Sonderregime nicht dauerhaft ist. Die festgelegten Beschränkungen haben einen vorübergehenden Charakter und gelten ausschließlich während der Geltung des Rechtsregimes des Kriegsrechts auf dem Gebiet der Ukraine. Das bedeutet, dass bei Aufhebung des Kriegsrechts alle Beschränkungen in der Kilometerzone automatisch außer Kraft treten und das Regime des freien Verweilens der Bürger und der Ausübung wirtschaftlicher Tätigkeiten in der bisherigen Form wiederhergestellt wird.
Weiterer Kontext: Ingenieurtechnische Maßnahmen am Ostflügel der EU
Die Einführung des Grenzregimes in der Ukraine erfolgt vor dem Hintergrund verstärkter ingenieurtechnischer Sicherheitsmaßnahmen am Ostflügel der Europäischen Union. So hat die litauische Regierung ihren Ansatz zum Schutz der Grenze zu Belarus und zur russischen Region Kaliningrad geändert: Das Kabinett des Landes beschloss, eine neue Sicherheitszone mit Hilfe natürlicher und künstlicher Wasserhindernisse zu schaffen – im Wesentlichen die Anlage einer sumpfigen Zone, die sowohl das Fuß- als auch das mechanisierte Überschreiten der Grenze erschwert. Diese Maßnahmen ergänzen die zuvor errichteten Absperrungen und spiegeln den allgemeinen Trend zur mehrstufigen Schutz des Grenzraums in der Region wider.