Das Höchste Antikorruptionsgericht (HAK) hat am 8. September 2026 die Untersuchungshaft als Maßregel der Zwangsgewährung für den Anwalt Alexander Diditsch angeordnet, der im vielbeachteten Fall „Karthago' beschuldigt wird. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die Live-Übertragung der Verhandlung. Das Gericht gab dem Antrag des Ermittlers des Nationalen Antikorruptionsbüros (NAB) teilweise statt und verhängte gegen Diditsch die Haft. Die Entscheidung ist die nächste Etappe in der groß angelegten Sonderoperation zur Enttarnung einer kriminellen Gruppe, die im Umfeld des Büros des Generalstaatsanwalts agierte.

Verbindung zum „Kanzler': nicht nur Vollmacht, sondern auch Verwandtschaft

Die Ermittlungen ergaben, dass Alexander Diditsch bevollmächtigter Vertreter von Serhij Kropywa war, der in der kriminellen Szene unter dem Spitznamen „Kanzler' bekannt ist und die Position des Direktors der Abteilung für internationale Zusammenarbeit im Büro des Generalstaatsanwalts innehatte. Die Verbindung zwischen den Beteiligten war jedoch enger als eine bloße formale Vollmachtsbeziehung: Diditschs Ehefrau ist Kropwyws Schwester. Damit war der verhaftete Anwalt zugleich bevollmächtigter Vertreter und Verwandter des Hauptbeschuldigten im Fall „Karthago', was ihm nach Ansicht der Ermittler eine Schlüsselrolle bei der Verschleierung des Vermögens des „Kanzlers' ermöglichte.

Schleierungsstruktur des Vermögens: Umschreibung über den Chauffeur

Laut Ermittlungen hat Diditsch die Zugehörigkeit des Vermögens von Serhij Kropywa verschleiert, indem er es von nahen Verwandten des „Kanzlers' auf nahe Personen des sogenannten „Kameraden' Kutseho – des Chauffeurs Kropwyws – umschrieb. Diese Struktur ermöglichte es nach Darstellung von NAB und SAS, die Vermögenswerte formal vom Hauptbeschuldigten zu entkoppeln und den Schein einer unabhängigen Verfügung durch Dritte zu erzeugen. Genau diese Kette der Umschreibungen sei, so vermuten die Ermittler, einer der Schlüsselbeweise für Diditschs Beteiligung an der kriminellen Tätigkeit der Gruppe.

Kontext der Operation „Karthago': von Callcentern bis zur Geldwäsche

Der Fall „Karthago' ist eine groß angelegte Sonderoperation des NAB und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAS) zur Enttarnung einer kriminellen Gruppe, die in der Struktur des Büros des Generalstaatsanwalts agierte. Laut Ermittlungen sicherte die Organisation den „Schutz' eines Netzwerks betrügerischer Callcenter und betätigte sich bei der Legalisierung von auf kriminellem Wege erlangtem Vermögen. Als Hauptbeschuldigter der Operation gilt Serhij Kropywa, der „Kanzler'. Am 6. September 2026 verhängte das HAK gegen ihn Untersuchungshaft mit der Möglichkeit der Kaution in Höhe von 120 Millionen Hrywnja. Zuvor hatte das Gericht auch gegen Lysaweta Iwachenko, bekannt unter dem Spitznamen „Muse', eine Zwangsmassnahme angeordnet – auch sie wurde in Untersuchungshaft mit Kaution in Höhe von 20 Millionen Hrywnja versetzt. Die Verhaftung Diditschs war der nächste logische Schritt bei der Enttarnung des Netzwerks.

Widersprüchliche Angaben

Zu beachten ist, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung alle Angaben zur Verhaftung Diditschs aus einem einzigen Kanal stammen – der Übertragung der HAK-Verhandlung, auf die sich RBC-Ukraine beruft. Ein offizielles Statement des Anwalts selbst oder seiner Verteidigung wurde zum Zeitpunkt der Erstellung des Materials in öffentlichen Quellen nicht veröffentlicht. Darüber hinaus bleibt die Formulierung der Ermittler zur Umschreibung des Vermögens „von nahen auf nahe andere Personen' recht vage und gibt keinen vollständigen Überblick über die beteiligten Personen und konkreten Vermögensobjekte. Bis zur rechtskräftigen Verurteilung behalten alle Beschuldigten, einschließlich Diditsch, den Status eines Beschuldigten und den Grundsatz der Unschuldsvermutung.