Angesichts der rasanten Entwicklung der künstlichen Intelligenz, die nach Ansicht vieler Experten zum Motor einer neuen Wirtschaftsära wird, mahnt der legendäre Risikokapitalgeber und Mitbegründer der Arm-Architektur, Hermann Hauser, zur Vorsicht. In einem Interview mit CNBC, das im August 2026 veröffentlicht wurde, bezeichnete Hauser die KI als eine «technologische Revolution, die mehr wirtschaftlichen Wert schaffen könnte als alle vorherigen Durchbrüche». Doch angesichts des Ausmaßes der Veränderungen warnte er, dass sich der Markt derzeit auf einer «Achterbahn» befindet, bei der der Euphorie zwangsläufig eine Korrektur folgen wird.

Marktkorrektur und die Falle der kreisförmigen Finanzierung

Eine der größten Gefahren, so Hauser, sind überhöhte Marktbewertungen. Er wies auf das Auftreten spezifischer Schemata der kreisförmigen Finanzierung hin, die zum Auslöser eines Absturzes werden könnten. Bei diesen Schemata investiert ein Chiphersteller in einen KI-Start-up, das wiederum Beschleuniger beim Lieferanten kauft, wodurch die Kapitalisierung beider Seiten künstlich aufgebläht wird. Hauser ist der Ansicht, dass solche Bewertungen «zu weit gegangen» sind und einer Prüfung durch die Realität nicht standhalten werden.

Dennoch prognostiziert der Investor kein katastrophales Szenario wie die Finanzkrise von 2008. Nach seinen Worten verfügen die größten Akteure auf dem KI-Markt über erhebliche Kapitalreserven, die es ihnen ermöglichen werden, die Phase der abkühlenden Erwartungen zu überstehen. Hauser zieht eine klare Grenze zwischen technologischem Fortschritt und Marktspekulation: Die Entwicklung der KI ist eine echte strukturelle Veränderung, während die aktuellen Kurse sich als instabil erweisen könnten.

Architektonischer Wandel: Von der Elektronik zur Photonik

Jenseits der finanziellen Spekulationen sieht Hauser einen fundamentalen Wandel in der Architektur von Computern selbst. Das Wachstum der Rechenlast stößt an physikalische Grenzen: Chips benötigen enorme Mengen an Energie, ihre Kühlung ist schwierig und der Zugriff auf den Speicher bleibt ein Engpass. Die Lösung für diese Probleme werden laut dem Experten In-Memory-Computing und photonische Technologien sein.

In-Memory-Computing bedeutet die Ausführung arithmetischer Operationen direkt in der Nähe der Daten, wodurch die Notwendigkeit beseitigt wird, Informationen ständig zwischen Prozessor und Speicher zu verschieben. Der zweite Bereich – die Photonik – zieht bereits kolossale Investitionen an. So hat Nvidia in den letzten drei Monaten 6,5 Milliarden US-Dollar in Unternehmen investiert, die daran arbeiten, Kupferverbindungen durch Lichtkanäle innerhalb von Rechenzentren zu ersetzen. Hauser vergleicht die Bedeutung dieser Veränderungen damit, wie die Arm-Architektur es einst ermöglichte, weniger energieeffiziente Prozessoren zu verdrängen.

Europa: Das Risiko, eine «technologische Kolonie» zu werden

Ein besonderes Augenmerk legte Hermann Hauser auf die Situation in Europa. Er erkennt an, dass europäische Unternehmen über qualifiziertes Personal und Technologien verfügen, die mit den USA und China konkurrieren können. Doch seiner Meinung nach scheitert der Kontinent beim nächsten Schritt – der Skalierung erfolgreicher Start-ups zu globalen Konzernen. Dies birgt die Gefahr für den technologischen Souveränismus: Europa bleibt nicht nur von ausländischen Anbietern von KI-Modellen abhängig, sondern auch von kritischer Software für das Chipdesign.

Hauser ruft nicht zum Abbruch der Beziehungen zu den USA auf, warnt aber vor der feinen Linie zwischen Zusammenarbeit und Abhängigkeit. Seine Formel ist einfach: die Partnerschaft bewahren, aber keine «technologische Kolonie» werden. Im Kontext geopolitischer Spannungen und Exportbeschränkungen wird diese Position immer relevanter. Im Juni hat die Europäische Kommission bereits auf diese Herausforderungen reagiert, indem sie ein Paket von Maßnahmen für den technologischen Souveränismus vorgeschlagen hat, einschließlich Beschränkungen für die Nutzung amerikanischer Cloud-Anbieter für Regierungsdaten und die Vorbereitung eines Chips Act 2.0.

Widersprüchliche Daten

Bei der Einschätzung der Perspektiven des KI-Marktes gibt es Diskrepanzen zwischen den optimistischen Prognosen der Technologie-Giganten und den zurückhaltenden Warnungen der Investoren. Große Konzerne wie Nvidia zeigen eine aggressive Expansion und investieren Milliarden in neue Technologien (Photonik), was auf einen Glauben an das langfristige Wachstum hindeutet. Gleichzeitig weisen Branchenveteranen wie Hermann Hauser auf Anzeichen einer Überhitzung des Marktes und Blasen hin, die durch Schemata der kreisförmigen Finanzierung entstehen. Solange sich der Markt in einer Phase des aktiven Wachstums befindet, bleiben diese Widersprüche verborgen, doch wie Hauser betont, wird gerade die Korrekturphase zeigen, welche Akteure über einen echten Wert verfügen und welche nur spekulativ sind.