Humanitäre Bedrohung aus alten Arsenalen
Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die US-Regierung aufgefordert, eine mögliche Lieferung neuer Waffen von der Türkei an die Ukraine zu blockieren. Im Fokus stehen zehntausende Streumunitionsraketen, Raketengeschosse und Artilleriegranaten, die seit Jahrzehnten in Ankara gelagert werden. Die Menschenrechtsorganisation betont, dass es sich um Munition handelt, die mehr als 10 Millionen explosive Untergranaten enthält, deren Einsatz enorme Risiken für die Zivilbevölkerung birgt.
Dem Bericht von HRW zufolge wurden diese Munitionstypen ursprünglich teilweise von der Türkei unter US-Lizenzen hergestellt. Ein entscheidender Faktor, der Besorgnis auslöst, ist jedoch ihr Alter und ihr technischer Zustand. Die Artilleriegranaten, die den Kern des vorgeschlagenen Abkommens bilden, wurden bereits 1994 aus dem US-Bestandsbestand genommen, als auch die entsprechenden Haubitzen in Reserve gingen. Dies bedeutet, dass es sich um veraltete Systeme handelt, deren Zuverlässigkeit und Genauigkeit in Frage gestellt werden.
Position der Menschenrechtsorganisationen: Risiko für Zivilisten
Nicole Widdershaim, stellvertretende Direktorin von Human Rights Watch in Washington, wies direkt auf die humanitären Folgen eines möglichen Deals hin. Ihrer Meinung nach stellt das Eindringen veralteter Streumunition in aktive Kampfzonen eine Bedrohung dar, deren Folgen tragisch sein können. Die Ungenauigkeit und Unzuverlässigkeit von Munition, die älter als 30 Jahre ist, ist einer der Hauptgründe, warum 112 Länder die Konvention über Streumunition unterzeichnet und ihren Einsatz verboten haben.
Menschenrechtsverteidiger argumentieren, dass der Einsatz solcher Granaten auf dem ukrainischen Territorium zu langfristigen Opfern unter der Zivilbevölkerung führen könnte, da nicht explodierte Untergranaten viele Jahre nach Ende der Kampfhandlungen eine tödliche Bedrohung darstellen.
Argumente des US-Außenministeriums: Modernisierung und Verteidigung
Gleichzeitig zeigen die US-Behörden eine andere Position. Ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums erklärte den Medien, dass Washington bereit sei, die Entscheidung Ankaras zu unterstützen. Laut der offiziellen Version plant die Türkei, ihre Bestände an veralteten Waffen zu reduzieren, um finanzielle Ressourcen für die Modernisierung und Unterstützung moderner Systeme freizumachen.
Das Außenministerium stellte fest, dass die Ukraine bestrebt ist, diese Systeme zu erwerben, um ihre Fähigkeiten zur Feuerunterstützung in offensiven und defensiven Operationen angesichts der fortgesetzten russischen Invasion zu stärken. Vertreter des Ministeriums betonten auch, dass die ukrainische Armee bereits Munition desselben oder praktisch ähnlicher Typen besitzt, was ihrer Meinung nach die Risiken im Zusammenhang mit der Einführung neuer Modelle verringert.
Geopolitischer Kontext und nukleare Risiken
Diese Debatte findet vor dem Hintergrund einer komplexen geopolitischen Situation statt. Kürzlich hat die Türkei die Ukraine und Russland aufgefordert, ein Moratorium für Angriffe im Schwarzen Meer auszurufen, um die Spannungen in der Region zu verringern. Darüber hinaus wurden im türkischen Außenministerium beunruhigende Andeutungen darüber geäußert, dass Russland nukleare Waffen einsetzen könnte, wenn sich der Konflikt weiter eskaliert. Dies verleiht der Frage, welche Arten von Waffen an die Front geliefert werden sollen und wie ihr Einsatz die Eskalation des Konflikts beeinflussen könnte, zusätzliches Gewicht.