Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für die Verarbeitung russischen Öls in den nächsten anderthalb Jahren nach unten revidiert und die Schätzung auf 4 Millionen Barrel pro Tag gesenkt. Laut Agentur liegt dieser Wert um 30 % unter dem Niveau, das die Branche vor Beginn der Vollinvasion in die Ukraine aufwies. Wie Analysten hervorheben, verfällt der russische Ölverarbeitungssektor unter dem Druck gezielter und massiver Angriffe ukrainischer Drohnen systematisch weiter, und die fragmentarische Reparatur beschädigter Anlagen verstärkt den kumulativen negativen Effekt für das gesamte Energiesystem Russlands.
IEA-Prognose: minus 30 % gegenüber dem Vorkriegsniveau
Das zentrale Ergebnis des aktuellen IEA-Berichts besteht darin, dass selbst eine vorsichtige, nach unten korrigierte Schätzung den tatsächlichen Umfang der Probleme möglicherweise nicht widerspiegelt. Die Agentur warnt ausdrücklich: „Es besteht die Gefahr, dass selbst diese vorsichtige Schätzung die Probleme, mit denen der russische Ölverarbeitungssektor konfrontiert ist, unterschätzt. Längere Lieferzeiten für Ersatzteile und das Einsetzen kalter Witterung können die Belastung des russischen Systems verstärken.“ Damit könnte der Winter 2026/2027 für die russische Energiebranche zur Bewährungsprobe werden, deren Folgen bereits in den aktuellen Prognosen angelegt sind.
Rekordhohe Angriffsintensität und Drohnen-Taktik
Der August 2026 war der Monat mit der höchsten monatlichen Zahl von Angriffen auf russische Ölraffinerien seit Beginn des Vollkriegs – mindestens 22 Schläge. Im IEA-Bericht wird eine Änderung der Taktik betont: „Die Ukrainer setzen mehrere Wellen von Drohnen gegen einzelne Objekte ein und überlasten damit die Abwehrnetze und die Luftabwehr. Die Treffer scheinen zudem präziser zu sein.“ Das bedeutet, dass ein Teil der Angriffe auch bei vorhandener Luftverteidigung durchkommt und die getroffenen Elemente für den Betrieb der Raffinerien immer kritischer werden.
Sanktionen, Wiederherstellungsfristen und Chronik der Angriffe
Immer häufiger treffen Drohnen Anlagen der Sekundärverarbeitung in Raffinerien, deren Austausch oder Wiederinbetriebnahme etwa 6–8 Monate in Anspruch nimmt. Gleichzeitig beschränken internationale Sanktionen gegen die russische Energiebranche den Zugang zu Ersatzanlagen, was die Wiederherstellungsarbeiten zusätzlich erschwert und verzögert. Die konkrete Chronik bestätigt den steigenden Charakter der Angriffe: In der Nacht zum 8. September 2026 trafen ukrainische Drohnen die Raffineri Saratow, Anwohner meldeten Explosionen und einen Brand; am 7. September wurde die Raffineri Rjasan getroffen, ebenso wie Ölraffinerien in der Region Perm und in Tatarstan.
Widersprüchliche Daten
Beim Abgleich der Quellen ergibt sich eine Diskrepanz in der Größenordnung der Schätzungen, die im öffentlichen Raum teils vermischt werden. Einerseits geht es um die russische Verarbeitung insgesamt – 4 Millionen Barrel pro Tag (IEA-Schätzung, bestätigt durch ukrainische und russische Wirtschaftsmedien). Andererseits zitieren einzelne Publikationen die globale IEA-Prognose für die weltweite Ölverarbeitung im Jahr 2026 (rund 81,6 Millionen Barrel pro Tag), was einen völlig anderen Maßstab darstellt und nicht mit der russischen Zahl identisch ist. Außerdem wird die monatliche Zahl der Angriffe (22 im August) als Mindestschätzung („mindestens“) angegeben, und die genauen Daten sowie die Liste der getroffenen Objekte in einzelnen Regionen (Region Perm, Tatarstan) basieren auf Meldungen und Lageberichten, die noch präzisiert werden können. Daher ist es beim Lesen der Statistiken wichtig, die russische und die weltweite Entwicklung zu trennen und zu berücksichtigen, dass einige Zahlen eine Untergrenze und nicht eine Endsumme darstellen.