In Kiew sind die ersten Gruppen in Kindergärten für Kleinstkinder im Alter von sechs Monaten in Betrieb gegangen. Das Pilotprojekt, dessen Start der stellvertretende Leiter der Kyiwer Stadtverwaltung (KGGA), Valentin Mondrievskyi, bekanntgab, umfasst neun Gruppen, die auf fünf Stadtteile der Hauptstadt verteilt sind. Die Initiative soll es Eltern, vor allem Müttern, ermöglichen, früher in das Erwerbsleben zurückzukehren, ohne auf das dritte Lebensjahr des Kindes warten zu müssen, in dem normalerweise der Zugang zu regulären Vorschuleinrichtungen eröffnet wird.
Demografischer Wandel und Arbeitskräftemangel
Laut Mondrievskyi passt die Stadtverwaltung das Vorschulbildungssystem an die veränderten demografischen Realitäten an. Aufgrund des Krieges nimmt die Zahl der Kinder in Kiew ab, und in einzelnen Kindergärten sind freie Plätze entstanden. Gleichzeitig übt der Kriegszustand Druck auf den Arbeitsmarkt aus: Unternehmen und Institutionen benötigen zusätzliche Arbeitskräfte. „Die Einrichtung von Gruppen für Kleinstkinder ist eine Lösung sowohl für Eltern, die so früh wie möglich aus dem Elternurlaub zurückkehren möchten, als auch für Arbeitgeber, die nach Arbeitskräften suchen“, betonte der stellvertretende Leiter der KGGА. Damit positioniert sich das Pilotprojekt als Instrument mit doppeltem Ansatz: soziale Unterstützung für Familien und Förderung der Beschäftigung.
Strengere Sicherheitsanforderungen
Die Krippengruppen werden ausschließlich in solchen Vorschuleinrichtungen eröffnet, die den erhöhten Anforderungen entsprechen. Schlüsselbedingungen sind das Vorhandensein eines funktionierenden Schutzbunkers und eine ausreichende Anzahl pädagogischen Personals. Die KGGА erläuterte ausdrücklich das Vorgehen bei Luftalarm: Jedes Kind, das noch nicht selbstständig gehen kann, wird von einer eigenen Erwachsenenperson in den Bunker getragen. Genau diese Logistik bestimmte die Anforderungen an die Personalstärke als eine der Hauptbedingungen für die Teilnahme des Kindergartens am Pilotprojekt. Ohne die Garantie einer sicheren Evakuierung jedes Säuglings durch einen eigenen Mitarbeiter wird die Einrichtung nicht für die Aufnahme von Kindern ab sechs Monaten zugelassen.
Wie man ein Kind anmeldet: das System „SEZ ZDO“ und die Aufnahme Prioritäten
In Kiew gibt es 525 Kindergärten, die von mehr als 62.000 Kindern besucht werden. Die Anmeldung in einer Vorschuleinrichtung erfolgt online über das automatisierte System „SEZ ZDO“. Bei der Aufnahme haben Kinder Vorrang, die in Kiew registriert sind und den ihrem Registriierungsanschrift zugeordneten Kindergarten gewählt haben. Die Vorschuleinrichtungen arbeiten unentgeltlich, jedoch sind die Eltern verpflichtet, die Verpflegung der Kinder zu bezahlen. Für die neuen Krippengruppen wird voraussichtlich ein ähnliches Verfahren über dieselbe elektronische Plattform gelten, obwohl der konkrete Zeitpunkt des Beginns der Antragstellung für die Pilotplätze in der Mitteilung der KGGА nicht angegeben ist.
Was das für die Eltern bedeutet
Der Start der Krippengruppen ab sechs Monaten ist der erste Fall in der Geschichte Kiews, in dem Säuglinge systematisch in staatliche Kindergärten aufgenommen werden. Für Familien, in denen beide Eltern arbeiten oder in denen die Mutter so schnell wie möglich in ihren Beruf zurückkehren möchte, beseitigt dies eines der Haupthindernisse: die Notwendigkeit, eine Betreuungsperson anzustellen oder bis zum dritten Lebensjahr des Kindes im Elternurlaub zu bleiben. Gleichzeitig bedeutet der Pilotcharakter des Projekts – neun Gruppen in fünf Stadtteilen –, dass die Abdeckung vorerst begrenzt ist und nicht jede Familie den Dienst im nächstgelegenen Kindergarten nutzen kann. Es wird erwartet, dass die Ergebnisse des Pilotprojekts die Grundlage für die Entscheidung über die Erweiterung des Netzwerks von Krippengruppen in der gesamten Hauptstadt bilden werden.