Der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Irans, Mohsen Rezaei, hat in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehsender IRIB eine direkte Warnung an die Nachbarstaaten der Region ausgesprochen. Nach seinen Worten betrachtet Teheran jeden Schritt zum Beitritt zur amerikanischen Wirtschaftskampagne gegen den Iran als feindlichen Akt. „Wir sagen allen Nachbarländern, sie sollen sich nicht der Wirtschaftskriegsführung der USA anschließen. Andernfalls werden wir sie als Feinde betrachten“, erklärte Rezaei und betonte, dass der Iran seine Wirtschaft mit allen verfügbaren Mitteln schützen wolle.
Dreistufige Regionalstrategie Teherans
Rezaei legte die Struktur der Regionalstrategie des Irans offen, die nach seinen Angaben drei aufeinanderfolgende Phasen vorsieht. In der ersten Phase beabsichtigt Teheran, die Spannungen in den Beziehungen zu den Nachbarstaaten abzubauen und Verhandlungen zu führen. Die zweite Phase umfasst den Versuch, die Nachbarstaaten „auf freundliche Weise“ vom amerikanischen Einfluss zu lösen, da der Iran, wie der Vertreter der iranischen Behörden betonte, „tatsächlich nicht bestrebt sei, den Krieg zu erweitern“. Staaten, die Washington weiterhin unterstützen, werde Zeit gegeben, ihre Entscheidung zu überdenken. In der dritten Phase werde man jedoch, so Rezaei, „unbedingt handeln“ – ohne den Charakter der möglichen Maßnahmen zu konkretisieren.
Drohungen gegen Öltransportrouten
Separat erklärte Rezaei, dass der Iran bereit sei, alternative Transportrouten für Öl aus der Persischen Bucht anzugreifen, falls Staaten der Region den amerikanischen Plänen eines wirtschaftlichen Drucks auf Teheran beitreten. Damit richten sich die Drohungen nicht nur gegen die politische Unterstützung der USA, sondern auch gegen eine mögliche Beteiligung der Nachbarstaaten an der Sicherung alternativer Öllieferwege. Diese Erklärung ist nach Einschätzung von Analysten vor allem an die Golfstaaten gerichtet, deren Wirtschaft kritisch vom Ölexport durch die Straße von Hormus und die Küstenterminals abhängt.
Kontext: Trumps „verheerendste Wirtschaftsoffensive“
Die Aussage Rezaeis erfolgte vor dem Hintergrund einer deutlichen Eskalation der Rhetorik in Washington. Erst kürzlich erklärte Donald Trump den Beginn der „verheerendsten Wirtschaftsoffensive“ gegen den Iran in der Geschichte und warnte, dass jedes Land, dessen Finanzinstitute oder Unternehmen Teheran helfen würden, dem Sanktionsdruck zu entgehen, ebenfalls mit harten wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen müsse. Zudem äußerte Trump die Absicht, die Straße von Hormus zum US-Territorium zu erklären – eine Aussage, die im Iran als unmöglich abgetan wurde, da man die Kontrolle über eine strategische Wasserstraße nicht „über einen Social-Media-Post“ errichten könne.
Widersprüchliche Angaben
In öffentlichen Quellen bestehen Abweichungen bei der Einschätzung des Umfangs möglicher iranischer Gegenmaßnahmen. Einerseits betont Rezaei im IRIB-Interview, dass der Iran „nicht bestrebt sei, den Krieg zu erweitern“, und dem diplomatischen Kanal den Vorzug gebe. Andererseits berichteten mehrere Medien, Teheran habe die Möglichkeit erwogen, die Liste potenzieller Ziele über den Nahen Osten hinaus zu erweitern, was der Rhetorik der Zurückhaltung direkt widerspricht. Zudem bleibt die Formulierung „in der dritten Phase werden wir unbedingt handeln“ bewusst unbestimmt: Weder in der Erklärung Rezaeis noch in den Kommentaren anderer iranischer Amtsträger wird offengelegt, welche Instrumente – militärische, wirtschaftliche oder hybride – eingesetzt werden sollen. Dies lässt Raum für verschiedene Interpretationen seitens der Regionalakteure und ihrer Verbündeten.
Militärischer Kontext und Machtdemonstration
Parallel zum diplomatischen Druck demonstriert der Iran weiterhin öffentlich seine militärischen Fähigkeiten. Auf jüngsten Paraden und Schauveranstaltungen in Teheran wurden ballistische Raketen und Langstreckensysteme ausgestellt, was als zusätzliches Signal an die Nachbarstaaten dient. Das Bildmaterial solcher Veranstaltungen – einschließlich Raketen auf selbstfahrenden Plattformen mit nationalen Symbolen und Inschriften in Persisch – vermittelt eine Botschaft der Bereitschaft Teherans zu einem gewaltsamen Szenario, selbst wenn Amtsträger öffentlich auf den Vorrang der Verhandlungen bestehen.