Am 12. September in der iranischen Stadt Chorraabad im Westen des Landes, so die Nachrichtenagentur Tasnim, hielt der Kommandeur der Luftwaffe des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), General Madschid Mousawi, auf einer öffentlichen Veranstaltung eine Rede und machte eine Reihe von Aussagen zum iranischen Drohnenprogramm. Im Zentrum seiner Rede stand die These, dass die USA und andere Staaten gezwungen seien, iranische Entwicklungen im Bereich der Drohnen zu übernehmen. Im Hintergrund des Auftritts, so zeigten es Aufnahmen von der Veranstaltung, wurden Muster unbemannter Luftfahrzeuge präsentiert, darunter ein großes Aufklärungs- und Schlagsystem sowie Konstruktionsbauteile der Klasse „Shahed“.

Erklärung des Luftwaffenkommandeurs der IRGC

General Mousawi nannte mehrere Typen iranischer Drohnen und wies darauf hin, dass einige von ihnen für Kampfaufgaben bestimmt seien, andere für Beobachtung und Aufklärung. Er betonte, dass diese Produkte das Ergebnis von „Ideen, Innovationen und operationellem Erfahrungswissen“ junger Fachkräfte seien, die in der Branche tätig gewesen seien, und erklärte, der Drohnenpark sei zu einem der Schlüsselinstrumente der Landesverteidigung geworden. Besonders erwähnte der Kommandeur die Operation „True Promise 1“, die, so seine Worte, durch einen beispiellosen Einsatz iranisch hergestellter Drohnen gekennzeichnet sei, die in der Hand der Luftwaffe der IRGC lagen.

Vom „Shahed“ zum LUCAS: die behauptete Kopierkette

Zu den Bemühungen der USA, iranische Drohnen nachzuahmen, erklärte Mousawi, Washington sei gezwungen gewesen, ein dem „Shahed-136“ ähnliches Gerät unter dem Codenamen LUCAS (Low-Cost Unmanned Combat Attack System) zu entwickeln und in den militärischen Arsenal aufzunehmen. Laut der Nachrichtenagentur Mehr News erklärte das Verteidigungsministerium Südkoreas nach dem Start von LUCAS, selbst einen Langstrecken-Kamikazedrohnen auf Basis des LUCAS-Prototyps zu entwickeln. So entstehe, nach Darstellung der iranischen Seite, eine Kette: iranische Technologie → US-amerikanischer LUCAS → südkoreanisches Äquivalent. Zur Stützung dieser Linie wird im Text ein Verweis auf eine Publikation der US-Zeitschrift National Interest gemacht, die etwa vier Monate zuvor erschienen war und in der die bemerkenswerte Ähnlichkeit zwischen LUCAS und „Shahed-136“ festgestellt sowie behauptet wurde, das US-Gerät sei im Wesentlichen eine Rückwärtsentwicklung des iranischen Modells.

Widersprüchliche Angaben

Die These, dass LUCAS eine „Kopie“ oder eine „Rückwärtsentwicklung“ des „Shahed-136“ sei, ist in erster Linie die Position der iranischen Seite und einiger Publikationen, aber kein unbestrittener technischer Fakt. Einerseits unterstreichen iranische Amtsträger und das zitierte Magazin National Interest die äußere und funktionale Ähnlichkeit der beiden loitering-munition-Systeme und werten dies als ein westliches Eingeständnis der iranischen Führung im Segment der günstigen Drohnen. Andererseits beschreiben unabhängige Militäranalysten und die US-amerikanischen Quellen selbst LUCAS als ein eigenständiges Programm mit eigener Planer-, Triebwerks- und Steuerungsentwicklung, und erklären die Ähnlichkeit mit der Konvergenz der Anforderungen an günstige Massen-Kamikazedrohnen, nicht mit direktem Kopieren. Außerdem wird in offenen Quellen ein gleichnamiger, aber anderer iranischer Offizier genannt – Razi Mousawi, der im Dezember 2023 in Syrien getötet wurde (Bericht von RFI); er ist nicht mit dem Luftwaffenkommandeur der IRGC Madschid Mousawi zu verwechseln, der am 12. September sprach. Schließlich wird das genaue Datum und der Charakter der Operation „True Promise 1“ in unabhängigen Quellen nicht bestätigt und ist nur aus den Worten des Generals selbst bekannt.

Strategischer Wandel: die Philosophie der günstigen Massenproduktion

Unabhängig von der Debatte um das „Kopieren“ lässt sich in der Erklärung und der sie begleitenden Analyse eine breitere These erkennen: Die iranische Drohnenindustrie ist auf einer anderen Philosophie aufgebaut als die der traditionellen Verteidigungsmächte. Anstatt überteurer, komplexer Systeme habe der Iran, so die Darstellung der Quelle, auf einfache, günstige und in Massen produzierte Plattformen gesetzt. Der „Shahed-136“ wird in dieser Logik nicht als die vollendetste Drohne der Welt betrachtet, sondern als eine durchdachte, günstige Konstruktion, die die Berechnungen auf dem Schlachtfeld verändert hat. Die Autoren des Textes verbinden dies mit dem mehrjährigen Kurs auf die Entwicklung eigener menschlicher Ressourcen und lokaler Kompetenzen unter Sanktionen, was, so ihre Behauptung, zur Entstehung zahlreicher technologieintensiver Unternehmen und Forschungszentren, auch im Verteidigungsbereich, geführt habe.

Kontext: Sanktionen, Export und Einsatz im Krieg

Die Erklärung erfolgte vor dem bereits bestehenden internationalen Kontext um iranische Drohnen. Zuvor hatte die Europäische Union zusätzliche Sanktionen gegen den Iran verhängt, unter anderem im Zusammenhang mit der Lieferung von „Shahed“-Drohnen (Bericht von RFI), und die Geräte wurden weitgehend unter Kampfbedingungen eingesetzt, einschließlich Schlägen gegen Infrastruktur und bewegliche Ziele (Materialien ukrainischer Medien). In diesem Licht werden die Worte Mousawis über den „rekordhaften“ Drohneneinsatz in der Operation „True Promise 1“ und darüber, dass die iranische Technologie zum Vorbild für neue Generationen günstiger Drohnen geworden sei, als Versuch gewertet, den Narrativ der technologischen Führung des Iran im Nischenbereich der massenhaften Schlagdrohnen im öffentlichen Diskurs zu verankern.