Eine Recherche des US-Senders CNN, die auf Angaben amerikanischer Regierungsvertreter und internationaler Geheimdienstquellen basiert, deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen russischer Satellitenaufklärung und dem iranischen Angriff auf US-Militärziele hin. Laut den Journalisten flogen zwei Tage vor der verheerenden Attacke auf die Prince-Sultan-Basis in Saudi-Arabien 14 russische Aufklärungssatelliten in einer bestimmten Reihenfolge und zum richtigen Zeitpunkt über der Anlage. Dieses Flugmuster habe, so die Einschätzung der Quellen, die Erhebung eines breiten Spektrums von Aufklärungsdaten über die Aufstellung der US-Streitkräfte auf dem Basigelände ermöglichen können.
Was die CNN-Recherche herausfand
Der zentrale Schluss der Journalisten lautet, dass regelmäßige und zeitlich genau abgestimmte Überflüge russischer Satelliten über einem konkreten Objekt die Voraussetzungen für ein aktuelles Lagebild schaffen: die Positionierung von Waffensystemen, von Kommandostellen und anderen wichtigen Zielen. Amerikanische Regierungsvertreter und internationale Geheimdienstquellen erklärten gegenüber CNN, dass solche Informationen von Teheran bei der Planung der Attacke und zur Erhöhung der Lenkgenauigkeit hätten genutzt werden können. Wichtig ist, dass der Sender ausdrücklich betont: Er behauptet nicht, dass Russland dem Iran die Daten direkt für diesen konkreten Angriff überlassen hat. Es geht um eine mögliche, nicht um eine bewiesene Rolle der russischen Satellitenaufklärung bei der Vorbereitung der Attacke.
Kontext der Angriffe und Reaktion Washingtons
Die Recherche reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, die laut offiziellen Angaben mit dem Iran in Verbindung gebracht werden. Der Revolutionsgarden (IRGC) erklärte, am 9. September mit ballistischen Raketen eine US-Basis in Jordanien angegriffen zu haben; später tauchten im öffentlichen Raum Fotos von Schäden an US-Militärzielen nach Raketen- und Drohnenangriffen auf. Am 11. September griffen Drohnen die strategisch wichtige Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien an: Pumpstationen wurden beschädigt und der Betrieb der Pipeline vorübergehend gestoppt. US-Präsident Donald Trump erklärte, hinter diesem Angriff stehe vermutlich der Iran. Die Pipeline hat strategische Bedeutung, da sie Saudi-Arabien den Ölexport in Umgehung der Straße von Hormus ermöglicht.
Widersprüchliche Angaben
In den Veröffentlichungen zur Recherche fallen Abweichungen in der Formulierung und in der Geografie der Ereignisse auf, die zu berücksichtigen sind. Erstens präsentieren einige Schlagzeilen und Zusammenfassungen den Beitrag als bewiesene Tatsache direkter russischer Hilfe („Russland half dem Iran, die Raketen zu zielen“, „Russland „beleuchtete“ die Ziele“), während CNN selbst betont, dass es keine direkte Datenübermittlung für einen konkreten Angriff behauptet und sich auf Einschätzungen amerikanischer Regierungsvertreter stützt. Zweitens gibt es eine Diskrepanz bei der Lokalisierung der Angriffe: Der IRGC sprach von einem Angriff auf eine US-Basis in Jordanien, während die von CNN gemeldeten Überflüge russischer Satelliten über der Prince-Sultan-Basis in Saudi-Arabien festgehalten wurden. Somit bleibt das Ausmaß der Einbindung der russischen Aufklärung und die genaue Zuordnung der Überflüge zu konkreten Angriffen Gegenstand von Einschätzungen, nicht aber öffentlich bestätigter Tatsache.
Bedeutung für die regionale Sicherheit
Unabhängig davon, ob Informationen direkt übermittelt wurden, verstärkt allein der Fakt der zeitlich genau abgestimmten Überflüge russischer Satelliten über einer US-Basis wenige Tage vor dem Angriff die Sorge in Washington über die Fähigkeiten des Irans, punktuelle Ziele anzuvisieren. Wenn sich die Version einer russischen Satellitenunterstützung bestätigt, wäre dies ein Signal für ein neues Niveau der Koordination von Aufklärungsfähigkeiten zwischen Moskau und Teheran und könnte die Aufstellung der Streitkräfte sowie das Frühwarnsystem rund um US-Objekte auf dem Nahen Osten beeinflussen. Für Saudi-Arabien, dessen strategische Pipeline angegriffen wurde, unterstreichen die Vorfälle die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur und erhöhen den Wert einer verdeckten Unterstützung durch die USA.