Der Luftfahrtexperte Konstantin Kriwolap hat in einem Kommentar für RBC-Ukraine die aktuellen Eigenschaften der ballistischen Raketen des Komplexes „Iskander“ analysiert und bewertet, wie sich die Schwierigkeit ihrer Abwehr nach dem Erscheinen modifizierter Versionen verändert hat. Seinen Worten zufolge basierten die Berechnungen der ukrainischen Streitkräfte jahrelang auf der von Russland angegebenen Reichweite des „Iskander-M“ von 500 km, doch laut dem Hauptamt für Aufklärung (HUR) beträgt die tatsächliche Reichweite der Standardrakete 9M723 etwa 390 km. Dabei wurde ein Einsatz der Modifikation 9M723-2 mit einer Reichweite von bis zu 550 km festgehalten. Kriwolap betonte, dass es keine grundlegenden Änderungen an der Ballistik gab, die die Rakete unabwehrbar machen würden.
Tatsächliche Reichweite gegenüber der angegebenen
Der Experte erinnerte daran, dass zuvor Informationen über Tests der Rakete „Iskander-1000“ mit einer Reichweite von bis zu 800 km aufgetaucht waren, jedoch seit dem 24. Dezember keine bestätigten Fälle ihres Kampfeinsatzes festgehalten wurden. Nach Einschätzung von Kriwolap beträgt das Startgewicht der Rakete 3800–4600 kg, die Länge 7,3 Meter, der Rumpfdurchmesser 920 mm und die Masse des Sprengkopfes etwa 480 kg, wobei für Schläge auf eine Reichweite von bis zu 550 km einige leichtere Varianten des Kampfkopfes zum Einsatz kommen können.
„Iskander-1000“ und die Vorbereitung auf die FP-7
Den Worten des Experten zufolge deutet das Fehlen eines bestätigten Einsatzes des „Iskander-1000“ eher darauf hin, dass Russland im Voraus auf das Erscheinen der ukrainischen ballistischen Raketen FP-7 reagiert, die in der Lage sind, Startanlagen der „Iskander“ zu treffen. Dies erklärt seiner Meinung nach das Interesse an der Erhöhung der Reichweite und der Verbesserung der Lenkung, nicht aber an einem massiven Kampfeinsatz der neuen Modifikation.
Verwundbarkeit der Startanlagen
Kriwolap wies darauf hin, dass bei einer Reichweite von 390 km die Startanlage des „Iskander“ für einen Schlag auf Kiew etwa 150 km von der Grenze entfernt in der Oblast Brjansk positioniert sein müsste – auf einer Distanz, auf der ukrainische Aufklärungs- und Angriffsdrohnen solche Ziele erkennen und zerstören können. Laut seinen Angaben wurden in den letzten anderthalb Monaten mindestens drei Startanlagen getroffen, darunter der Komplex „Bastion“ in der Krim, der die Raketen „Oniks“ und „Zirkon“ einsetzt. Aufgrund der Bedrohung durch Kampfdrohnen war Russland den Worten des Experten zufolge gezwungen, einen Teil der Starts auf Kiew weiter von der Oblast Brjansk entfernt durchzuführen.
Abwehr: Flugbahn und Patriot
Bezüglich der Abwehr selbst bemerkte Kriwolap, dass sich die Schwierigkeit der Abschuss des „Iskander“ grundsätzlich nicht verändert hat: Die Rakete fliegt auf einer quasiballistischen Flugbahn in mittlerer Höhe von etwa 50 km, kann innerhalb von 300–400 Metern von der Hauptflugbahn manövrieren und hält einer Belastung von 20–30 g stand. Die Patriot-Systeme beginnen seiner Worten zufolge in der Regel die Zielführung auf einer Distanz von etwa 100 km und versuchen, sie auf etwa 25 km zum Abschuss zu erfassen, und die ukrainische Luftabwehr, insbesondere PAC-3, kommt dieser Aufgabe in den meisten Fällen erfolgreich nach.
Technische Verbesserungen und ausländische Komponenten
Gesondert erwähnte der Experte die Startanlage „Bora-M“, die sich von der Basismodell durch stärkere Führungsschienen und eine verstärkte Konstruktion aufgrund eines leistungsfähigeren Motors unterscheidet, jedoch keine grundsätzlich neuen Lösungen bietet. Die Rakete erhält auch ein verbessertes Lenksystem – optische korrelative Lenkköpfe DSMAC oder radargeführte Lenkköpfe, die gegen elektronische Kriegsführung (EW) widerstandsfähig sind, sowie schnellere Prozessoren auf Basis ausländischer Bauteile aus Deutschland, der Schweiz, den USA und Taiwan. Einen Teil der technischen Lösungen, so Kriwolap, haben sich die Russen von den nordkoreanischen Raketen KN-23 angeeignet. Zuvor hatte das HUR die Konstruktion und Hersteller der Rakete „Iskander-K“ offengelegt und „Nowator“ des Konzerns „Almas-Antej“ als Hauptentwickler der Lenkflugkörper dieses Komplexes benannt.
Widersprüchliche Daten
In den Erklärungen der Seiten und in den Einschätzungen der Experten gibt es Unstimmigkeiten bei den Schlüsselzahlen. Einerseits gibt Russland die Reichweite des „Iskander-M“ mit 500 km an und erwähnt aktiv die Tests des „Iskander-1000“ mit einer Reichweite von bis zu 800 km. Andererseits beträgt laut HUR die tatsächliche Reichweite der Standardrakete 9M723 etwa 390 km, und der bestätigte Einsatz der Modifikation 9M723-2 wurde nur auf 550 km festgehalten. Außerdem wurden trotz der Berichte über Tests des „Iskander-1000“ seit dem 24. Dezember keine bestätigten Fälle seines Kampfeinsatzes festgehalten, was die Tatsache seines tatsächlichen Kampfeinsatzes in Frage stellt. Genau deshalb bleiben die Schlussfolgerungen über die „Unabwehrbarkeit“ des überarbeiteten Komplexes umstritten: Nach Einschätzung von Kriwolap wehrt die ukrainische Luftabwehr sowohl Standard- als auch überarbeitete Raketen insgesamt erfolgreich ab.