Der israelische Wahlkampf geht in einer angespannten Atmosphäre in die Zielgerade, und vor dem Hintergrund der Konfrontation um Premierminister Benjamin Netanjahu richtet sich die Aufmerksamkeit verstärkt auf die Frage: Wie wird sich ein möglicher Machtwechsel in Tel Aviv auf die Beziehungen zur Ukraine auswirken? Experten zufolge unterstützt die geeinte Opposition — diesmal sind vier recht unterschiedliche Kräfte gegen den Premier angetreten —, die Ukraine auf deklaratorischer Ebene deutlich stärker als die amtierende Koalition. Für Kiew bedeutet dies potenziell einen aktiveren Dialog zur Bekämpfung des Iran und einen effektiveren Erfahrungsaustausch im Drohnenkampf.
Deklaratorische Unterstützung für Ukraine
Wie die Anwältin und Journalistin der israelischen Zeitung Maariv, Sofi Ron-Moria, gegenüber RBC-Ukraine erklärte, „unterstützen die Oppositionsparteien auf deklaratorischer Ebene die Ukraine weitaus mehr als die Koalitionsparteien“. Dabei wird der rein deklaratorische Charakter dieser Position betont: Es geht um öffentliche Äußerungen und die politische Rhetorik des geeinten Blocks, nicht um bereits gefasste gesetzgeberische oder exekutive Entscheidungen. Dennoch wird dies für Kiew als Signal gewertet, dass der Ton der Beziehungen bei einem Machtwechsel konstruktiver werden könnte.
Was Kiew gewinnen könnte
Unter den praktischen Folgen nennen Experten mehrere Bereiche. Erstens einen aktiveren Dialog zur Bekämpfung des Iran. Zweitens einen effektiveren Erfahrungsaustausch im Drohnenkampf — ein Thema, das für die Ukraine während des Krieges zu den wichtigsten gehört. Drittens die Zusammenarbeit in anderen Bereichen. Gesondert wird angemerkt, dass die Opposition bestrebt ist, die Beziehungen zur Europäischen Union wiederherzustellen, was angesichts der Rolle der EU bei der Unterstützung Kiews ebenfalls ein positives Signal für die Ukraine ist.
Sicherheit: Rhetorik versus Format
In Sicherheitsfragen, insbesondere in Bezug auf den Iran und die Hamas, unterscheiden sich die Positionen von Regierung und Opposition Experten zufolge kaum anders als durch ihre Rhetorik. Ihor Semiwolos, Direktor des Zentrums für Nahoststudien, erklärte: „Das Einzige, worin sich die Oppositionsparteien von der Regierung unterscheiden, ist, dass sie dennoch nicht bereit sind, den Krieg in dem Format fortzuführen, in dem Netanjahu ihn führt.“ Somit betrifft die Differenz der Parteien eher den Stil und das Ausmaß der Kampfhandlungen als die grundlegenden Ausrichtungen bezüglich des iranischen Faktors.
Analogie zu Ungarn und Wahlkampfatmosphäre
Einer der Gesprächspartner von RBC-Ukraine vergleicht die möglichen Veränderungen mit Ungarn nach Orbáns Abgang: Die Außenpolitik ändert sich spürbar, jedoch im Rahmen der gesellschaftlichen Akzeptanzbereitschaft. Der Wahlkampf in Israel selbst wird als scharf beschrieben: Im Vorfeld der Wahlen veröffentlichte Netanjahu auf dem sozialen Netzwerk X ein KI-generiertes Bild einer nuklearen Explosion über Tel Aviv, während in der Stadt selbst Tausende Menschen gegen den Premierminister demonstrierten. Vor diesem Hintergrund ist anzumerken, dass sich Netanjahu die Unterstützung Washingtons gesichert hat — US-Präsident Donald Trump unterstützte ihn kurz vor den Wahlen.