Das Institut für Kriegsstudien (ISW) berichtet in einem aktuellen Bericht, auf den sich RBC-Ukraine bezieht, über eine mögliche Rollenänderung im nördlichen Frontabschnitt: Laut den US-amerikanischen Analysten könnten nordkoreanische Einheiten russische Truppen auf bestimmten Abschnitten ersetzen, vermutlich in der Oblast Sumy. Sollte dies geschehen, würde Moskau die Möglichkeit erhalten, die freigesetzten Kräfte in den Lymanscher Taktikraum zu verlegen – was eine spürbare Umgruppierung der Kräfte im Norden der Ukraine darstellen würde.

Was das ISW berichtet

Die US-amerikanischen Analysten stützen sich auf eine Quelle, die mit der russischen Gruppierung „Nord“ in Verbindung steht. Demnach könnten auf bestimmten Abschnitten russische Soldaten durch nordkoreanische Einheiten ersetzt werden. Dieselbe Quelle behauptet, dass einzelne nordkoreanische Offiziere bereits in der Nähe der internationalen Grenze operierten, wo sie, so heißt es, Kampferfahrung sammelten und Aufklärung betrieben. Dabei, wie das ISW anmerkt, befinden sich nordkoreanische Soldaten bereits seit längerer Zeit im russischen Hinterland – in der Oblast Kursk. Auf dieser Grundlage vermuten die Analysten, dass ihr Eintritt auf ukrainisches Gebiet wahrscheinlich auf dem Sumyscher oder Charkower Frontabschnitt erfolgen könnte.

Widersprüchliche Angaben

Hier ist es wichtig, zwischen dem zu unterscheiden, was die anonyme Quelle behauptet, und dem, was das ISW tatsächlich feststellt. Die Quelle behauptet, dass nordkoreanische Offiziere bereits Aufklärung an der Grenze betrieben und Kampferfahrung gesammelt hätten; das Institut für Kriegsstudien selbst registriert jedoch bislang keine Anzeichen für die Präsenz nordkoreanischer Truppen auf ukrainischem Gebiet. Somit bleibt die These eines tatsächlichen Kampfeinsatzes der Nordkoreaner an der Front durch unabhängige Daten nicht bestätigt; es handelt sich vorwiegend um Vermutungen der Analysten, die auf einer einzigen anonymen Quelle beruhen. Sollte die Verlegung dennoch erfolgen, charakterisiert das ISW diese als weitere Ausweitung der Beteiligung Nordkoreas am Krieg gegen die Ukraine.

Verlegung russischer Einheiten

Separat wird im Bericht eine mögliche Verlegung russischer Truppen in den Raum Sumy erwähnt. Demnach könnte das russische Kommando zwei Bataillone des 1. Motorschützenregiments in das Dorf Rjasnoje verlegen, das südöstlich von Sumy liegt. Das ISW hatte Einheiten dieses Regiments zuvor auf verschiedenen Frontabschnitten im Norden der Ukraine registriert, was ihre mögliche Konzentration im Raum Sumy zu einem zusätzlichen Indikator für die Vorbereitung von Operationen in diesem Gebiet macht.

Kontext: Dynamik an der Front

Diese Einschätzungen erscheinen vor dem Hintergrund von Berichten der RBC-Ukraine, wonach die Verteidigungskräfte im Donbass vorrückten und die russische Armee in der Oblast Charkiw zurückwarfen. Zuvor hatte das Medium auch berichtet, dass der Kommandeur der SSB „Madsjar“ ein Video der Liquidierung des russischen Generals Grunis veröffentlichte. Die Gesamtheit dieser Faktoren erklärt nach Logik der Analysten das Interesse des russischen Kommandos an einer Umverteilung der Kräfte auf dem nördlichen Frontabschnitt und einer möglichen Einbindung nordkoreanischer Einheiten.